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4,2 von 5 Sternen
Justiz
Format: TaschenbuchÄndern
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36 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. August 1999
"Justiz" ist neben "Der Richter und sein Henker" zweifelsohne der beste Roman Friedrich Dürrenmatts. Wiederum gefällt sich der Autor darin, die Protagonisten der Handlung als Marionetten eines großen Spiels darzustellen, in dessen Zentrum einer die Fäden hält: die Macht. Ein junger, ehrgeiziger Jurist wird Zeuge, wie ein bekannter Zürcher Kantonsrat, der zu den oberen Kreisen der Gesellschaft gehört, mitten in einem gut besuchten Restaurant einen kaltblütigen Mord begeht. Das Urteil ist schnell gefällt - 20 Jahre für den Mörder. Doch damit beginnt erst die Geschichte: Der Mörder erteilt dem jungen Rechtsanwalt den seltsamen Auftrag, den Fall neu zu untersuchen unter der Prämisse, daß er nicht den Mord begangen habe. Leicht befremdet, aber angesichts des guten Honarars macht dieser sich eifrig daran, dem nachzukommen. Was ihm nun geschieht, muß man lesen: Dürrenmatt beschreibt eindringlich, wie die Macht - verkörpert durch den Kantonsrat bzw. dessen gesellschaftliche Kreise - die Realität nach und nach verändert. Die scheinbar so unzweifelhafte Mordtat wird immer unwahrscheinlicher, der Mörder immer unschuldiger. Und in der Mitte des Prozesses der junge Jurist, der sich in einem Kreisel befindet, um den sich die Welt immer schneller dreht, dem immer wieder vor Augen geführt wird, daß nicht geschehen sein kann, was er gesehen hat und der schließlich vor der Frage steht, ob es in der Justiz - seinem ureigensten Handwerk - überhaupt Gerechtigkeit geben kann. Diese Geschichte ist absolut wert, gelesen zu werden. Empfehlenswert ist zudem der dazugehörige Film, der sich sehr eng an die literarische Vorlage anlehnt mit Maximilian Schell in der Hauptrolle. Ein "Muß" für jeden Fan anspruchsvoller Krimis!!! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. Dezember 2009
Ja, es mag sein, dass "Justiz" ist nicht Dürrenmatts stärkster Krimi ist. Zumindest weicht er, was die Erzählhaltung, die Fabelkonstruktion und das Setting angeht, vom "Richter und sein Henker", "Verdacht" und "Versprechen" ab. Und vielleicht ist die große Pause zwischen Beginn und Abschluss der Arbeit an diesem Buch doch etwas zu deutlich zu spüren. Mag sein. Dennoch hat mir der Krimi beim Lesen viel Freude bereitet und insgesamt kann man wohl sagen, dass es im deutschsprachigen Raum nicht viele Krimis gibt, die auch nur ein ähnliches Format aufweisen. Die in den negativen Rezensionen auf dieser Website genannten Schwachpunkte (fehlende Spannung und Gesellschaftskritik) decken sich jedenfalls nicht mit meinem postiven Eindruck nach der Lektüre.

Der Plot ist - jenseits der Frage nach dem Täter - durchaus spannend und auch die Gesellschaftskritik ist deutlich ausgeprägt. Anders als in den Dramen hat diese Kritik allerdings eine andere Stoßrichtung: nicht die moderne Welt mit der in Barbarei umschlagenden technischen Aufklärung steht im Mittelpunkt, sondern hier wird sehr spezifisch der Schweiz und besonders dem Zürich der späten 50er Jahre ein hässliches Spiegelbild vorgehalten. Dürrenmatts Perspektive ähnelt hier ein wenig der von Böll und Engelmann in den Romanen über die Verlogenheit der vermeintlichen Anstandsbürger im Bonn-Kölner Raum. Die surrealen Züge der bekannten Dramen treten dafür etwas in den Hintergrund.

Das Buch ist eine wunderbare Freizeitlektüre. