Gesamturteil: Obwohl es bereits 1965 in der ersten Auflage erschienen ist, kann es immernoch beanspruchen, das Standardwerk zur Vorgeschichte zur Operation "Barbarossa" zu sein. Es ist analytisch hervorragend, sprachlich präzise und verständlich. Hillgruber verliert nie den "Überblick" über sein Thema, auch wenn er sich mit Detailproblemen beschäftigt.
Diese sachliche Darstellung hebt sich vor allem sehr positiv von der revisionistischen Geschichtsbetrachtung ab, die sich bedauerlicherweise in "rechten Kreisen" zunehmender Beliebtheit erfreut.
Das Buch hat folgenden thematischer Aufbau:
II. Die weltpolitische Situation im Sommer 1940
III. Hitlers politische und strategische Möglichkeiten im Sommer 1940
IV. Die weltpolitischen Veränderungen im Spätherbst 1940
V. Hitlers improvisierter Plan eines "Weltblitzkrieges"..
VI. Die weitere Verschärfung der weltpolitischen Situation gegen Hitleer in der ersten Jahreshälfte 1941
VII. Hitlers Reaktionen auf die veränderte Lage im Weltkrieg...
VIII. Politik und Strategie der kriegsführenden Mächte ....
IX. Der historische Ort des Unternehmens "Barbarossa"
Da es sich um die Habilitationsschrift von Hillgruber handelt ist ein umfangreicher Anhang vorhanden, der einen hervorragenden Literaturanhang, einen aufschlussreichen Itinerar Hitlers (49/41) und ein Index umfaßt.
Durch die Öffnung der Archive der ehemaligen UdSSR sind eine Reihe von zusäzlichen Erkenntnissen hinzugekommen, die die Politikführung Stalins illustrieren und somit eine zusätzliche Tiefe des Verständnisses des östlichen Gegenspielers von Hitler ermöglicht.
Auch die Herausgabe des umfangreichen Werks, "Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg" durch das MGFA hat zu keiner grundsätzlichen Neubewertung seiner Thesen und Ergebnisse geführt. Unabhängig von der Kontroverse der "Globalisten" (Hillgruber, Hildebrand und andere) vs andere Vertreter.
Insgesamt haben die zentralen Aussagen von Hillgruber noch heute Bestand und können als aktuell gültige Bewertung der Planung zur Operation "Barbarossa" angesehen werden. Es ist nach wie vor legitim, vor dem Hintergrund der vorhandenen Dokumente, Hitlers Planung für die Operation "Barbarossa" lediglich als erste Phase zu betrachten, die im Rahmen einer erweiterten zweiten Phase auf eine globale Konfrontation mit den USA hinaus lief.