4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Trotz und Stärke im Schattenreich, 29. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Körper meines Bruders (Gebundene Ausgabe)
Budapest Mitte der 1950er-Jahre: Eine verheiratete Arbeiterin der Konservenfabrik gebiert Zwillinge, doch sie hat wenig Interesse an der Mutterschaft. Also kümmert sich der Vater um das Mädchen Borká und den Jungen Palkó. Mit dem Ungarnaufstand erreicht die Revolution die Familie, durch einen Zufall stirbt der kleine Junge. Zurück bleibt, kaum dass sie laufen kann, seine Zwillingsschwester Borká. Nun muss sie für zwei leben lernen, für sich und für den Bruder, der ihr so fehlt. Als sie auch noch den Vater verliert, ist sie allein mit ihrer Mutter, die keine sein will.
Eine schmerzhafte Entwicklung beginnt, die Borká und den Leser durch die Institutionen und den pittoresken Alltag des real existierenden Sozialismus' Ungarns führt und dabei keine bittere Wahrheit auslässt. Partei und Kirche, Schule und Intelligenzia, Budapests großbürgerliche Vergangenheit und die sowjetische Gegenwart, all diese Kräfte zerren an der Seele Borkás und ihrer Mutter, die verzweifelt nach einem gangbaren Weg suchen, mit dem Leben zurechtzukommen. Eindrückliche Personen und absonderliche Details aus Alltag und Seelenleben durchkreuzen die Geschichte, immer tiefer dringt man in die trotzige Weltsicht Borkás ein. Das Buch ist voller widersprüchlicher Charakter in schwierigen Umständen, die glaubhaft agieren. Die längst nicht vergangene Geschichte wird dadurch anschaulich.
Léda Forgó hat einen hochinteressanten und ungewöhnlichen Roman geschrieben, der uns die jüngste Geschichte Europas nicht nur aus der Perspektive eines widerspenstigen Kindes, sondern durch die unverwechselbaren Details des Alltags einfacher Leute erzählt. Forgó kommt ganz ohne politische Deutelei und ohne die üblichen Klischees über Osteuropa aus, die Weltsicht ihrer Protagonistin bewahrt sie davor. Hinzu kommt eine klare, aber ungewöhnliche Sprache: Forgó, die seit 1994 in Deutschland lebt und hier nach einem Studium des Szenischen Schreibens ihren ersten Roman vorlegt, hat die deutsche Sprache erst nach ihrem Umzug erlernt. Die Sätze, die sie formt und die bildhaften Szenen, die sie baut, sind eigenwillig und nicht immer elegant, aber eben deshalb besitzt diese besondere Art des Erzählens eine eigene Würze. Zu Recht erhielt die Autorin dafür den Chamisso-Förderpreis 2008.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Muss nicht sein!, 20. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Körper meines Bruders (Gebundene Ausgabe)
Ambitioniert, aber leider nicht gelungen.Die Geschichte bleibt an der Oberfläche, die Charaktäre wirken diffus.
Nicht empfehlenswert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
2 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Starker Anfang, schwacher Abgang, 28. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Körper meines Bruders (Gebundene Ausgabe)
Die ersten hundert Seiten sind wirklich gut. Die zweiten hundert sind leidlich und die letzten hundert Seiten machen alles wieder kaputt. Schade.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein