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Könnte Köln sein: Städte. Baustellen. Roman
 
 
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Könnte Köln sein: Städte. Baustellen. Roman [Gebundene Ausgabe]

Andreas Neumeister
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 276 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (25. Februar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518419196
  • ISBN-13: 978-3518419199
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 12,8 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 633.980 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Andreas Neumeister
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Die diskontinuierlichen Faktencollagen aus Gefundenem, Gelesenem und Aufgeschnapptem, die Listen, Tabellen und Aufzählungen, Wiederholungen und Verschiebungen erlauben es, das Buch von hinten nach vorn oder mit großen Unterbrechungen zu lesen, die Gedanken vor, während und nach der Lektüre wild schweifen zu lassen und sich zu keinem Zeitpunkt belehrt zu fühlen.
Wie immer stellt sich Andreas Neumeister damit beherzt in die Tradition des Prinzips Zufall bei Dada, der Emphase der tastenden, probierenden Umgangssprache inklusive Stottern, Stammeln und Stöhnen und der rauschhaften Spontaneität in der Beat-Literatur, des Filmischen und Dokumentarischen bei Rolf Dieter Brinkmann und des Muts zur Lücke und zur grafischen Gestaltung in der konkreten Poesie - und obendrein knüpft er an Social Beat und Poetry Slam an, da seine rhythmisierten Texte an Refrains oder Loops in einem Song erinnern und immer besser klingen, wenn man sie laut liest oder vorgelesen bekommt. Der Kern des Ganzen: Andreas Neumeister war auf Reisen. In Rom, Berlin, München, New York, Frankfurt, Paris, Tallinn, Moskau, München, Los Angeles und Mexiko City. Er hat wie üblich neugierig bis naiv die Antennen ausgefahren, keine Strapazen der Entgrenzung und Reizüberflutung gescheut und seine Beobachtungen lose um Themen wie Ballungsräume, Hochhäuser, Waldsiedlungen und Parkplatzlandschaften gruppiert. Erhellend sind seine Betrachtungen, daß die faschistische Architektur in Rom ungleich moderner, manchmal sogar eleganter war als die in Berlin, daß der Wohnungsbau in Ostberlin, die Plattenbauten, womöglich wirklich demokratischer waren als der in Westdeutschland, daß die revolutionäre Architektur, die in Rußland angedacht war, unter Stalin zur Zuckerbäckerarchitektur verkam und vielleicht heute eher noch in München zu spüren ist als in Moskau.
Nun wäre aber Andreas Neumeister nicht er selbst, hätte er es nur bei Erkenntnisgewinnen wie diesen belassen und wäre er nicht auch der Überzeugung treu geblieben, daß das Wissen der Popavantgarde gefährliches Halbwissen zu sein hat und daß eben auch frei nach Baudrillard die blanken, banalen Oberflächen zu spiegeln sind.«

(Susanne Messmer Die Tageszeitung )

»So wie man es in Leibniz’ Bild mit dem Paradigma der modernen Stadt zu tun hat, so in Neumeisters Roman mit dem Paradigma der postmodernen Stadt. (…) Dennoch beschreibt Neumeister hier nicht die postmoderne Stadt, wie man sie in den letzten dreißig Jahren als postmoderne Stadt präsentiert bekommen hat: Er beschreibt nämlich die Stadt, die Städte, den urbanen Raum ganz unprätentiös, uneitel, aber doch präzise: Nicht die große Metapher von der Ruine, welche die moderne und postmoderne Stadt gleichermaßen begleitet, interessiert ihn, sondern die Realität der Stadt als Baustelle – im faktischen wie auch über­tragenen Sinne. (…) Neumeister liefert keine Berichte von Städtereisen, sondern Baustellenreisen – diese sind zugleich historische Ausflüge, die aber doch in einem geschichtslosen Raum sowie in einer raumlosen Zeit bleiben. Das ist vielleicht die gewaltigste Erkenntnis, die Neumeister hier entfaltet: Wo die Städte Baustellen geworden sind, sind sie nicht nur zeitlos – das ahnte man schon – , sondern auch ortlos, irgendwann und irgendwo, nirgendwo. (…)

Entscheidend ist, daß Neumeister mit ›Könnte Köln sein‹ die Matrix einer Erfahrungsstruktur liefert, zu der bisher die Stadtforschung nur im selbstgefälligen, bornierten Jargon fähig war. ›Wo überall Menschen wohnen! Wohnen und mitten in der Pampa aus dem Bus aussteigen. Auch im Dunkeln.‹ Neumeisters lapidare und gewiß auch banale Feststellung nimmt im Gefüge des Romans programmatische Züge an und durchbricht jede Selbstverständlichkeit, mit der man sich bisher in Städten zu bewegen glaubte. Dazu paßt, daß das Buch Gordon Matta-Clark gewidmet ist: Der 1978 jung verstorbene Künstler hatte in den Siebzigern mit der Motorsäge ganze Häuser durchtrennt und so eine Anarchitektur der Dekonstruktion geschaffen, die nun, 2008, Neumeister mit den Mitteln der Literatur fortsetzt.«

