Berlinfans aufgepasst: Ein wagemutiger Krimiautor nimmt sich endlich jenes Landstädtchens an, das 1740 im eiszeitlichen Urstromtal verschlafen an der Spree liegt. Es hat neunzigtausend Einwohner und jubelt einem frischgebackenen "König in Preußen" zu, den man ein Vierteljahrhundert später "Friedrich den Großen" nennen wird. Dieser junge König hat auf seiner legendären Spionagetour ins Elsass einen Koch kennen gelernt, der ihm für die eigene Küche eine schöne Bereicherung darzustellen scheint und den er deshalb nach Berlin einlädt.
Honoré Langustier, der sich nicht nur aufs Kochen, sondern auch aufs Philosophieren und treffliche Urteilen über schöne Literatur, Kunst und Wissenschaften versteht, verpachtet seine Wirtschaft und fährt mit seiner hübschen Tochter einer höchst aufregenden Zukunft entgegen. Denn er wird unglücklicherweise gleich bei seiner (hinreißend beschriebenen Anreise) Ohrenzeuge eines im noch wildnishaften Tiergarten verübten Mordes. Aus dem Fenster der fahrenden Kutsche hört er einen verhängnisvollen Schuss, der dem königlichen Flügeladjutanten von Falckenberg das Leben kostet.
Aus einer Laune heraus ernennt der König den kombinationsfreudigen Küchenmeister zum extraordinären Kommissar und befiehlt ihm, dem unfähigen Berliner Polizeichef bei der Arbeit zu helfen. Ausgestattet mit einem "Permiss" - einer Art königlichem Freibrief für seine Ermittlungen - nimmt Langustier rasch das Heft in die Hand und beginnt, in der biederen Hauptstadt nicht nur philosophische "Aufklärung" zu betreiben.
Es bleibt nicht bei einem Mord, und das ist gut so, denn schließlich lautet der Untertitel von Tom Wolfs Roman "Mord nach jeder Fasson" - eine Anspielung auf den berühmten Satz Friedrichs II., dass in seinem Preußen ein jeder nach seiner Fasson selig werden könne. Ohne entlarvende Einzelheiten über die spannende Handlung preiszugeben, die sich in solider Bauweise erst gemächlich verzweigt und etliche schöne Charaktere zur Besichtigung freigibt, um auf den Schluss hin umso trefflicher gebündelt und beschleunigt werden zu können, sei nur soviel gesagt: Der Autor hat trefflich recherchiert, ohne dass sein Text darum kopflastig geworden wäre. Die Geschichte ist durchweg witzig erzählt, zuweilen urkomisch und erfreulich preußenkritisch. Endlich einmal eine Abkehr von der weihrauchschwenkenden Friedrich-Verehrung. Der "Held" Langustier stapft saft- und kraftvoll durchs Buch und bringt eine gehörige Portion Heiterkeit ins fingierte preußische Rokoko.
Leider macht das Lesen dieses auch äußerlich schön gestalteten Buches in zweifacher Hinsicht einen tierischen Hunger: auf noch mehr französische Küche vom Feinsten sowie derbe Morde in einem fremdartigen, winzigen Berlin. Chapeau!