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König Ohneschuh [Gebundene Ausgabe]

Luigi Malerba
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Wagenbach (1. Januar 1997)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3803131286
  • ISBN-13: 978-3803131287
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 12,6 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Luigi Malerba
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Auch Penelope kann lügen

Luigi Malerba schreibt die «Odyssee» um

Luigi Malerba bestätigt die Erwartungen seiner Leser kaum je: dem Autor, der heute seinen 70. Geburtstag feiert, gelingt es, sein Publikum von Buch zu Buch erneut zu überraschen, zu verwirren und nachdenklich zu machen. Er hat viel zuviel Erzählphantasie, um konsequent zu sein; dafür können seine Leser ganz sicher sein, dass sie sich bestens unterhalten werden, ob seine Romane und Erzählungen von nachdenklichen Hühnern oder chinesischen Kaisern, von mittelalterlichen Landsknechten oder mythomanischen Briefmarkenhändlern, von römischen Clochards oder Kardinälen handeln. Dass er jetzt mit dem Roman «König Ohneschuh» – einer Neufassung der Heimkehr-Gesänge der «Odyssee» – in einen Boom hineingeraten ist, der von Botho Strauss' «Ithaka»-Drama über Luciano De Crescenzos Neuübersetzung des homerischen Epos bis zu Antonio Spinozas gedankenreichem «Ulisse» reicht, ist sicher nicht mehr als ein Beispiel für die besonders intensive Zuneigung der Italiener zu dem listenreichen Abenteurer, dem schon Dante einen der schönsten Gesänge des Inferno gewidmet hat.

Malerba wäre aber nicht Malerba, wenn er nicht die Möglichkeit entdeckt hätte, den mythischen Helden in Frage zu stellen. In einem Postskriptum erzählt er, dass er den neuen Blick auf die alte Geschichte seiner Frau Anna verdanke. Sie habe ihn darauf aufmerksam gemacht, es sei ganz unmöglich, dass Penelope ihren Gemahl in seiner Verkleidung als Bettler nicht sofort erkannte. Wenn sie bis zum zweitletzten Gesang in schweigender Passivität verharre, so nicht aus mangelndem Scharfblick, sondern aus verletzter Liebe und Zorn darüber, dass Odysseus sich seinem Sohn und seiner Amme zu erkennen gab, nicht aber ihr, der Ehefrau.

Das Spiel der Täuschungen

Aus dieser neuen Perspektive hat Malerba in «Itaca per sempre» (so der italienische Titel) eine Penelope erfunden, die aus der langweiligen Rolle der hartnäckig treuen und geduldigen Gattin heraustritt. Schon rein formal steht sie gleichberechtigt neben Odysseus, weil beide in alternierenden Monologen Stellung nehmen zu den Peripetien der Handlung, die Homer für die Heimkehr des Helden vorgesehen hat. Dabei entsteht im Wechsel der Standpunkte ein Sog, der alles, was geschieht, hinter der Konfrontation der zwanzig Jahre getrennten Ehegatten verblassen lässt. Malerbas leidenschaftliche und stolze Penelope lässt sich das Misstrauen ihres Mannes nicht gefallen. Sie kann ihm die blöde Bettler-Maskerade nicht verzeihen, hinter der er sich anmasst, ihre Treue zu prüfen. Sie selbst hat in seiner Abwesenheit die Kunst der Verstellung gegenüber ihren zudringlichen Heiratsanwärtern so gut geübt, dass sie diese Waffe jetzt auch gegen Odysseus einsetzt und sich weigert, ihn wiederzuerkennen: «Nun gut, dann spiele ich bei diesen Täuschungsmanövern eben mit, und wir werden ja sehen, wer der gewitztere Spieler ist.» Sie erweist sich rasch als die Überlegene, da sie aus Notwendigkeit lügt und nicht aus Lust am Lügen wie Odysseus, der eine recht klägliche Figur macht. Ohne Penelopes Wiedererkennen bleibt er nämlich der Bettler, den er dargestellt hat – ein Gefangener der eigenen Täuschung; da helfen ihm auch die Erfahrungen nichts, die er zwischen Skylla und Charybdis, Circe und Nausikaa, Zyklopen und Phäaken machte. Das Spiel der Täuschungen eskaliert zur psychischen Tortur, zum grausamen Krieg zwischen zwei Partnern, die sich immer noch lieben, und ihre Fiktionen gewinnen eine Eigendynamik, in deren Wirbel beide riskieren, sich zu verlieren. Odysseus entschliesst sich, seine Heimat zu verlassen und sein unstetes Wanderleben wiederaufzunehmen; und Penelope, die den Bogen überspannt hat, sagt nach seinem Verschwinden: «Das einzig Sichere ist jetzt meine Verzweiflung, denn ich habe ihn – sei er der wahre Odysseus oder nicht – «nunmehr als Odysseus anerkannt, und das ist es, was für mich zählt.» Malerba hat einen klassizistischen Stil gewählt, der feierliche und ergreifende Töne nicht scheut und die dramatische Auseinandersetzung mit massvoller Musikalität orchestriert.