(Roger Behrens Jungle World )

»Ein fiktionales Reisejournal, das in beschwingtem Überflug durch Rom, Berlin, Frankfurt, Moskau und München führt, eine gleichermassen sprach- wie architekturkritische Tour d'Horizon, welche die Skyline heutiger urbaner Lebenskonzepte absteckt. Neumeister, der jüngst stupend musikalisch über Musik schrieb, tut hier Vergleichbares mit Architektur: Er schreibt architektonisch über sie. Er baut Prosa und lässt uns am Konstruktionsprozess teilhaben. ... Mit derart geschärfter Sensibilität dafür, was Architektur über Epochen, Lebensentwürfe und deren Protagonisten mitteilt, setzt der Autor uns eine Brille auf, ohne die wir nach der Lektüre dieses Buchs kaum mehr durch Städte gehen werden. In ihrer Geschichtlichkeit sehen wir unsere eigene aufleuchten. Denn dieses Buch hat aus Mauern Spiegel gemacht.« (Michel Mettler Neue Zürcher Zeitung )

»Als Baustelle konzipiert, unfertig und provisorisch, spaziert Könnte Köln sein auf Umwegen, aber nie langweilig mit abrupten Orts- und Textsortenwechseln leichtfüßig durch mehrfach vermittelte, verwinkelte Denkgebäude, um en passant historische, soziale und politische Zusammenhänge von Urbanität und Architektur freizulegen.« (Alexander Müller Frankfurter Allgemeine Zeitung )

»Trotz aller Geschichtsversessenheit sind diese Großstadt-Streifzüge das genaue Gegenteil von Bildungshuberei und Baedeker-Gefuchtel. Neumeister ist manchmal entwaffnend naiv, nimmt aber immer wieder eine Prise Benjamin, um seinen Reisen den richtigen kulturkritischen Kick zu verpassen. Er flaniert, wie nur ein hedonistischer Pop-Frühromantiker flanieren kann: indem er die Städte mit Musik und die Musik mit Lebensstil-Revolten auflädt.« (Jutta Person Literaturen )

»Gäbe es einen Preis für den besten Buchtitel der Saison, Andreas Neumeister hätte ihn locker verdient. ... Neumeister, 1959 geboren, ist der Poplyriker unter den Popliteraten, der Musiker und DJ unter den Schriftstellern, ein Meister des Samplings und der Collage. Könnte Köln sein ist eine Reise durch große Städte - Paris, New York, München, Moskau oder Mexiko City. Neumeister inspiziert die Welt und die Gebäude, in denen und mit denen wir leben. ... Immer ist dieses Buch ein ästhetisches Vergnügen, inklusive der vielen Abbildungen, die es nicht gibt, die aber vorm geistigen Auge des Lesers entstehen.« (Gerrit Bartels Der Tagesspiegel )

»Der 1959 geborene Neumeister hat eines der klügsten Bücher der Saison geschrieben.«

(Ina Hartwig Frankfurter Rundschau )

»Schon jetzt Titel des Jahres.«

(Gerrit Bartels Der Tagesspiegel )

»In der Auseinandersetzung mit Oberfläche und geschichtlicher Tiefenstruktur, mit Pop und allgemeiner Historie gelingt es Neumeister, der von seinem »Basislager« München aus aufbricht, ein facettenreiches Kaleidoskop über die Verfassung der Städte rund um den Globus und ihrer Bewohner zu bieten. ... Könnte Köln sein ist somit als eine meisterhafte Chronik der Gegenwart, der laufenden Ereignisse und Zumutungen zu verstehen. Die stromartige Reihung von Beobachtungen, Eindrücken, Erinnerungen, Auflistungen und Momentaufnahmen verschaltet Fakten und Fiktion miteinander. Das Collagieren und Strukturieren des Materials nutzt Neumeister (erneut) als Erzählformalismus, als narrativen Kniff, um der Realität und dem »heutigen Heute« textlich beizukommen.«

(Thomas Ballhausen dérive, Zeitschrift für Stadtforschung )

Kurzbeschreibung

Zustände wie im alten verglichen mit Zuständen wie im neuen Rom. Könnte Köln sein. Die Stadt, in der wir leben, die komplett von Menschen gemachte Welt, das hat Andreas Neumeister schon immer interessiert. In seinem neuen Buch nimmt er urbane und pseudo-urbane Architektur in den Blick, sei es nun in München, Mexiko-Stadt, in der stadtähnlichen nordamerikanischen Provinz, in Los Angeles, Moskau oder Reykjavík. Bewachte Siedlungen, Trailer Parks, Event-Wohnen, Pinselsanierung, Architectural Correctness: von den Hütten zwischen Stadtautobahnschleifen zu den Palästen in zentraleren Lagen. Wie spiegelt sich Politik in Gebäuden? Wie modern kann eine faschistische Parteizentrale aussehen? Bilbao-Effekt klingt gut, Wohlfühlbahnhof noch besser. Wen vereinnahmt die Stadt? Und wen spuckt sie wieder aus? Wem gehört die Straße zwischen all den Gebäuden, die in Stadtzentren seltsam autistisch herumstehen? Andreas Neumeister fällt erzählend mit der Tür ins Haus, zoomt mitten hinein in die deutsche "gemuetlichkeit", durchmißt Straßenfluchten, Megastädte und Stadtrandwahnsinn. Architektur als "gefrorene Musik", als sichtbare Geschichte: für die Geschichte gebaut oder für "real-lebende, original-echte Bewohner"?

