Iris Rogge liefert eine vollständige (alle Biographien) und sehr wortgetreue Übersetzung von Nepos Werk. Ein kunstvolles und gut lesbares Deutsch braucht man also nicht erwarten und war auch nicht im Sinne der Übersetzerin, da eine zu freie Übersetzung für den Lateinlernenden die Nachvollziehbarkeit erschwert hätte. Das Büchlein eignet sich daher sehr gut als Korrektiv zum Üben von Nepos, ob allein oder in Lerngruppen. Daher ist es auch vorteilhaft, dass sich alle Viten darin finden und nicht eine Auswahl, wie etwa in den spezifischen unterrichtswerken (z.B. ratio). Bei schwierigen Stellen, die sich nur schwer wörtlich ins Deutsche übertragen lassen, gibt Rogge noch eine hinführende und sehr wörtliche Übersetzung in Klammern an. Dies hätte m.E. ruhig etwas häufiger praktiziert werden können, da jegliche andere Art von Kommentierung fehlt. Daneben hat mich auch ein wenig gestört, das es keine wirkliche Einleitung bzw. Schlussteil gibt, in denen die Autorin selbst etwas zu ihrem Übersetzungsstil äußert. Daneben fehlen auch einführende Hinweise zum antiken Autoren Nepos selbst und Angaben weiterführender Literatur. Dafür habe ich mir erlaubt, nur vier statt fünf Sterne zu geben.
Abgesehen von diesem Kritikpunkt kann ich Rogges Übersetzung durchaus jedem empfehlen, der an seinen Übersetzungsfähigkeiten arbeiten möchte (oder muss).
PS: Eine Alternative stellt die Reclamausgabe zu Nepos, bei der man hilfreicherweise neben dem deutschen auch den lateinischen Text stehen hat. Zudem bietet diese viele Informationen zum Autoren, seinem Ansehen in der historischen und philologischen Forschung und weiterführende Literatur. Die Übersetzung der Reclamausgabe ist dagegen deutlich freier und weniger wörtlich.