Der Autor zitiert in seinem Buch aus 196(!) anderen Büchern und stellt in Kurzform die Ergebnisse von 130(!) Studien vor. Dazu gibt es zahlreiche Beispiele und Geschichten aus der medizinischen Praxis, die er scheinbar aus Gesprächen mit Ärzten erhalten hat. Die Quintessenz aus all diesen Zusammentragungen ist, dass man in der medizinischen Behandlung den ganzheitlichen Ansatz, der Körper und Seele gleichermaßen berücksichtigt, endlich deutlich und mehr anwenden sollte. Ein Wunsch, eine hilfreiche Erkenntnis, die nicht neu ist. Auch nicht neu ist, was der Autor bemängelt, dass dieser Ansatz in der Praxis nach wie vor zu selten gewählt wird. Hierfür gibt er dann mal ein paar Tipps wie Ärzte und Patienten den richtigen Weg zu einer ganzheitlichen und optimalen Behandlung finden können; die aber auch nicht neu sind. Auch weiß man inzwischen zur Genüge, dass viele Erkrankungen psychische Hintergründe haben können, dass das aber nicht sein muss, und dass man mit einer stabilen seelischen Verfassung manche dann doch körperlichen Krankheiten wesentlich besser ertragen kann und diese nicht so in ihrer Symptomatik gefördert werden. Der Autor erzählt mittels seiner Aufzählungen der unterschiedlichsten Studien und Zitaten also erst mal nichts Neues.
Wie gute Gefühle gesund machen - so der Untertitel des Buches - wird kaum erklärt. Ein paar läppische Hinweise wie "lassen sie sich vom Glück anstecken, atmen sie mal tief durch und bauen sie Stress ab", kommen dem Leser, der eine tiefer gehende Verarbeitung der zahlreichen Thesen und Studienergebnisse erwartet hatte, da schon wie eine Ohrfeige vor. Dazu gibt es dann immer nach jedem Kapitel eine Zusammenfassung mit den wichtigsten Erkenntnissen wie z. B. "Zärtlichkeit kann den Blutdruck senken" oder "wer sich vernachlässigt fühlt, hat öfters Husten". Spätestens an diesen Stellen ärgert man sich, dass man das Buch gekauft hat. Durch diesen Ärger und den Kaffee, der einen während des Lesens vor Müdigkeit bewahren soll, schnellt dann der Blutdruck hoch und weil man sich vor lauter Aufregung verschluckt und von dem Autor in der Form vernachlässigt fühlt, dass er seine Leser wohl nicht ernst nimmt, bekommt man einen Hustenanfall. Hat man dann aber z. B. in Form einer lieben Ehefrau Glück, von dem man sich anstecken lassen kann und streichelt die liebe Ehefrau einem zudem nett übers Haar, hält ein Bonbon und ein Glas Wasser parat und alles reguliert sich wieder, stimmen die aus den Studienergebnissen konstruierten Thesen ja doch. Was zu beweisen war!
Letztlich kann man sich natürlich selbst mühen und alles aus den Zitaten, Geschichten und Studienresultaten selbst herausziehen. Ja, Reichtum macht nicht tatsächlich glücklicher, aber seltener krank. Wahrscheinlich, weil man mehr Zeit und Geld für eine bessere Versorgung durch sich selbst und diverse Behandler hat, was wohlgemerkt eine eigene Vermutung ist. Ja, Südländer haben nicht weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weil sie sich besser ernähren, sondern weil man dort noch des Essens wegen isst und nicht als Begleitung zum Fernsehen oder aus zu untersuchenden unbewussten Motiven aus dem Raum der psychischen Belastungen. Außerdem haben die im Süden besseres Wetter und mehr Liebe in der Familie. Ja, Placebos können manchmal genau so helfen wie richtige Medikamente, denn der Glaube versetzt Berge. Und nochmals ja, jede Studie ist natürlich nur ein Hinweis auf Ursachen und Tendenzen, aber kein endgültiger Beweis, denn es gibt nur eine Regel, die von der Ausnahme, und vielleicht doch noch eine andere, nämlich die, dass gewisse statistische Mehrheiten natürlich dennoch ein Indiz für eine gute Lebensführung und damit bessere Gesundheit sein können. Also, was jetzt? Hm? Probieren sie dies und das doch mal aus, und wenn's nicht klappt, nehmen sie das nächste. Übersetzt: Werden Sie mal reich und sehen sie, ob die leidigen Rückenschmerzen aufhören oder lieben sie doch ihre Frau mal wirklich von Herzen und erfreuen sich ggf. am sinkenden Blutdruck.
So geht es praktisch das ganze Buch durch. Wenn Sie sich vorstellen, sie würden statt zu lesen, mit dem Autor sprechen, sähe das ungefähr so aus: Autor: "Menschen sind nach einer Scheidung weniger gesund, als die, die langfristig in ihrer Ehe bleiben, so eine Studie. Na, da gucken Sie!" Mit dieser Erkenntnis lässt er sie dann erst mal alleine. Der Leser weiß nun, statistisch gesehen habe ich eine größere Chance auf ein gesundes Leben, wenn ich bei meinem Partner oder meiner Partnerin bleibe. Der Leser reagiert trotz der erdrückenden statistischen Macht noch etwas verunsichert mit: "Aha, und jetzt?" "Natürlich", so der Autor, "wenn sie sich ständig streiten und Kochtöpfe und Bratpfannen an den Kopf werfen, dann ist das auch nicht gesund. Zu den aktuellen Kopfprellungen kommt dann auch noch seelische Pein." Leser: "O.K., in dem Fall wäre also eine Trennung besser." Autor: "Hm, bedenken Sie aber, dass allein lebende, trotzt fehlendem Beziehungsstress, auch nicht gesündere Blutwerte erreichen als verheiratete Probanden, so eine Studie..., und dann habe ich da - bevor Sie mich jetzt auf irgendetwas festlegen wollen - aber auch noch eine nette Geschichte von einem Kollegen aus der leibhaftigen Arztpraxis: Bei einer allein stehenden alten Frau heilte eine Wunde schneller, weil sie einen einfühlsamen Chirurgen vorfand." Leser: "Haben Sie die Adresse von dieser scheinbar seltenen Spezies von Arzt?"
Wie man jetzt zu guten Gefühlen kommt, die gesund machen und ob es denn am Ende nicht sogar umgekehrt ist, also erst mal gesund sein und dann klappt es schon mit den Gefühlen, kann der Autor nicht wirklich beantworten. Er liefert auch keine konkreten tiefer gehenden Ansätze, wie man auf seine Gefühle so einwirken kann, das Glück und langes Leben folgen. Insofern hält das Buch nicht, was der Titel und die reißerischen Inhaltsangaben auf dem Umschlag versprechen. Auf die Lektüre kann man also auch ohne in Anspannung zu geraten, eventuell tiefe Weisheiten verpasst zu haben, verzichten, denn nachher ist man weder schlauer als zuvor und obendrein nur ansatzweise gut unterhalten worden.
Warum zwei Sterne und nicht einen? Durch die ganzen Studienergebnisse, an die man anders so schnell nicht gekommen wäre, kann man jetzt beim Kaffee oder Essen mit Freunden mit vermeintlichen Erkenntnissen daher kommen und sogar sagen, dass dies wissenschaftlich untersucht bis bewiesen wurden. Außerdem gelang es mir, eine Pizza ohne schlechtes Gewissen (siehe Studie zu Pizza und Herzinfarkt, S. 58) zu essen.