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Erster Band der Saga "Unter dem Nordstern".
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Königreich Fortriu, Nordbritannien 6.Jahrhundert n.Chr.
Der kleine Prinz Bridei kommt als Pflegekind an den Hof des Druiden Broichan im Lande der Priteni ( Pikten ). Dort soll er eine umfassende Ausbildung zum Anführer erhalten. Doch das Schicksal will es, daß er in einer Winternacht ein kleines Baby an der Türschwelle findet. Das Mädchen wird Tuala getauft und aufgenommen ... doch nicht ohne Vorbehalte! Ist sie doch kein Menschenkind, sondern eines vom "Guten Volk". Doch eine Gabe der Mondgöttin soll man nicht verschmähen. So wächst Tuala - argwöhnisch beobachtet - zusammen mit ihrem Stiefbruder Bridei auf. Sie sind absolut unzertrennlich, bis zu jenem Tag an dem das Schicksal abermals zuschlägt und die beiden sich aus den Augen verlieren. Bridei - inzwischen ein Jüngling - soll sich im Krieg gegen die einfallenden Gälen bewähren, um seine mögliche Position als künftiger Thronfolger zu stärken. Tuala hingegen winkt eine Berufung zur Priesterin der Mondgöttin. Auf beide warten viele Prüfungen. Während der junge Prinz sich behaupten und zugleich vor Attentaten schützen muß, hat seine Stiefschwester sowohl mit Vorurteilen der Menschen, als auch mit den Verlockungen ihres Volkes zu kämpfen, welches sie zurückhaben will ...
Der Roman gehört in die Sparte "historische Fantasy". Eine erfundene Handlung wird um wahre Geschichtsereignisse herumgesponnen. Die phantastischen Elemente halten sich dabei in Grenzen. Sie treten v.a. in Gestalt des übernatürlichen Volks auf, dessen Vertreter in erster Linie das Mädchen Tuala darstellt. Ansonsten gibt es - hier und da - unaufdringliche Magie ( z.B. Hellsicht ).
In den Vordergrund der Handlung rückt die alte Naturreligion, sowie die Machtspiele und Intrigen bei der Königswahl. Doch auch die Liebe spielt eine nicht unbedeutende Rolle.
Nicht zu vergessen die zwei elfischen Beobachter, welche lange Zeit genauso undurchsichtig bleiben, wie der geheimnisvolle Plan des "Guten Volks". Man bekommt von ihnen gelegentlich Kommentare zu den Geschehnissen oder zum Wesen der Menschen zu hören.
Was den Vergleich mit Marion Zimmer Bradleys "Die Nebel von Avalon" betrifft: Beide Autorinnen schreiben gerne historische Fantasyromane mit mehr ( Bradley ) oder weniger ( Marillier ) feministischem Touch. Bradleys Bücher weisen sich v.a. dadurch aus, daß sie solche Elemente wie bekannte Sagen, Priesterinnenkulte und heidnische Rituale beinhalten. Marillier hingegen greift vermehrt auf wenig bekannte Geschichte, die Essenz von Märchen und auch etwas Romantik zurück.
Im Fall der "Königskinder" jedoch sind einige Parallelen zu den "Nebeln von Avalon" nicht von der Hand zu weisen ( z.B. erinnert die Ausbildung der Stiefgeschwister Bridei und Tuala an die des Geschwisterpaars Artus und Morgaine ... oder ähnelt das manipulative Wesen des Druiden Broichan dem von Viviane - der Herrin vom See, ... etc. )
Ein Vergleich ist also durchaus nachvollziehbar. J. Marillier muß sich allerdings nicht hinter M.Z. Bradley verstecken. Sie ist eine ebenso talentierte Geschichtenerzählerin, wie die berühmte - inzwischen verstorbene - Autorin.
Der deutsche Titel des Romans ( Königskinder ) passt sogar ein wenig besser als der englische (
The Dark Mirror ) und zwar weil besagte Kinder - später Jugendliche - die Hauptcharaktere sind, während das magische Artefakt nur gelegentlich zur Anwendung kommt. Beim Gesamt-Titel der Saga verhält es sich genau umgekehrt. Da würde der englische Titel ( The Bridei Chronicles ) eher passen als der deutsche ( Unter dem Nordstern ), weil etwas häufiger aus der Sicht von Bridei erzählt wird und Tuala sozusagen nur die zweite Geige spielt.
Die Coverillustration ist nichtssagend und auch völlig unpassend. Wen soll sie überhaupt darstellen? Ganz gewiss nicht Tuala und auch keinen anderen der weiblichen Charaktere ( es gibt hier keine blonden "Zigeunerinnen" in knappen Kleidchen mit einem Ausschnitt bis fast zum Bauchnabel ). Der Verlag hätte lieber das amerikanische Bild nehmen, oder zumindest die Abbildung eines Symbols für die Geschichte wählen sollen ( hier z.B. der "Dunkle Spiegel" ).
Die Karte ist hübsch gestaltet und zeigt recht plastisch Nordbritannien um 500 n.Chr.
Im Anhang gibt es ein kleines Personenregister ( eher unnötig, weil zu knapp beschrieben ), sowie eine Liste der Götter und Feiertage der Priteni.
Die Folgebände->
Die Herrscher von FortriuDie Schattenquelle
FAZIT:
Empfehlenswert ist dieser Roman für alle Leser historischer Fantasy, die auf heidnische Kulte sowie auf "Liebe und Kabale" stehen ... und nichts gegen ausführliche Beschreibungen haben.
Wer weitere Rezensionen zum Roman lesen möchte, der kann auf folgende Artikelseite mit der vergriffenen Erstausgabe gehen:
Die KönigskinderPS:
Andere lesenswerte historische Fantasyromane ( mit femininem Touch ) ->
Die Nebel von Avalon ( Einzelband ) von M.Z.Bradley
Die Tochter der Wälder ( Sevenwaters, Bd. 1 ) von Juliet Marillier
Flamme und Harfe ( Einzelband ) von Ruth Nestvold
Beltaine - eine mythische Erzählung ( Einzelband ) von Chrismegan
Tam Lin von Janet McNaughton