Wer sich mit König Ludwig II. und bayerischer Geschichte beschäftigt, kennt die beiden Autoren längst, die hier endlich erstmals ein gemeinsames Werk veröffentlichen.
Wie ein königliches Reise-Logbuch führen die Autoren den Leser durch die einzelnen Stationen der Reise: von München über Bayreuth, Münchberg, Hof, Bamberg, Schweinfurt, Bad Kissingen, Hammelburg, Gemünden, Lohr, Aschaffenburg, Würzburg, Kitzingen, Nürnberg, Fürth, Erlangen und über Augsburg wieder zurück nach München. Die vorgestellten 17 Stationen dieser Reise sind so detailliert und doch kurzweilig beschrieben, dass man tatsächlich das Gefühl haben kann, dabei gewesen zu sein.
Das jeweilige, oft bis auf die Minute genau und eng geplante Besuchsprogramm wird - sofern es recherchierbar war - vollständig geschildert; dazu gehörten: der Empfang beim Rat der Stadt, Besuch der Messe, Hoftafel, Ball, Fackelzüge, Feuerwerk. Zu dem umfangreichen Arbeitsprogramm des Königs zählten zum Beispiel 200 Audienzen in Bamberg und 400 in Würzburg. Vereinzelt gab es noch Abstecher in die Umgebung, um die Industrie, ehemalige Schlachtfelder oder Krankenhäuser zu besuchen. Die Reaktionen der Bürger werden ebenso geschildert, wie deren Kleidung, die gespielte Musik oder die Speisepläne.
Besonders interessant ist die meist widersprüchliche Wertung zur Presse, wenn die beiden Autoren die persönliche Korrespondenz des Königs bspw. mit Richard Wagner oder dessen Gefährtin Cosima von Bülow in die Schweiz darlegen.
Mit diesem Buch erhält man einen absolut erschöpfenden, dabei sehr flüssig geschriebenen Einstieg in die Kultur jener Zeit. Die umfassenden Details aus der Tagespresse, die Zitate von Zeitgenossen und zahlreichen Hintergrundinformationen findet man bisher nirgends so gebündelt. Diese werden unterstützt von einer schönen Auswahl an meist farbigen Bildern, darin auch bisher noch nicht oder selten gesehenes Material, wie z. B. Gedenkmedaillen, Theaterzettel und Orden sowie zeitgenössische Bilder und Postkarten der Städte.
Die erkennbar tiefgreifende Recherche in den Archiven der Städte und der Presse zeigt sich beispielsweise in den aufgeführten Widersprüchen des vorhandenen "offiziellen" Materials mit den mündlichen, aber auch Hinweise auf fehlende Quellen.
Das Buch schließt mit weiteren Reisen und Reiseplänen, weiteren Bauten und Bauplänen, Personalentscheidungen, die oft ihren Ursprung in den "überraschenden Weichenstellungen" der Frankenreise fanden.
Die detailverliebten Schilderungen fesseln den Leser an die über 200 Seiten. Man kann gespannt sein auf weitere Werke des Autorenteams!
Ein "Muss" für Interessierte an Ludwig II., seiner frühen Zeit als König und natürlich für Franken.