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»Die diskontinuierlichen Faktencollagen aus Gefundenem, Gelesenem und Aufgeschnapptem, die Listen, Tabellen und Aufzählungen, Wiederholungen und Verschiebungen erlauben es, das Buch von hinten nach vorn oder mit großen Unterbrechungen zu lesen, die Gedanken vor, während und nach der Lektüre wild schweifen zu lassen und sich zu keinem Zeitpunkt belehrt zu fühlen.
Wie immer stellt sich Andreas Neumeister damit beherzt in die Tradition des Prinzips Zufall bei Dada, der Emphase der tastenden, probierenden Umgangssprache inklusive Stottern, Stammeln und Stöhnen und der rauschhaften Spontaneität in der Beat-Literatur, des Filmischen und Dokumentarischen bei Rolf Dieter Brinkmann und des Muts zur Lücke und zur grafischen Gestaltung in der konkreten Poesie - und obendrein knüpft er an Social Beat und Poetry Slam an, da seine rhythmisierten Texte an Refrains oder Loops in einem Song erinnern und immer besser klingen, wenn man sie laut liest oder vorgelesen bekommt. Der Kern des Ganzen: Andreas Neumeister war auf Reisen. In Rom, Berlin, München, New York, Frankfurt, Paris, Tallinn, Moskau, München, Los Angeles und Mexiko City. Er hat wie üblich neugierig bis naiv die Antennen ausgefahren, keine Strapazen der Entgrenzung und Reizüberflutung gescheut und seine Beobachtungen lose um Themen wie Ballungsräume, Hochhäuser, Waldsiedlungen und Parkplatzlandschaften gruppiert. Erhellend sind seine Betrachtungen, daß die faschistische Architektur in Rom ungleich moderner, manchmal sogar eleganter war als die in Berlin, daß der Wohnungsbau in Ostberlin, die Plattenbauten, womöglich wirklich demokratischer waren als der in Westdeutschland, daß die revolutionäre Architektur, die in Rußland angedacht war, unter Stalin zur Zuckerbäckerarchitektur verkam und vielleicht heute eher noch in München zu spüren ist als in Moskau.
Nun wäre aber Andreas Neumeister nicht er selbst, hätte er es nur bei Erkenntnisgewinnen wie diesen belassen und wäre er nicht auch der Überzeugung treu geblieben, daß das Wissen der Popavantgarde gefährliches Halbwissen zu sein hat und daß eben auch frei nach Baudrillard die blanken, banalen Oberflächen zu spiegeln sind.«
»So wie man es in Leibniz’ Bild mit dem Paradigma der modernen Stadt zu tun hat, so in Neumeisters Roman mit dem Paradigma der postmodernen Stadt. (…) Dennoch beschreibt Neumeister hier nicht die postmoderne Stadt, wie man sie in den letzten dreißig Jahren als postmoderne Stadt präsentiert bekommen hat: Er beschreibt nämlich die Stadt, die Städte, den urbanen Raum ganz unprätentiös, uneitel, aber doch präzise: Nicht die große Metapher von der Ruine, welche die moderne und postmoderne Stadt gleichermaßen begleitet, interessiert ihn, sondern die Realität der Stadt als Baustelle – im faktischen wie auch übertragenen Sinne. (…) Neumeister liefert keine Berichte von Städtereisen, sondern Baustellenreisen – diese sind zugleich historische Ausflüge, die aber doch in einem geschichtslosen Raum sowie in einer raumlosen Zeit bleiben. Das ist vielleicht die gewaltigste Erkenntnis, die Neumeister hier entfaltet: Wo die Städte Baustellen geworden sind, sind sie nicht nur zeitlos – das ahnte man schon – , sondern auch ortlos, irgendwann und irgendwo, nirgendwo. (…)
Entscheidend ist, daß Neumeister mit ›Könnte Köln sein‹ die Matrix einer Erfahrungsstruktur liefert, zu der bisher die Stadtforschung nur im selbstgefälligen, bornierten Jargon fähig war. ›Wo überall Menschen wohnen! Wohnen und mitten in der Pampa aus dem Bus aussteigen. Auch im Dunkeln.‹ Neumeisters lapidare und gewiß auch banale Feststellung nimmt im Gefüge des Romans programmatische Züge an und durchbricht jede Selbstverständlichkeit, mit der man sich bisher in Städten zu bewegen glaubte. Dazu paßt, daß das Buch Gordon Matta-Clark gewidmet ist: Der 1978 jung verstorbene Künstler hatte in den Siebzigern mit der Motorsäge ganze Häuser durchtrennt und so eine Anarchitektur der Dekonstruktion geschaffen, die nun, 2008, Neumeister mit den Mitteln der Literatur fortsetzt.«
(Roger Behrens Jungle World )»Der 1959 geborene Neumeister hat eines der klügsten Bücher der Saison geschrieben.«
(Ina Hartwig Frankfurter Rundschau )»Schon jetzt Titel des Jahres.«
(Gerrit Bartels Der Tagesspiegel )»In der Auseinandersetzung mit Oberfläche und geschichtlicher Tiefenstruktur, mit Pop und allgemeiner Historie gelingt es Neumeister, der von seinem »Basislager« München aus aufbricht, ein facettenreiches Kaleidoskop über die Verfassung der Städte rund um den Globus und ihrer Bewohner zu bieten. ... Könnte Köln sein ist somit als eine meisterhafte Chronik der Gegenwart, der laufenden Ereignisse und Zumutungen zu verstehen. Die stromartige Reihung von Beobachtungen, Eindrücken, Erinnerungen, Auflistungen und Momentaufnahmen verschaltet Fakten und Fiktion miteinander. Das Collagieren und Strukturieren des Materials nutzt Neumeister (erneut) als Erzählformalismus, als narrativen Kniff, um der Realität und dem »heutigen Heute« textlich beizukommen.«
(Thomas Ballhausen dérive, Zeitschrift für Stadtforschung )
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