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Schulbücher & Lernhilfen
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Diese kurze, kapitellose Erzählung ist höchst fesselnd und lässt sich nicht aus der Hand legen. Die Charaktere werden allmählich durch Treichels scharfsinniges Verständnis für die Menschheit zu erkennbaren Leuten. Aufgrund der Kindheitsperspektive ist die Geschichte täuschend einfach erzählt. Der Ich-Erzähler benutzt hauptsächlich einfache Wörter und Sätze, aber Treichels ironischer Tonfall lässt sich nicht zum Schweigen bringen. Trotz der vielen traurigen und schmerzlichen Augenblicke ist die Erzählung jedoch von Komik und Witz geprägt. Der kindliche Ich-Erzähler ist sowohl ein genauer Beobachter seines Milieus, der die Nachkriegswirklichkeit enthüllt, als auch ein naives Kind, dessen Ängste und Missverständnisse zugleich traurig und humorvoll sind.
Wie viele Romane über die fünfziger Jahre erläutert diese Erzählung die Wirklichkeit der Nachkriegsperiode. Das Schweigen und die Kommunikationsunfähigkeit der Eltern deuten auf das kollektive Schweigen nach dem Kriegsende hin. Die Schlagwörter und Befehle des Vaters erinnern an die NS-Vergangenheit, und die erbbiologischen Untersuchungen erinnern an die rassenkundlichen Untersuchungen des Dritten Reichs. Aber ‘Der Verlorene’ ist auch von universeller Bedeutung. Wer mit Kafkas ‘Die Verwandlung’ vertraut ist, wird durch Treichels starke Familienhierarchie und die Kämpfe um die Vormachtstellung an die Familie Samsa erinnert. Genauso wie in ‘Die Verwandlung’ können hier Macht und Status nicht geteilt werden, weder von Geschwistern noch von den Eltern. Meines Erachtens ist ‘Der Verlorene’ von allgemeinem Interesse, und sowohl ältere als auch jüngere Leser werden etwas in dieser Geschichte finden, über das sie lächeln und mit dem sie sich identifizieren können.
Der Name und das genaue Alter des Ich-Erzählers bleiben unerwähnt, selbst den Zeitpunkt der Handlung erfährt man nur indirekt. Man verfolgt das Geschehen aus der Perspektive des etwa 10-12jährigen Jungen. Und ebenso wie die Eltern ihren Sohn vor der Wahrheit und ihrem Leiden beschützen, so wird auch der Leser nicht direkt damit konfontiert. Trotzdem wirft die verzweifelte Suche nach dem verlorenen Sohn einen spürbaren Schatten auf das Familienleben.
Obwohl sich die Handlung über einen größeren Zeitraum erstreckt, verzichtet Treichel auf eine Unterteilung in einzelne Kapitel. Dadurch wird es fast unmöglich, das Buch wieder aus der Hand zu legen, was aber bei etwas über 170 Seiten nicht so schlimm ist.
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