Das Hörspiel "König Lear" des WDR ist in der Reihe "Vertriebene deutsch/jüdische Schauspieler" erschienen und damit auch ein Stück Zeitgeschichte.
Fritz Kortner (1892-1970), 1933 von den Nationalsozialisten ins Exil getrieben, hat seinen großen Traum, einmal die Rolle des König Lears auf der Bühne zu spielen, nie verwirklichen können. Nach vierzehnjähriger Emigration sah er sich physisch nicht mehr in der Lage dazu. Dieses brilliante Hörspiel ermöglichte es ihm aber, sich diesen Wunsch wenigstens teilweise zu erfüllen.
Fritz Kortner spricht den König Lear einzigartig und beeindruckend. Er legt alles, was ihm an schauspielerischen Mitteln zur Verfügung steht - und das ist wirklich nicht wenig - in diese Rolle.
Unterstützt wird er von weiteren großartigen Schauspielern. König Lears Töchter werden von Joanna Maria Garvin, Hilde Mikulicz und der wunderbaren Maria Becker gesprochen. In den Nebenrollen glänzen u.a. Bernhard Minetti (der Narr), Siegfried Wischnewski (Oswald), sowie Walter Richter, Heinz Drache und Klausjürgen Wussow.
Unter der Regie von Wilhelm Semmelroth entstand ein Hörspiel von großer deutscher Sprachkultur.
Die Aufnahmequalität des 1958 entstandenen Hörspiels des WDR ist altersgemäß sehr gut.
Ein interessantes 52-seitiges Booklet mit vielen Angaben über Fritz Kortner und dieses Hörspiel runden den Hörgenuß ab.
Dieses brilliante Hörspiel gehört in jede gute Hörbuchsammlung!
Abschließend möchte ich das ebenfalls in der "Edition Mnemosyne" erschienene Hörspiel "Die Nibelungen" empfehlen, das ebenfalls großartig ist!