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
Eine Baustelle zum Denken 2. August 2008
Von Domitian
Format:Gebundene Ausgabe
Beim Aufschlagen des Buches erst ein kurzer Schreck: was ist das. Oder besser: wo ist der Text?
Aber je länger man liest desto mehr bildet sich aus dem Meer von Bruchstücken ein Bild.
Und je länger man liest desto mehr Freude hat man am Bild das sich bildet.
Ich habe lange nicht mehr so viel Freude an einem Buch gehabt; es ist witzig und intelligent, leider etwas Münchenlastig und nicht durchweg gelingt es Neumeister, das Niveau zu halten.
Trotzdem: unbedingt empfehlenswert.
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Montierte Bruchstücke 5. Juni 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Großstädte sind elementarer Bestandteil unserer gegenwärtigen Lebenswirklichkeit. Diskutieren wir heute nicht mehr in erster Linie den Gegensatz von Stadt und Land, so liegt dies vor allem daran - wie Henri Lefebvre bereits 1970 in "La révolution urbaine" (Die Revolution der Städte) herausarbeitete -, dass diese Großstädte und deren Funktionsweise die Gesellschaft schon so durchdrungen haben, dass der Antagonismus hinfällig ist. Die Großstadt ist raumlos geworden. Und so verweist bereits der Titel von Andreas Neumeisters neuem Roman Könnte Köln sein" auf diese - wenn man so will - postmoderne Konstellation. Die Städte sind austauschbar, und so ist Köln nur das letzte Glied einer langen Reihe von Stadtbeschreibungen von München, New York, Los Angeles, Paris, Rom, Mexiko und vielen anderen mehr.

Doch täte man dem Roman - der exakte Untertitel lautet Städte. Baustellen. Roman" - unrecht, das Wort Beschreibung" unkommentiert stehen zu lassen. Es handelt sich nicht um Beschreibungen in dem Sinne, in dem diese Bezeichnung es erwarten ließe, sondern um montierte Bruchstücke. In dieser fragmentarisierten Form findet sich zugleich die Grundbefindlichkeit der Großstadt, nach der der Text schweifend sucht, wieder. Paul Virilio veranschaulichte dies in seinem Essayband Panische Stadt" (2007) am Beispiel der Metro, die durch das Unter- und Auftauchen eine fragmentarisierte Vorstellung der Stadt hinterlasse. Und so prasselt ein Bruchstück nach dem anderen auf den Leser ein, häufig lose, meist gar nicht mit den vorangehenden und nachfolgenden verbunden, nur noch zusammengehalten in der losen Hülle des Namens einer Großstadt: könnte München sein, könnte New York sein, könnte Köln sein.

So bietet der Roman keine Handlungen oder Ereignisse und er verzichtet konsequenterweise auf Romanfiguren. Stattdessen versucht er in der Form der Montage den Zusammenhang von Bildlichkeit und Literatur zu demontieren. Häufig trifft man auf das Kürzel Abb.", doch ohne dass die Abbildung folgen würde. So verliert die Erklärung ihren Bezug und schwebt isoliert im Raum. Durch diesen Konventionsbruch, durch die Auflösung von Bezügen wird zugleich die Virtualiserung thematisiert. Endet der Roman im titelgebenden Köln, so endet er signifikanterweise im Rechenzentrum, dem neuen Knotenpunkt der Megacitys.

Die Oberfläche der Städte ist die Architektur und so wird diese Außenhaut immer wieder in den Mittelpunkt gerückt, beispielsweise die "sieben Schwestern" genannten Hochhäuser in Moskau. Doch in der Montage wird der bloßen Bildbeschreibung die Stadt in ihrer Bruchstückhaftigkeit gegenübergestellt, seien es Anekdoten, Beschreibungen von Fotos oder Zitate. Die Architektur wird zum Raum, in dem sich Gesellschaft widerspiegelt und verliert damit zugleich ein Stück Unmittelbarkeit.

Andreas Neumeister wird in dem zugehörigen Wikipedia-Artikel in die Nähe der Pop-Literatur gerückt. Davon ist in Könnte Köln sein" nichts zu spüren. Der Roman verweigert sich einer populären Lesefreundlichkeit geradezu. Ihm fehlt vollständig die übliche Fokussierung auf den Lesefluß, auf das Erzählen. Stattdessen beschreibt er nur und auch diese Beschreibung ist bedingt durch die Medialität ein einziges Defizit. Was Neumeister mit seinem neuen Buch abgeliefert hat, ist keine Pop-Literatur, sondern geriert sich als intellektualistische Avantgarde. Und so handelt es sich um ein lobenswertes Buch, aber Spaß, Spaß im herkömmlichen, im populären Sinn, hat man beim Lesen nicht.
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