Eine altbekannte Dreiecksgeschichte schildert Nabokov in seinem zweiten Roman, den er im Alter von nur 28 Jahren verfasste: Ein junger Mann, der nach Berlin kommt, geht ein Verhaeltnis mit der Frau seines reichen Onkles ein, bis das Paar versucht, diesen umzubringen, um ungestoert miteinander leben zu koennen. Der Roman bleibt trotz seines betraechtlichen Alters noch immer vergnueglich und spannend zu lesen; die Sprache ist nuanciert und feinsinnig, jedoch nie unnoetig kompliziert oder verreichert; die Charakterzeichnung der Figuren wirkt glaubwuerdig und tiefsinnig. Der tolpatschige Franz, der ein Verhaeltnis mit der kalten, berechnenden Marta eingeht, wirkt so lebendig, dass man fast glauben moechte, ihn aus der Nachbarschaft zu kennen; auch der "Mann von Welt" Drayer, sein vitaler, geschaeftstuechtiger Onkel, bleibt facettenreich und interessant. Weiterhin treten eine Menge skurriler Nebenfiguren auf; das Zusammenspiel der unterschiedlichsten Protagonisten macht den besonderen Reiz und Wert dieses Buches aus, man fuehlt schon beinahe so etwas wie Mitleid mit Franz, der - blind vor Liebe und Verlangen - unfreiwilliges Werkzeug Martas wird, die durch ihn ihre Mordplaene verwirklichen moechte. Nabokov erweist sich schon in jungen Jahren als vor allem unterhaltsamer Schriftsteller, dessen Werk aber auch Raum fuer weiterfuehrende Gedanken und Assoziationen bietet. Die fuer die Entstehungszeit des Romans (20er Jahre) ungewohnt deutlichen erotischen Szenen tragen weiterhin dazu bei, das Buch auch spaeter noch in deutlicher Erinnerung zu behalten. Einzig stoerend erscheinen mir bisweilen allzu aufgesetzte, symbolisch - philosophische Diskurse (1. Kapitel), die sich jedoch insgesamt gluecklich in das (fesselnde) Handlungsgeruest einfuegen. Ein Buch, das sich nicht nur anlaesslich des 100. Geburtstags Nabokovs zu lesen lohnt, es muss ja nicht immer nur "Lolita" sein! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)