Dieser Band ist etwas düsterer und unheimlicher als sein Vorgänger. Besonders beeindruckend erscheint im Rückblick, wie Witzko im ersten Band die Spuren für "König der Kobolde" gelegt hat und welche scheinbar unbedeutenden Details aus dem ersten Band jetzt Gewicht bekommen oder in einem anderen Licht erscheinen. Hier merkt man, wie viel Mühe und Gedanken noch hinter den kleinsten Andeutungen stecken.
Der König der Kobolde kommt zurück und erweist sich nicht als der verehrte Gute König Raffnibaff. Wie schon in "Westwärts, Geschuppte" nimmt Witzko auch hier das übliche Heldenpathos in der Fantasy-Literatur gewaltig aufs Korn. Es ist interessant, einem unorganisierten Volk von Anarchisten, dem Heldentode und das Opfern eigener Artgenossen für eine höhere Sache vollkommen fremd sind, beim Kampf gegen einen übermächtigen Gegner zuzusehen. Nachdem der erste Plan zur Beseitigung des Tyrannen spektakulär in die Hose geht, nimmt der Roman auch im letzten Drittel noch mehrere überraschende Wendungen und wird zunehmend phantastischer, ohne dass dem Autor die Geschichte aus dem Ruder läuft. Das Finale wirkt wie ein wundersamer, psychedelischer Traum. Die Lüftung des Geheimnisses um den Guten König Raffnibaff ist eine wirklich gelungene Pointe. Zum Schluss gibt es übrigens doch noch ein Opfer (zumindest scheint es erstmal so), Kobold Brams verliert seine kindliche Unbekümmertheit und der Roman endet eher melancholisch.
Auch allen, die vom ersten Band noch nicht 100% überzeugt waren, sei "König der Kobolde" trotzdem absolut ans Herz gelegt: In diesem Roman stecken noch viel, viel mehr Ideen und manches märchenhafte Element wendet sich hier ins Bösartige.
Für mich ist Witzko der beste unter den "humorvollen Phantasten". Vielleicht weil bei aller Komik seine Völker, Rassen, Welten nicht als Karikaturen angelegt sind, sondern bei aller Skurrilität glaubwürdig, organisch und hintergründig bleiben. Dabei bedient er sich spielerisch und intelligent aus einem großen Märchen- und Mythenpool und gibt den Dingen einen anderen Dreh. Hinzu kommt aber (anders als bei vielen Kollegen) auch noch jede Menge komplette Eigenphantasie.
Ich freue mich jetzt schon auf einen dritten Teil- genügend Fährten sind auch diesmal wieder gelegt.
Allen zu empfehlen, außer natürlich den ganz Konservativen, die Fantasy lesen, weil sie nicht überrascht werden wollen.