Im Gegensatz zum Aufkleber: "nicht digital remasterd" handelt es sich hier um die in USA vor längerer Zeit schon erschienene restaurierte Fassung in voller Länge, inklusive der großartigen Musik von Miklós Rózsa vor dem Film, in der Pause und nach dem Filmende. Deutsche und englische Sprachfassung in hervorragendem Stereoton mit Surroundinformation. Warner scheint so verunsichert durch die schlechten Besprechungen in den Foren, das sie selber nicht mehr zu wissen scheinen, was sie anbieten. Der Film selbst hat die in den deutschen Kinofassungen immer geschnittenen Szenen, so. z.B. jetzt den vollständigen Weg zur Kreuzigung (unverständlicherweise zusammengeschnitten und so nicht ohne eine gewisse ungewollte Komik), die Ermordung der Tempelpriester am Anfang des Films und Teile der Bergpredigt. Der Film kam nicht gut weg bei der Kritik 1961. Jesus sei zu jung (er starb wahrscheinlich mit 33...), ebenfalls seine Jünger etc. Regisseur Nicholas Ray schuf vorher den Klassiker "...denn sie wissen nicht, was sie tun" mit James Dean. Hätte Dean 1960 noch gelebt, hätte er ihn den Jesus spielen lassen. Immerhin kleidete er Jeffrey Hunter bei der Berpredigt genau wie Dean in ein rotes Gewand (in "...denn sie wissen nicht, was sie tun" war es eine rote Jacke!). Ray sah beide als Rebellen. Die Rolle des Judas war den Kirchen und den Kritikern zu positiv angelegt. Aktuelle Forschungsergebnisse jedoch geben eher diesem Film recht. Judas als Bösewicht der Geschichte und Vorwand für jahrhundertelangen Massenmord war ja auch viel einfacher. Interessant auch das letzte Abendmahl: Kein, wie sonst üblicher, langer Tisch, sondern drei Tische mit einem Handwaschbecken in der Mitte. So aufgestellt, dass sich in einer leicht erhöhten Kameraposition daraus das Friedenszeichen ergibt. 1961! Außerdem wurde für diesen Film eine spezielle Optik entwickelt, die sowohl den Hintergrund als auch eine direkt vor der Kamera stehende Person scharf abbilden. Regisseure wie Martin Scorsese oder Brian de Palma benutzten diese Optik noch 30 Jahre später in ihren Filmen! Aufgenommen wurde der Film im horizontalen 35mm-Super-Technirama-Verfahren. Die Kinokopien waren auf 70mm-Material kopiert, der Ton war 6-Kanal-Magnetton. Etwas von diesem Glanz vermittelt diese DVD. Ein ungewöhnlicher Jesus-Film, eine Mischung aus Eisensteinschem Revolutionsfilm, Nicholas Rays Rebellenkino und dem unvermeidlichen Religionskitsch. Große (wenn auch relativ unbekannte) Schauspieler, gewaltige Bilder, stimmungsvolle Musik: Totales, leider vergangenes Kino!