In ruhiger Art und Weise erzählt der Autor Arnaldur Indridason in Kälteschlaf" ein Verbrechen, das zunächst nicht als ein solches erscheint. Doch wie das Leben so spielt, kommen Dinge ans Tageslicht, die lieber im Dunkeln verborgen geblieben wären. Erlendur Sveinsson, der als Kommissar bei der Reykjavíker Kriminalpolizei tätig ist, schafft es mit einer nahezu stoischen Ruhe, den Umständen auf den Grund zu gehen, die zu dem Tod einer jungen Frau führten. Dabei gestaltet sich sein eigenes Leben alles andere als einfach. Als Vater zweier Kinder ist er allein, nachdem es mit seiner Frau zu schweren Zerwürfnissen kam. Sein Sohn Sindri ist Alkoholiker, hat aber seine Sucht im Griff, was er ebenfalls von seiner Tochter Eva Lind hofft, die einst als drogensüchtige Gelegenheitsprostituierte in Reykjavíks Unterwelt zugange war. Kein einfaches Leben und doch lebenswert. Und genau diese Grundhaltung, die Arnaldur Indridason seinen Charakteren mitgibt, findet man in diesem Hörbuch wieder. Die für die skandinavische Kriminalliteratur so charakteristische melancholische Grundstimmung zieht sich durch die gesamte Geschichte, glücklicherweise aber immer nur in einem Maß, das der Handlung gut tut und der Hörer zu ertragen weiß. Hervorragend hat es der Autor dabei verstanden, seinen Figuren Leben einzuhauchen und sie authentisch erscheinen zu lassen. Mit einer pragmatisch anmutenden Gelassenheit erfolgt die Lesung des Hörbuches von Walter Kreye. Was aber nicht heißen soll, dass diese zäh und langweilig ist, im Gegenteil. Gerade mit dieser zur Schau getragenen Bedachtsamkeit unterstützt er hervorragend die Atmosphäre der Geschichte und weiß diese auf eine Art zu erzählen, die äußerst passend erscheint und das triste Gesamtbild hervorragend abrundet.
Kälteschlaf" ist eine Kriminalgeschichte mit viel Tiefgang, die es hervorragend versteht, den Hörer an das Geschehen zu fesseln. Besonders zu empfehlen für Fans skandinavischer Kriminalliteratur.