Die wahre Selbstliebe einer Frau zeigt sich in ihrem Bemühen, wie jemand anders auszusehen: extrem schlank und ewig jung wie Cindy Crawford, mit Brüsten wie von Pamela Anderson.
Was wie eine Satire auf die Cover-Seiten auflagenstarker TV-Magazine klingt, entpuppt sich als messerscharfe Analyse der zu ihrem Wesen mutierten Oberfläche unserer Gesellschaft. Äußerliche Schönheit ist zum absoluten Maßstab für Erfolg, Disziplin und Glück geworden: Für den Karrieremann, der sich nur in sexy Begleitung zeigt, und besonders für sie! Nachweislich haben "häßliche Entlein" weniger Chancen im Beruf wie im Leben überhaupt. In Amerika gelten "überflüssige" Kilo bereits als rechtlicher Kündigungsgrund.
Um der von den Medien suggerierten Machbarkeit von Jugend, Schlankheit und Fitneß gerecht zu werden, zelebrieren Frauen, die sich's finanziell leisten können, eine wahre Hetzjagd nach einem unsinnigen, weil krankhaften Ideal. In den USA wird mehr Geld für Schönheit und Fitneß als für das Bildungs- und Sozialsystem ausgegeben - zur Freude vieler Familienernährer und Aktionäre, denn ein gigantischer Rattenschwanz von Kosmetik- und Diätindustrien lebt (prächtig) von der zur magersüchtigen Helena versklavten Frau, seit sie ihre Rolle als üppig geformte Gebärmaschine abgeben durfte.
Fazit: Eine selbstbewußte Frau mit gesunden Rundungen würde Millionen Arbeitslose verursachen!
So viel Verantwortung schreit nach Gerechtigkeit. Endlich hat Friedrich Torbergs Weisheit - "Alles was ein Mann schöner ist als ein Aff', ist ein Luxus" - ausgedient. Wer mehr Woody Allen als Pierre Brosnan gleicht, dem mag die Chance auf einen Lacher bleiben, doch kaum auf einen angesehenen Job und eine (schöne!) Frau.
Das signalisiert jedenfalls die omnipräsente Werbung, weshalb die Autorin Waltraud Posch, Erziehungswissenschaftlerin und Journalistin, für ein von der Wirtschaft emanzipiertes, humaneres Menschenbild plädiert. Gesünder wäre es allemal!
Ein kritisch kluges, scharfsichtiges und darum hilfreiches Buch zum besseren Verständnis der Zusammenhänge zwischen medialisierten Körperimages, Selbstwahrnehmung, Selbstwertgefühl und dem "Boom" der Esskrankheiten.