Andreas Hermann, Anfang 40, hat die erste Hälfte seines Lebens im Osten Deutschlands verbracht. Nach der Wende beruflich vielfach gescheitert, lebt er in einer winzigen Wohnung in Berlin, Prenzlauer Berg, und arbeitet als Ein-Euro-Jobber an einem Kulturprogramm zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Ausgerechnet mit einer Gruppe arbeitsloser Intellektueller soll er die Ereignisse des Jahres 1989 nachspielen. Andreas Hermanns Beschäftigungsagentur grenzt an eine Siedlung weißer Townhäuser, die am Königstor für wohlhabende Bewohner errichtet wurde. Dort lebt Ulrike Beerenstein, die als Designerin in einem der vielen neuen Ladenbüros der Stadt arbeitet. Jeden Morgen beobachtet sie Andreas Hermann von ihrem Fenster aus. Als ihr Mann zu einer Dienstreise aufbricht, beginnen sie eine Affäre: Andreas Hermann betritt das weiße Townhouse wie eine neue Welt. Alexander Osangs Roman ist ein Buch über die guten Vorsätze, die Enttäuschungen, die Missverständnisse und das Glück in der wiedervereinigten Stadt. Ein Liebesroman.
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Produktbeschreibungen
Über den Autor
Alexander Osang, geboren 1962 in Berlin, studierte Journalistik in Leipzig und arbeitete nach der Wende als Chefreporter der Berliner Zeitung. Für seine Reportagen erhielt er mehrfach den Egon-Erwin-Kisch-Preis und den Theodor-Wolff-Preis. Nach sieben Jahren als Reporter für den Spiegel in New York lebt er heute wieder in Berlin. Alexander Osangs erster Roman ›die nachrichten‹ wurde verfilmt und mit zahlreichen Preisen, darunter dem Grimme-Preis, ausgezeichnet. Im S. Fischer Verlag und Fischer Taschenbuch Verlag liegen darüber hinaus vor die Romane »Lennon ist tot« und »Königstorkinder« sowie die Glossensammlung »Berlin – New York«.
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Pünktlich zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands legt Alexander Osang in seinem Liebesroman der anderen Art eine Nachlese und zugleich einen Ausblick des Ankommens in dieser wiedervereinigten, deutschen Welt vor. Wobei das Thema Vereinigung und die Suche nach einer tragfähigen Basis für eine solche auf mehreren Ebenen sich durch das Buch zieht. Auch die Liebesgeschichte, die sich im Buch entfaltet, wird ein Bild für den Wunsch nach Vereinigung und die großen Schwierigkeiten, die das mit sich bringen kann.
Sein Protagonist, Andreas Herrmann, 40 Jahre alt, versucht seit 1989 umtriebig, Anfangs mit hohem Elan, vielen Erwartungen, noch mehr enttäuschten Hoffnungen und weiterhin auf der Suche, seinen Platz in dieser neuen Welt zu finden und zu sichern. Doch in 20 Jahren bisher erfolglos und auch die nahe Zukunft sieht ihm wenig rosig entgegen. Seine regelmäßige Anlaufadresse ist eine Ostberliner Beschäftigungsagentur, die sinnigerweise in direkter Nachbarschaft zum "Königstor" liegt, ein speziell für ein wohlhabenderes Klientel errichtetes Wohngebiet.
Was zunächst wie eine zynische Randnotiz der Arbeitslosengeschichte wirkt, bei jedem Besuch der Agentur auf jene zu schauen, die es geschafft haben, entwickelt sich im Lauf der Geschichte zu einem ganz speziellen Glücksfall für Andreas Herrmann, zugleich dann aber auch wieder nicht. Denn Andreas fällt auf. Der erfolgreichen Ulrike Beerenstein, die mit ihrem ebenso erfolgreichen Mann eines der Häuser am Königstor bewohnt. Fast täglich beobachtet sie Andreas Herrmann im Vorbeigehen und eines Tages übernimmt sie die Initiative des Kennenlernens.... Als ihr Mann dann auf einer Dienstreise ist, beginnt eine leidenschaftliche, zunächst aber völlig aussichtlos wirkende, Affäre.
