Der vorliegende Film aus dem Jahre 1933 erzählt die Geschichte von Königin Christine von Schweden(1626-1683). Allerdings stimmen die historischen Fakten nicht immer, was dem schönen Streifen seinen Reiz keineswegs nimmt. Zu sehen ist keine Dokumentation über die schwedische Königin, sondern ein Spielfim, der Illusionen bedient.
Dennoch ein paar Worte zur realen Christine: Sie ist die Tochter von Gustav Adolf. Als ihr Vater stirbt ist sie sechs Jahre alt. Dank einer gründlichen Erziehung und einer außerordentlichen Auffassungsgabe erwirbt sie eine hohe Bildung; zudem treibt sie Sport, selbst den härtesten. Schon früh zeichnen sich die Charaktereigenschaften der künftigen Königin ab. Sie ist aufbrausend, mißtrauisch, ehrgeizig, ungeduldig und spöttisch. Besonders gutaussehend war sie übrigens nicht. Am 8. Dezember 1644 übernimmt sie die Macht. Sie soll sich kaum um die Regierungsgeschäfte gekümmert und sehr verschwenderisch agiert haben. Aber sie korrespondiert mit allen Gelehrten Europas und holt talentierte Männer nach Schweden, wie etwa Decartes, der dort kurz nach der Ankunft stirbt. In die Regierungszeit von Christine fallen der Vertrag von Bromsebro und der Westfälische Friede. Die Königin lebt wie ein Mann und weigert sich zu heiraten. Sie ruiniert die Staatskasse und verachtet sehr zum Verdruss der Schweden die Reformation, der sie Unfähigkeit zum geistigen Fortschritt vorwirft. Ab 1650 wird sie aufgefordert ihren Nachfolger zu designieren und zwar ihren Vetter Karl Gustav. Indem man ihren Extravaganzen entgegenkommt, gelingt es mittels enormer Vorteile, von ihr 1654 im Schloß von Upsala den Kronverzicht zu erlangen. In Männerkleidung und unter dem Namen Dhona verlässt sie Schweden und tritt in Innsbruck dem Katholizismus bei. In Paris feiert sie später Triumphe und geht 1662 nach Rom , umgibt sich mit Schöngeistern und verstirbt 1683 in dieser Stadt, wo man sie auch bestattet.
Zum Film: Die hinreissend schöne Greta Garbo spielt die Rolle Christines, der man ähnliche Regierungsfähigkeiten zuordnet, wie Elisabeth I diese einst hatte. Sie ist voller Tatkraft und Energie und dient voller Überzeugung ihrem Vaterland. Den schönen Künsten und den Gelehrten ist sie zugetan, genau so wie die reale Christine es einst war , sie liest Moliere und Decartes und führt kluge Dialoge mit den Edlen ihres Landes.
Sie möchte den Krieg beenden und sich am Ausbluten Europas nicht länger beteiligen. Die Männer bei Hofe sind von diesem Entschluss nicht begeistert und sehen in ihrem Wollen eine Pflichtverletzung. Hofintrigen und der ständige Drang Christine entgegen ihrem Wollen zu verheiraten machen die Königin einsam. Sie sehnt sich nach einem anderen Leben. Ihren Cousin , der Kriegsheld Karl Gustav ,soll ihr Gatte werden. Sie schätzt diesen Mann ob seiner Verdienste, möchte ihn aber nicht zum Mann. Stattdessen verliebt sie sich in den spanischen Gesandten Don Antonio, mit dem sie - unmittelbar nach dem Kennenlernen- die Nacht verbringt. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, dass er mit der schwedischen Königin das Bett teilt. Die erfundene Liebesgeschichte mit dem gutaussehenden Spanier( John Gilbert ) veranlasst sie auf den Thron zu verzichten und das Land zu verlassen.....
Dieser Schwarz-Weiß-Film sollte bis ans Ende ihrer Tonfilmtage das Bild der Garbo in der Öffentlichkeit bestimmen. Einige Szenen lassen die damals gerade einmal achtundzwanzigjährige Garbo nicht nur älter , sondern auch weiser erscheinen. Ein Beispiel dafür ist die Szene, in der sie dem die Palasttreppe hinaufstürmenden Mob, der sich über ihren spanischen Geliebten empört, entgegentritt und Einhalt gebietet. Sie hält dem Volk einen Vortrag über die Sorgen einer Monarchin und als die Leute mit demütigen Entschuldigungen davonschlurfen, nimmt sie deren kindliches Vertrauen mit spöttisch hochgezogener Augenbraue zur Kenntnis.
Interessant auch, wie man das nicht visualisierte Liebesspiel zwischen Garbo und Don Antonio in der ersten Nacht veranschaulicht. Zärtlich umarmt Christine einen phallusartigen Spinnrocken .
Garbos Gesicht, insbesondere ihre Augen ,drücken unendliche Sehnsucht aus. Ihre Schönheit war nicht von dieser Welt. Bewunderswert!
Ein schöner Film!