Kurzbeschreibung
Wenn Sie wissen wollen, warum der Iran zu einem Staat von Trauernden geworden ist, sollten Sie dem Dichter folgen, wohin er gegangen ist. Wie der König in Nizamis Gedicht werden vielleicht auch Sie zu einem Schwarzgewandeten. Aber wie der Dichter des Königs der Schwarzgewandeten mögen Sie, gewandet ins verordnete Nachtschwarz des Landes, dem Schlimmsten entgehen und weißhaarig wiederauftauchen. Am Ende werden Sie umnachtet und verwirrt zugleich sein.An einem Vormittag 1982 sitzt in Teheran ein älterer Schriftsteller allein zu Hause. Ihm fehlt ein schwarzer Anzug für die nächste Trauerfeier. Dabei häufen sich die Anlässe durch Irak-Krieg und Folter. Aber die Revolutionsanhänger tragen Schwarz...Er wird verhaftet, verhört, ausgepeitscht. Im Gefängnis tröstet er Todeskandidaten mit Gedichten der persischen Tradition und eigenen. Eine der alten Verserzählungen berichtet von einem König der in eine chinesische Stadt gerät, in der alle Bewohner schwarz gekleidet sind. Der König versucht hartnäckig, den Grund herauszufinden - und wird schließlich wunderbar und schmerzlich belehrt. Genau nach einem Jahr kehrt der Schriftsteller weißhaarig zurück. Muß er nicht noch zu dieser Trauerfeier? Jetzt sollte er sich wirklich einen schwarzen Anzug kaufen. Ein starkes Stück Literatur, das der Wahrheit der Poesie verpflichtet ist und eine in allen Schrecken, die berichtet werden, erstaunliche Hoffnung ausstrahlt.
Über den Autor
Huschang Golschiri, einer der wichtigsten Verteter der modernen iranischen Literatur, wurde 1937 in Isfahan geboren. Er arbeitete zunächst als Dorfschullehrer, bevor er Literatur studierte. Noch in der Schah-Zeit wurde Golschiri aus politischen Gründen inhaftiert. Als Folge der "islamischen Kulturrevolution" verlor er 1981 seinen Lehrauftrag an der Hochschule der Künste. Danach lebte er als freier Schriftsteller, Kritiker und Herausgeber von Literaturzeitschriften in Teheran und gehörte zu den Initiatoren des Aufrufs der 134, eines Appells für die Meinungsfreiheit und die Gründung eines unabhängigen Schriftstellerverbandes in Iran. 1999 erhielt er den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis für sein bedeutendes literarisches Werk und sein Engagement für Menschenrechte und Meinungsfreiheit in Iran. Nach langer Krankheit starb Golschiri im Juni 2000.