Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. April 2008
Walther Bensemann war ein Viel- und Langschreiber, auch wenn er seine nach Hunderten zu zählenden Beiträge für das eigene Blatt mit britischem Understatement als „Glossen“ ausgab – der Definition des Genres gemäß waren sie zwar stets pointiert oder zumindest um Pointen bemüht, nie aber knapp und kurz. Die schlanke Auswahl, die Beyer traf, ist gleichwohl völlig repräsentativ. In Beyers kluger Auswahl aber behalten selbst die eitlen Schreibvolten ihren Charme. Vor allem jedoch rückt sie in den Mittelpunkt, was Bensemanns sportpublizistischen Pionier-Rang einzigartig macht und die frühe Geschichte des deutschen Fußballs auf immer ziert – die aufgeklärte an stilistischer Lockenbildung immer untrügliche Analyse des europäischen Fußballs und die jeder Form von Nationalismus und Provinzialismus entschieden widersprechende und widerstreitende Argumentation seiner Artikel.
11Freunde, Juli 2008
„Der Tritt beim Fußball ist mir stets als eine vornehme und elegante Bewegung erschienen, welche die Freude meiner Knaben- und Jünglingsjahre bildete. Ich kann mir für einen gesunden Buben nichts Schöneres vorstellen, als wenn der Verteidiger den Ball richtig und geschickt in der Luft mit dem Fuß abfasst, oder wenn er ihn als Stürmer so in das feindliche Tor platziert, dass dadurch der Sieg errungen wird.“ Blumige Zeilen aus der Feder von Walther Bensemann, der zweifelsohne zeitlebens sein Herz dem runden Leder schenkte. Der Gründer des Kicker-Sportmagazins gilt als einer der großen Pioniere des deutschen Fußballs und war ein ebenso streitbarer wie begabter Charakter. Bensemann, ein Jude, der 1933 vor den Nazis ins Schweizer Exil flüchten musste, war nicht nur prägend für den vorherrschenden Stil im deutschen Sportjournalismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, sondern setzte sich mit großem Enthusiasmus für den länderübergreifenden Wettstreit ein. Geprägt von den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs trug er unermüdlich, bisweilen polemisch, sein Anliegen vor, dass Fußball eine internationale Angelegenheit sei, dazu geschaffen, Menschen verschiedenster Herkunft und Nationalität zu vereinen. Zu Papier brachte er diese Ansichten in seinen zahllosen Kicker-Leitartikeln, die Bensemann selbst als „Glossen“ bezeichnete. Erstaunlich ist die Vielfalt der Themen, die er als Autor abhandelte. Ein Sammelband fasst die besten seiner Leitartikel nun zusammen.