Der Lügendichter

Leider wirkt das Happy-End, zu dem Malerba die beiden Protagonisten in extremis zusammenführt, als reiner Kunstgriff: er schliesst sie acht Tage in ihr Schlafzimmer ein und lässt sie die Liebeskünste üben, die Odysseus bei Kalypso gelernt hat. Ebensowenig überzeugt die allerletzte Schlusswendung, die schildert, wie Odysseus im Teamwork mit dem Dichter Phemias seine Erinnerungen an den Trojanischen Krieg und die Rückkehr nach Ithaka in Versen niederschreibt, die später als Urtext für «Ilias» und «Odyssee» dienen werden. Doch warum sollte man Malerba nicht wie Homer und allen andern Schriftstellern das Recht zubilligen, hie und da zu schlafen, vor allem wenn es um das Kunststück geht, eine kühne und einleuchtende Neuinterpretation wieder in den Rahmen des literarischen Vorbilds zurückzuführen.

Das Grundmotiv von Malerbas ganzem Werk – die Diskrepanz zwischen Sein und Schein – wird in diesem Roman in paradigmatischer Weise abgewandelt: in den alternierenden Monologen zeigt es sich, dass die Sprache in erster Linie dazu dient, die Wirklichkeit zu verschleiern und die Gesprächspartner zu täuschen, ihnen Fallen zu stellen oder auszuweichen. Was Malerba an Odysseus fesselt, ist nicht seine Abenteuerlust, nicht seine unersättliche Neugier auf die Welt, sondern die Tatsache, dass er ein grosser Geschichtenerzähler und Meister der Täuschungen ist, der seine Abenteuer im Grunde nur besteht, um sie später wieder zum besten zu geben. Einer, der nicht nur Dinge erzählt, die ihm geschehen sind, sondern auch Dinge geschehen lässt, damit er sie erzählen kann. In seinen Erzählungen verflechten und vermischen sich Wahrheit und Täuschung innig; am Ende findet er keinen Ausweg mehr aus dem Wortgestrüpp, das er um seine Person geschaffen hat. Ein Lügendichter, dessen Leben, wie Penelope einmal sagt, «eine grosse Werkstatt von Täuschungen, Lügen, Geheimnissen und Rätseln» ist, in der sich auch die Wahrheit, wenn es sie überhaupt gibt, hinter vielfältigen Verkleidungen verbirgt.

Alice Vollenweider

Kurzbeschreibung

Ein Roman um das berühmte Paar Odysseus und Penelope. Luigi Malerba läßt den nach zwanzig Jahren heimkehrenden Abenteurer einen Dialog mit seiner ebensolang in Ithaka auf ihn wartenden Frau führen. Am Ende wirft Odysseus das Paar neuer Schuhe, das ihn nach einer Weissagung wieder von der Insel forttragen soll, ins Feuer. Ein Wechselspiel aus Liebe, List und Täuschung, an dessen Ende der Lügner seine Meisterin findet.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
Odysseus im Welt-Traum 21. August 2011
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Ich ertappe mich manchmal dabei, vom schönsten Buch der letzten Jahre oder Jahrzehnte zu schwärmen. Es kann dann durchaus vorkommen, dass ich dieses Lob mehrfach vergebe. ("Der Fliegenfänger" von Willy Russell, oder die beiden Alexander-Bände von Gisbert Haefs - insbesondere der zweite Teil, "Alexander in Asien" -, oder "Die Feuer von Troia" von Marion Zimmer Bradley, um nur einige wenige zu nennen). Es gibt, so scheint es, mehrere "Schönste Bücher der letzten Jahre und Jahrzehnte".

