Rio Reiser nimmt uns an die Hand und führt uns durch die wahrscheinlich wildesten Jahre seines Lebens und der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ende der 60er, Anfang der 70er ist die Gesellschaft Mittel- und Westeuropa im Umbruch. Jungend und Arbeiter rebellieren gegen Mainstraim, nicht aufgearbeitete Vergangenheit (Nationalsozialismus, Algerienkrieg etc.) und die erdrückende kleinbürgerliche Ettikette im Allgemeinen. Rio Reiser stolpert in dieser Zeit nach Berlin und wird mit "Ton Steine Scherben" musikalischer Ausdruck dieser gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Das Buch ist witzig, abwechslungsreich geschrieben - lange Weile kommt zu keinem Zeitpunkt auf. Von Geburt, Kindheit und Jugend bleibt der interessierte Leser insofern verschont, dass nur Einzug fand, was auch wirklich für die spätere Entwicklung Rios von Bedeutung war. Aber auch die Ermordung Benno Ohnesorgs, die Haschrebellen, der Blues oder die Entstehung der Stadt Guerilla kommen nur am Rand vor. Es ist schließlich eine Autobiographie und das ist sie konsequent. Im Vordergrund steht Rio mit all seinen Freuden, Sorgen und Problemchen in diesen stürmischen Zeiten. Während in K Gruppen heftig der bewaffnete Kampf diskutiert wird, outet sich Rio überlegt wie er seinen Freund ins Bett kriegt. Und genauso rapid wie diese stürmische Zeit endete, endet schließlich auch das Buch mit dem Umzug von Berlin nach Friesenhagen mitte der 70er Jahre.