Ridly Scott hat mit Königreich der Himmel ein bildgewaltiges Epos abgegeben, dass vor allem dank seiner schönen Bilder überzeugt.
Die Geschichte: Der französische Schmied Balian (Orlando Bloom) ist nach dem Freitod seiner Frau verzweifelt. Da trifft es sich gut, das sein Vater (Liam Neeson) aus Jerusalem in seine alte Heimat zurückkehrt und Balian offenbart, dass dieser sein Sohn und Erbe der Baronie Ibelin im Heiligen Land ist. Nach einigem Zögern folgt Balian seinem Vater auf die abenteuerliche Reise. Leider verstirbt dieser, so dass Balian noch vor Ankunft in Königreich Jerusalem zum Ritter geschlagen wird. Kaum ist er endlich am Ziel seiner Reise angekommen, wird er mitten in die politischen Wirren des KRieges zwischen Muslims und Christen gezogen, was in einer fulminanten Schlacht um Jerusalem endet, in der Balian als Anführer der Christen den Fall der Stadt zwar nicht verhindern, wohl aber die Leben der Christen retten kann.
Geschichtlich bewegt sich der Film auf sehr dünnem Eis. Zwar stimmen Namen und auch Daten, aber die Hintergründe sind oftmals falsch dargestellt und den modernen Sehgewohnheiten angepasst. Auch die Ausstattung ist teilweise nicht annähernd historisch korrekt. Gerade das Actionfeuerwerk am Ende hat wenig mit einer echten mittelalterlichen Belagerung gemein. Wen das nicht stört, der wird ein schönes Ritterspektakel erleben, Geschichtskenner könnte dies aber sauer aufstossen.
Schauspielerisch kann der Film überzeugen, Orlando Bloom als Hauptdarsteller ist keine schlechte Wahl, Liam Neeson spielt beeindruckend und auch die Nebencharaktere sind gut besetzt.
Ridley Scott bemüht sich in Zeiten von Anti-Terror-Kriegen und steigender Paranoia allem Fremden im Allgemeinem und dem Islam im Besonderen, keine klassische Gut/Böse Darstellung abzuliefern. Saladin wird nicht als der finstere Gegner dargestellt, eher im Gegenteil, die Muslime wirken weitaus gemäßigter und friedlicher als die christlichen Ritter, was ja den Realtitäten durchaus entsprach. Auch das Leid und die Grausamkeit des Krieges werden nicht geschönt, auch wenn ich persönlich die Musikuntermalung einiger Schlachtszenen aufgrund ihrer ätherischen Art unpassend fand.
Ein Manko des Films ist für mich, dass er zu viel versucht. Der Spagat zwischen modernem Lebensgefühl und der mittelalterlichen Welt gelingt nicht. Ridley Scott nimmt Rücksicht auf das sozio-kulturelle Umfeld seiner Zuschauer und dabei bleibt einiges an Handlungslogik auf der Strecke. Ein Beispiel: Der Held ist kein Adliger, sondern ein einfacher Schmied, der aber Bewässerungs- und Belagerungstechnik, Strategie und Taktik besser beherrscht als die jeweiligen Experten. Zumindest hier hätte man doch auf eine moderne Betrachtungsweise verzichten können, und ihn von vorne herein als Adligen darstellen, was diese starken Brüche im Charakter verhindert hätte. Tatsächlich waren Balian und sein Bruder, die den letzten Kampf um Jerusalem geführt haben, keineswegs Schmiede aus Frankreich. Auch wird Balian dauernd von Zweifeln und Gewissensbissen zerissen, doch hat er keine Probleme damit, Priester und Dutzende von Feinden zu töten. Er könnte den Krieg verhindern auf Kosten eines Lebens, wählt aber den Krieg mit all seinem Leid und Tod.
Fazit: Ein Film, den anzusehen lohnt, denn trotz seiner Schwächen bietet er schöne Bilder und einen relativ angemessenen Umgang mit der zugegeben schwierigen Materie. Eigentlich 3,5 Sterne, aber zugunsten des Films aufgerundet.