Eines dieser Bücher ist ohne Frage "König Ohneschuh" von Luigi Malerba aus dem Jahr 1997. Es ist auf eine entfernte Weise Bradleys trojanischen Feuern nahe. Denn eine der Hauptpersonen war schon seinerzeit mit dabei, bei der Belagerung und Eroberung der kleinasiatischen Stadt des Priamos: nämlich Odysseus, der König der griechischen Insel Ithaka.

Luigi Malerba (1927-2008) war einer der Mitbegründer der "Gruppo 63", einer durch die modernistischen Auftritte von Autoren wie Ezra Pound und T.S. Eliot beeinflussten neuavantgardistischen Literaturbewegung im Italien der 50er und 60er Jahre (der Neoavanguardia, vielfach als "gefährliche Marxisten" und "verspätete Futuristen" diffamiert), 1963 gegründet, bereits 1969 wieder aufgelöst - zu der Umberto Eco zwischenzeitlich als der wohl prominenteste Vertreter gezählt werden darf. Luigi Malerba war einer der bedeutendsten Autoren der italienischen Gegenwartsliteratur oder, wie Gustav Seibt im Jahre 2001 in der ZEIT schrieb: "des nächst Eco erfolgreichsten italienischen Autors."

"Helft mir, olympische Götter, meine Ehefrau zu verstehen! Warum lacht ihr? Was gibt es da zu lachen?" So das Stoßgebet des Odysseus hoch zum blauen Himmel Ithakas. Luigi Malerba selbst tat sich beim Verstehen seiner eigenen Ehefrau schon wesentlich leichter. Er nutzte die Intuition des Einfühlungsvermögens, das unsichtbar zwischen Frauen zu existieren scheint, im vorliegenden Falle zwischen Frau Malerba und Penelope, der Frau des Odysseus: "Penelope", so Malerbas Frau, "hat sofort begriffen" um was es geht, und "vor allem diese weibliche Anregung haben mich", Luigi Malerba, "dazu bewegt, die Geschichte von Odysseus und Penelope neu zu erzählen."

Und was ist es, um das es geht?, das Frau Malerba so trefflich begriffen hat? Vordergründig geht es um den größten Geschichtenerzähler der Antike - nicht Homer, sondern um Odysseus höchstselbig -, einen Lügenmeister vor den Augen seiner Herren und Damen Götter und Göttinnen. Und um Penelope, seine ihm über Jahrzehnte treu ergebene Ehefrau und Königin, in der er seine Meisterin im gegenseitigen Ausbalancieren von Verkleidung, Maskerade, Lüge, Intrige, Verschweigen, Ausflüchte und Heuchelei, Täuschung und Schein, Arg- und Hinterlist, Hinterhalt, Machenschaft und Irreführung findet.

"Der Italiener Luigi Malerba gewinnt Penelopes und Odysseus' Liebesstreit neue Facetten ab", schrieb in den Neunzigern, als das Buch noch ganz neu war, Anke Dürr im SPIEGEL, und "Stolz und Trotz und Eifersucht". - Nach zwanzig Jahren kommt Odysseus nach Hause, von seiner später als Odyssee bezeichneten Groß- und Irrfahrt, die ihn durch Wetter, Wellen und Wogen des Mittelmeeres trieb, an die Gestade Nordafrikas und Europas, begleitet und beachtet bzw. bekämpft und beschwert von Prinzessinnen, Nymphen und Sirenen, von Göttinnen und Göttern, Zauberinnen und Zyklopen. Heim nach Ithaka, jenes kleininselige Königreich im südlich der Adria gelegenen Ionischen Meer. Als Bettler tritt er auf, in Lumpen, ohne Schuhe. Er spielt ein falsches Spiel, gibt sich nicht zu erkennen. Doch bei Penelope hat er die Rechnung ohne Wirtin gemacht. Sie erkennt ihn und durchschaut das Spiel.

