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Produktinformation
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Wenn man böse wäre, dann könnte man behaupten, der inzwischen 44-jährige isländische Autor Arnaldur Indriðason hätte seine unglaublich erfolgreichen Kriminal-Romane mit Titeln wie Nordermoor (2003), Todeshauch (2004), Gletschergrab (2005) oder Menschensöhne (2005) nur verfasst, um etwas Spannung in die öde Welt seiner kalten, kargen, aber natürlich landschaftlich unheimlich beeindruckenden Heimat zu bringen. Denn nach den immer wieder vom deutschen Verlag lancierten Informationen passieren in Island lediglich drei Mordfälle pro Jahr. Wenn man die Publikationsfrequenz Indriðasons bedenkt, dann hat er hierzulande mit etwa zwei Romanen jedes Jahr die Realität fast schon eingeholt. Der Leser wird es ihm danken. Denn Indriðason kann lebendig und lebensecht erzählen, mit viel Sinn für das Innenleben und die Psychologie seiner Figuren. Da macht Kältezone glücklicherweise keine Ausnahme.
Als der Roman in Island erschien, war die Presse begeistert. Zweifellos Arnaldur Indriðasons bisher bestes Buch, schrieb etwa das Morgunblaðið. Auch wenn mancher Fan Todeshauch für besser halten könnte: unbedingt lesen. --Stefan Kellerer -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Am Rande eines Sees wird ein Skelett gefunden, dass an eine alte russische Abhöranlage gebunden ist. Erlendur und Team untersuchen die Vermisstenfälle rund um das Jahr 1970 und stoßen dabei auf die Spur des Handlungsreisenden Leopold, der 68 fast spurlos verschwand. Die einzigen Spuren führen in die DDR - war dieser Leopold ein Spion? Und das ausgerechnet in Island??? In einem parallelen Handlungsstrang erzählt ein alter Isländer von seinen Erinnerungen an das Studium in Leipzig Mitte der 50er Jahre. Er scheint zu wissen, wen die Polizei da auf dem Boden des Sees gefunden hat...
Mit "Kältezone" erreicht der Autor eine neue Güteklasse. Für mich ist hier der vordergründige Kriminalfall eher Nebensache. Das wahre Verbrechen liegt in der Kältezone der Vergangenheit. Indridason verfolgt zudem das Prinzip eines Serienhelden mit so viel Feingefühl wie kaum ein anderer Autor. Seine Protagonisten entwickeln sich langsam und glaubwürdig. Keine großen Sprünge passieren gegenüber dem Vorgängerband, sondern immer nur kleine Schritte. Erlendur taut ein wenig auf und gewinnt menschliche Wärme, gleichzeitig bleibt er der Fremde für seine Kinder, die immer verzweifelter in ihm den Vater suchen. Elinborg geniesst den Ruhm, den sie wegen ihres Kochbuchs zu spüren bekommt und Sigurdur Olis Glück wird durch ein weiteres privates Drama getrübt.
Herrlich auch die kleinen Randgeschichten, die keineswegs Ballast, sondern Schmuck in Indridasons Romanen sind. Zum Beispiel der Anrufer, der sich selbst die Schuld am Unfalltod seiner Frau und Tochter gibt und immer wieder Trost bei Sigurdur Oli sucht. Oder wie aus dem unbekümmerten Studentenleben in Leipzig ganz leise ein grauenvolles menschliches Drama wird. Für mich der erste wahre Spitzentitel im Jahr 2006.
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