All dies und noch mehr erzählt Andreas Herrmann einem Arzt, den er bei einem Vorstellungsgespräch für ein Experiment kennenlernt. Ganz allmählich aber ändert sich der Duktus seiner Geschichte und sein eigener Blick auf selbige. Aus einer Verlierergeschichte mit mancher Verbitterung entsteht Seite für Seite eine Liebesgeschichte mit all ihrer Intensität, aber auch über den Tag hinausreichenden Hoffnungen und Träumen. Das aus den beiden Königskinder wie im alten Lied aus Getrennten Gemeinsame werden.
Doch je mehr die Geschichte vornaschreitet, je mehr der untersuchende Arzt von Andreas Herrmann hört, desto unklarer wird, was Wahrheit und was Fiktion ist. Bei der Bewerbung und Untersuchung geht es um ein Langschlafprojekt zur Vorbereitung auf einen bemannten Raumflug zum Mars. Warum bewirbt sich der Mann eigentlich? Wie passt das mit seiner Liebe zu Ulrike zusammen? Oder ist dies alles nichts anderes als ein Roman im Roman? Fragen, die sich letztlich noch nicht einmal im letzten Kapitel wirklich klären lassen.
Bis dahin aber nimmt Alexander Osang den Leser in bewährt geschliffener Sprache und flüssigem Stil mit auf eine Reise durch die letzten 20 Jahre einerseits, in die Innenwelt seines Protagonisten andererseits und zudem in eine Liebesgeschichte zweier getrennter Welten. All dies verwebt, vernetzt und vermischt sich im Buch zu einer dichten Atmosphäre von Lebenssuche, Sehnsucht und Hoffnungen, die trotz aller Enttäuschungen doch immer wieder eine neue Geschichte anzufangen bereit sind. So, dass wirklich jede gute Geschichte, die erzählt wird, im Leben anlandet und nicht nur auf den Seiten des Buches verbleibt.
Eine mitnehmende Geschichte vom Suchen, Finden und Verlieren, sprachlich versiert geschrieben, die mehr ist als ein Zeitvertreib, die durchaus im eigenen Leben Widerhall finden kann. Empfehlenswert.Lesen Sie weiter... ›
Habe dieses Buch verschlungen. Charaktere sind liebevoll, mit feiner Ironie skizziert. Kenne keine bessere Literatur zum Thema Ost /West, mit hervorragender Beobachtung der bleibenen feinen Unterschiede. "Authentisch", weil von Osang... Traurig, schön und nicht vorhersehbar - absolut empfehlenswert!
Nicht einmal die konstruierte Liebesgeschichte ist interessant. Es sind zu viele Figuren, die alle flach gezeichnet sind, oberflächlich. Sie bleiben nicht im Gedächtnis hängen. Seitenweise Partygeschwätz,blah blah. Kann man nicht lesen. Falls Satire, dann mißlungen. VIPA die Ostbrause, nein wie ist das blöd. Nicht einmal das gefundene Tagebuch des Professors ist gut, denn ich glaube selbst in Tagebüchern schreiben Professoren intelligenter bzw. intelektueller. Hätte Herr Osang seinen Protogonisten gleich auf den Mars geschossen, wo dieser ja unbedingt hinwollte, wäre uns allen sehr viel erspart geblieben. BRD Kritik Viele Talente finden nur Projekte in denen sie sich schlecht bezahlt herumlangweilen und Theater a la anno dazumal betreiben mit abgedroschenen Chansons. Andererseits haben wir dieses Wort Jeder Mensch ist ein Künstler wohl zu ernst genommen, denn es gibt auch viele Unbegabte: So wie Herr Osang als Romanautor. Mag er wohl ein guter Feuilliton-Schreiber sein. Meine Haltung zum Feuilleton, es gehört nur in die Zeitung. S. a. Hermann Hesses Meinung dazu (Einleitung Glasperlenspiel). Ich denke mal die 5 Sterne sind gesponsert, das sieht man schon an den Endlostexten.
