Kälp, der sympathische, etwas weltfremde Eigenbrötler, lebt ein Leben ohne Höhen und Tiefen, insbesondere nach dem Tod seines Bruders, den er verehrt hat; auch dies verbindet ihn mit dessen Verlobter Una - und hindert ihn zugleich daran, mit ihr eine Liebesbeziehung einzugehen. Birgit, die Wolfsburgerin, scheint das Gegenteil von Una zu sein, Düsternis, Härte und Geheimnis gegen Offenheit, Sanftmut und Geradlinigkeit; auf ihre Weise sind beide Frauen, zwischen denen Kälp steht, attraktiv, aber er kann nur Birgits Anziehung auf ihn erkennen.
Alle drei Charaktere haben ein unglückliches Liebesleben gemeinsam; Kälp wäre gern wie sein charismatischer Bruder und glaubt nicht, dass er eine Frau an sich binden kann, Birgit, vom Ehemann belogen und betrogen, sucht Bestätigung und holt sie sich ohne Rücksichtnahme, und Una ist gezeichnet von den unzähligen Affären ihres früheren Verlobten, dem sie gleichwohl verfallen war. Als diese drei Menschen aufeinander treffen und gar Weihnachten zusammen feiern, resultiert eine explosive Mischung, zumal sich alle noch mehr oder weniger intensiv mit dem Todesfall im Dorf beschäftigen.
Michael Wallner zeichnet seine Charaktere sozusagen mit kraftvollem Schwung, stattet sie mit starkem Kontrast aus, lässt sie regelrecht aufeinanderprallen. Zudem versteht er es, intensive Stimmungen entstehen zu lassen, ob düster, ob hell; das Dunkle überwiegt im Roman, nur in der viel beschworenen Höhe wird es manchmal heller, lichter, der Druck sinkt.
Am Ende kommt es zu einer überraschenden Wende, die jedoch völlig glaubwürdig wirkt und den zuvor entstandenen Eindruck von Kälps so bodenständigem wie lauterem Charakter nur vertieft.
Ein sprachlich wie inhaltlich starker, sehr lesenswerter Roman!