Das Buch beginnt mit etwa 100 Seiten einer Biographie der zentralen Gestalt dieses Zeitalters: Das Leben der Königin Viktoria selbst. Hübsch war sie nicht. Vielleicht auch nicht gebildet oder intellektuell im heutigen Sinn. Aber sie war klug und machte viel aus ihrem Leben. Und so wurde sie zu einer Symbolfigur ihres Zeitalters. Dass sie, die durchaus zu mehreren Männern intensive emotionale Beziehungen hatte, zum Symbol für eine gewisse Frigidität wurde, ist eigentlich überraschend. Aber vielleicht war da ja nur mit ihrem Albert etwas Körperliches.
Es folgen weitere 100 Seiten über die wesentlichen Entwicklungen der Ideengeschichte dieser Epoche. Religion, Moral, Demokratisierung, Evolutionslehre, Wirtschaftsentwicklung, Kolonialismus, alles Themen einer an Veränderungen reichen Zeit, die auch die heutige Welt stark beeinflusst haben. Ich gebe allerdings zu, im Vergleich zu den anderen beiden Abschnitten dieses Buches ist das manchmal etwas trocken.
Zuletzt folgt auf etwa 150 Seiten der eigentliche Höhepunkt des Buches. Gut 20 wichtige Ereignisse und Personen werden in kurzen Kapiteln einzeln dargestellt. Dabei sind Gordons Untergang in Karthoum, der Ritt der 600 im Krimkrieg, der langsam verrückt werdende Randolph Churchill, die Skandale um den Prince of Wales (Charles ist gar nichts dagegen), Kipling als Literat des britischen Kolonialismus, Ruskin und vieles mehr. Alles spannend, manchmal kurios, manchmal traurig, aber fast immer bewegend. Man erhält den Eindruck, dass das damals eine Zeit war, in der unangepasste Typen ohne soziale Kompetenz mit teils wirren Ideen trotzdem viel bewegen konnten. Faszinierend eigentlich.
Dies hier ist keine systematische Gesamtdarstellung der Zeit. Das Buch enthält aber die wichtigsten Punkte und stellt sie unterhaltsam dar. Ich mag das Buch.