Herr Osang greift sich zwei typische Bewohner Berlins heraus und konstruiert eine nicht nachvollziehbare Verbindung. Der männliche 40 jährige Ostverlierer und die gelangweilte reiche Westfrau. Was sie voneinander wollen, bleibt unklar. Man stelle sich einmal die umgekehrte Variante vor. Solche Wesen würden sich niemals begegnen. Schade das wieder nur die typischen Ostalgien bedient werden: Die DDR bestand nur aus Stasiisten und Unfähigen. Herr Osang, sie irren sich. HF
Bücher mit offenem Ende sind gut. Dieses Ende ist besser, obwohl auch verstörend. Wenn ich in Zukunft abends durch die Straßen am Prenzlauer Berg gehe, und in einem Laden / Büro noch Licht und Menschen sehe, werde ich das mit anderen Augen sehen.
Der Autor sagte sich, 20 Jahre nach der Wende, das passt, da schreibe ich jetzt auch mal eine Nachwendegeschichte, schließlich ist ja zwischenzeitlich das weite Feld des deutsch-deutschen Zusammenwachsens schön aufbereitet.
Zwar gibt es ja schon viele solcher Bücher. Zu denken sei an den Schweizer Bauern und Neu-Brandenburger Dieter Moor mit seinem Werk "Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht" oder an den Engländer Roger Boyes mit seinem Buch "Ossi forever!: Ein Roman aus der brandenburgischen Provinz". Betrachtungen über die Ostdeutschen gibt es also wahrlich zuhauf. Obwohl sich keiner bislang traute, die politisch sicherlich unkorrekte Frage zu stellen, ob die Bewohner der neuen Bundesländer, diese ostdeutsche Krebsgeschwüre an der westdeutschen Gesellschaft, nun menschenähnlich oder einfach nur Abfall sind. Der Autor nahm sich vielmehr das derzeitig in den Feuilletons der Zeitungen anzutreffende Thema der angeblichen Renaissance des Ostmannes als Motiv und schrieb eine skurrile Liebesgeschichte zwischen einem Ein-Euro-Jobber, der die erste Hälfte seines Lebens in Ostdeutschlands verbracht hat, und nun, zwanzig Jahre nach der Wende eine Frau aus dem Westen abbekommt.
Irgendwann haben jetzt angeblich nach diversen Artikel in den Zeitungsfeuilletons die gesamtdeutschen Weibchen ganz allgemein bemerkt, dass der Westmann es doch nicht wäre und der Ostmann authentischer, kumpelhafter und insgesamt frauenfreundlicher sei. Dies greift der Autor auf und bringt die Geschichte von der Suche der Westfrau Ulrike nach der männlichen Authentizität des ostdeutschen Mannes. Diese Westfrau öffnet dem Ostmann Andreas die Türen zu ihrem Penthouse für ein Liebeswochenende.... Und der Ossi Andreas sieht die andere, in dem Penthouse gelebte, Welt. Schnell wird ihre Affäre immer offener geführt. Sie führt Andreas bei ihrer Werbeagentur ein, nimmt ihn mit zu einer Party ihrer Freunde. Da sitzen dann die westdeutschen Ökofreaks und Spielplatzmütter und Andreas fragt sie, warum sie denn nach Berlin gekommen seien. Als sich dann die Rückkehr von Ulrikes Ehemann ankündigt, zieht sich Andreas alsdann brav zurück.
Das Buch enthält nun keine Abgründe über diese recht seltsamen Kreaturen in unmodischer Kleidung und mit komischen Haaren, mit ihren komischen ausländischen Vornamen in abwegiger Schreibweise, aber schon recht gut beobachtete Ost-West-Anekdoten von Ost-West-Missdeutungen. Nur zwei Beispiele, und dabei handelt es sich noch nicht einmal um die Highlights.
