(leichte Spoiler)
In diesem Gilliam geht es um den ehemaligen Radiomoderator Jack (Jeff Bridges) und den Obdachlosen Parry (Robin Williams), deren Leben auf ihnen zuerst unbekannte Weise miteinander verwoben sind. Jack ist ein egozentrischer Widerling, der sich von einer Freundin aushalten lässt, seit er seinen Job beim Radio verloren hat. Eines Tages trifft er auf der obdachlosen Parry, der ihm aus einer brenzligen Lage hilft und Jack in seine verquere Welt lässt und ihn bald als Freund betrachtet. Jack dagegen hält Parry anfangs lediglich für einen irren alten Kauz und will ihn so schnell wie möglich wieder los werden. Doch Parry besteht darauf, dass Jack ihm auf der Suche nach dem Heiligen Gral hilft, da er meint, dass er ihn nur mit Jacks Hilfe erlangen kann.
Natürlich ist die Suche mach dem Gral symbolisch gemeint und muss für Parry und Jack anders gedeutet werden. Parry ist auf der Suche nach dem Gral um die Gnade Gottes zu erlangen, was eigentlich für ihn bedeutet, endlich den Tod seiner Frau vergessen zu können bzw. nicht mehr von den Erinnerungen an ihren Tod heimgesucht zu werden.
In diesem Zusammenhang ist die Figur des roten Ritters auch von großer Bedeutung, der im Film immer wieder auftaucht und Parry heimsucht. Dabei vermischt Gilliam, wie es für ihn üblich ist, die Ebene der Realität mit der des Traums/der Halluzination, wobei hier die Grenzen nicht so sehr verwischen wie in den meisten seiner anderen Filme. Dieser Ritter treibt Parry buchstäblich in den Wahnsinn und hält ihn davon ab zu vergessen, was vorgefallen ist. Dabei ist der Ritter wohl der personifizierte Tod seiner Frau, eine Bildmetapher, was man aus dem Aussehen des Ritters schleißen kann. Er trägt nämlich ein sehr zerfranstes, rotes Gewand, das zu allen Seiten absteht. Damit gleicht er dem zerfetzten Hirn von Parrys Frau, das an der Wand des Restaurants klebte, in dem sie erschossen wurde. Noch bevor man allerdings den Ritter das erste Mal sieht oder um die tragische Geschichte Parrys weiß, sieht man in seinem Unterschlupf schon ein abstraktes Bild, das lediglich wie ein roter Farbklecks aussieht (vermischt mit grau-schwarz Tönen) der in alle Richtungen spritzt. Erst später wird einem klar, was Parry da gemalt haben könnte.
Sowieso sollte man, wie eigentlich bei allen Gilliam-Filmen, mal darauf achten, was im Hintergrund zu sehen ist. Zum Beispiel hängt in der Videothek, in der Jack nun notgedrungen arbeitet, ein Plakat von Brazil", einem anderen Film Gilliams. Zudem finden sich in Parrys Unterschlupf die altbekannten, symbolischen Rohre, die Gilliam in jedem seiner Filme unterbringt, was in diesem Fall viel über Parrys Psyche aussagt, z.B. dass er eben mit einer schrecklichen Erinnerung leben muss die er nicht verdrängen kann, nicht einfach das Klo runterspülen, wie andere Menschen all das Zeug, welches sie nicht mehr sehen wollen. Durch die Rohre in seiner Behausung bleibt es für ihn immer gegenwärtig.
Es geht sowohl für Parry als auch für Jack um die Suche nach sich selbst. In diesem Zusammenhang ist vor allem die Pinocchio-Figur, die Parry mit sich herumträgt, symbolträchtig. Wobei es im Falle von Jack eher um die Suche nach Menschlichkeit geht, die von Jacks Gefühlskälte und Egoismus überlagert wird und alles Gute in ihm begräbt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass wir Jack in einer der ersten Szenen in seinem Aufnahmeraum von oben gefilmt sehen. Der Raum ist dunkel (vielleicht so wie seine Seele), und die Schatten die das wenige Licht wirft, gleichen Gitterstäben, die Jacks Gefangenheit deutlich machen.
Möchte man den Film in seiner Gänze verstehen und deuten, so sollte man sich vorher möglicherweise mit der Gralsgeschichte um den Ritter Percival vertraut machen, da natürlich der Plot darauf aufbaut und es sehr viele Verweise auf die Sage gibt, die ich hier nicht weiter ausführen möchte (aber man beachte allein schon die Ähnlichkeit der Namen Parry - Percival).
Aber auch ohne den Hintergrund dieser Geschichte lässt sich der Film in seinen Grundaussagen verstehen und genießen. Man wird, wie bei Gilliam wohl immer der Fall, nicht müde zuzuschauen und zu beobachten, womit der Film sich nahtlos in die anderen Werke Gilliams einreiht, auch wenn er bei weitem nicht so abstrakt und surreal ist wie beispielsweise Brazil". Damit könnte er nicht nur für Gilliam-Fans eine gute Wahl sein, sondern auch für den gemeinen" Filmliebhaber, der sich eben nicht vom Film oder Regisseur verkohlt" vorkommen möchte, aufgrund der Undurchsichtigkeit der Realitätsebenen, die es bei Gilliam sonst so häufig gibt.