"Man kann auch ohne Schuh in die Höll gehen", lässt schon Georg Büchner seinen Woyzeck sagen. Und auch für Odysseus kommt es knüppeldick. Nicht die harten Fakten sind es, die ihm zu schaffen machen werden. Die Auskehr seines Palastes, das Entfernen der lästigen Freier, bewältigt er problemlos. (Wir kennen die Geschichte.) Es sind die Softfacts, die ihm zusetzen: Penelope, die seine Charade aufgreift und ihn, den vermeintlichen Bettler, nicht als Odysseus zu erkennen vorgibt.

Es beginnt ein Wechselspiel der Gefühle - durch Luigi Malerba literarisch entsprechend aufbereitet: ein wechselseitiger Gesang in Art und Weise antiphonischer Tagebucheinträge.

Odysseus sinniert darüber, was wäre "wenn sie auch nur die geringste Ahnung gehabt hätte, dass sich unter diesen Bettlerlumpen ihr Mann verbarg. Aber ich halte das für unmöglich, auch wenn sie sich im Lauf der Jahre sehr verändert hat, denn wenn sie mich erkannt hätte, dann hätte ich es gemerkt. Penelope mag verändert sein, aber ich bin noch immer Odysseus und meine Augen trügen mich nicht." "Die Männer", so fasste es Anke Dürr im schon genannten SPIEGEL-Artikel charmant zusammen "mögen noch so tapfere Kämpfer sein in der weiten Welt: In Liebesdingen besitzen die Frauen die besseren Waffen." Das glückliche Ende steht fast in Frage. Ist es Odysseus, der den Bogen überspannt? Oder trägt vielmehr Penelope die Schuld der Last an Lust und Eifersucht?

"Kurz und gut, ich bin eifersüchtig. In diesem ganzen Durcheinander habe ich mich selbst kennen gelernt, während Penelope mir immer rätselhafter wird", schreibt Odysseus. - "... aber in der Zwischenzeit werde ich bei einem erfahrenen Schuster ein Paar Schuhe in Auftrag geben, die ich Odysseus dann im geeigneten Moment überreichen werde, wobei ich zu ihm sagen werde, so geh denn leichten Fußes und nimm dein Wanderleben durch die Länder der Erde wieder auf, oder hisse die Segel zur Fahrt über die unermesslichen Meere, und gönne dir all die Abenteuer, für die du eine so zähe Berufung bewiesen hast. (...) ... ein geborener Lügner und ein Meister der Täuschung", schreibt Penelope.

"Ich bin geschickt im Erzählen und Erfinden von Geschichten, fabuliere gerne über Menschen und Dinge, aber das kann nicht die Aufgabe eines Menschen sein, der noch immer an den Folgen jenes unglückseligen Kriegs leidet", schreibt Odysseus. - "Penelope", eine "vortreffliche Romanfigur" schreibt Malerba.

"Schleicht einer ohne Schuh von einem Frauenbett", schreibt "vor Tag" Hugo von Hofmannsthal. Dem ist nichts mehr hinzufügen. Die Lektüre dieses schöngeistigen Meisterwerkes "König Ohneschuh" möchte ich unbedingt empfehlen.
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5 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Odysseus kommt zurück in seine Heimat und schreibt tagebuchartig über die Ankunft und seine Eindrücke. Penelope tut das auch. Der Leser, die Leserin blickt abwechselnd in beide Wahrnehmungen. Es ist köstlich, wie Odysseus, ganz Mann, sich überschätzt und verkennt, was wirklich passiert. Und wunderbar, wie Penelope das Geschehen, entgegen der bekannten Version, unter Kontrolle hat.

Es ist ein wirklicher Genuß, dieses Buch zu lesen!

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