In der Geschichte spielt ein verstorbener ostdeutscher Professor eine gewisse Rolle, genauer sein Tagebuch. Die beiden lesen es gemeinsam. Irgendwann stellt Ulrike die Frage, wie er wohl ausgesehen hat, dieser ostdeutsche Professor und skizziert ihn mit schuhspannergepflegten Schuhen und einem unmodernen taillierten Anzug, der heute schon wieder modern wäre. Andreas sagt es ihr nicht, aber der Leser erfährt aus seinen Gedanken, wie ein ostdeutscher Professor aussah: "spermafarbene gelöcherte Schuhe mit angegossener Sohle, beigefarbene Altmännerweste mit aufgesetzten Taschen, graue Socken und ein Kunstpelzschiffchen auf dem Kopf..".
Oder, irgendwann biedert sich Ulrike ihm an und erzählt, dass sie in ihrer Studentinnen-Zeit die antiimperialistische Gruppe Rote Zora unterstützt hat. Sie war nicht in vorderster Front dabei, jedoch als entfernte Unterstützerin. Das wäre doch eine Gemeinsamkeit. Schließlich war er ja auch schon aufgrund seiner DDR Herkunft ein antiimperialistischer Kämpfer. Andreas sagt es ihr wiederum nicht, aber der Leser erfährt aus seinen Gedanken, was er in seiner ostdeutschen Lebenszeit vom antiimperialistischen Kampf gehalten hat. Er hatte eine nihilistische Einstellung zu den Werten der DDR-Gerontokratie.
Und davon gibt es noch einige Beispiele mehr.
Die Schreibweise, der Schreibstil ist ostdeutsch behäbig. Dem Buch angepasst. Nur das Ende des Buches ist etwas befremdend. Da wird auf einmal, nachdem man sich durch das gesamte Buch und seine Geschichte durchgelesen hat, stellenweise mitgefühlt und manchmal gestaunt hat, erzählt, dass die ganze Geschichte ein einziges Lügengebilde eines Verwirrten ist, der sich mal eine Auszeit gönnen will und die Geschichte erfunden hat, um mittels irgendeinen Projekts mal eine zeitlang von der Bildfläche zu verschwinden. Ein Roman ist ja an sich schon eine Fiktion. Und hier wird einem erzählt, dass diese Fiktion wiederum eine Fiktion sei. Also das muss entweder Literatur sein oder der Autor will einem damit etwas sagen.
Wer diese Ostdeutsche Landschaft jemals gesehen hat, diese durch ihre Bewohner bedenkenlos umweltverschmutzte Gegend, die nur schmachvoll darauf wartet endlich dem Erdboden gleich gemacht zu werden, dieses Grau der Städte und Dörfer, wo auch noch zwanzig Jahre nach der Wende der Putz die Mauern entblößt und Sichten freigibt, die niemals für den menschlichen Anblick geschaffen waren, der wird dieses Buch mögen.
Wer sie jemals leibhaftig gesehen hat, diese überschüssigen, weggeworfenen, trüb glotzenden Menschen, die aus der, als soziale Gerechtigkeit getarnte, stattlich verordneten Trägheit und Faulheit Entlassenen, die nun mit staatlichen Transferleistungsunterstützungen ihr sinnloses Dasein fristen und den ganzen Tag nicht mehr zu tun haben als Zigaretten zu rauchen, der wird diese Variante einer Aschenputtel-Froschkönig-Geschichte mögen.
Der Anblick von Ostdeutschen ist schwer erträglich. Der Anblick dieser Menschen, deren Leben schon lange vorher jede Gestalt verloren hat. Ihre Würdelosigkeit, ist immer noch da. Zwanzig Jahre später ist sie immer noch da. Das zeigt der Autor gut auf. Er gehört dazu und darf das.Lesen Sie weiter... ›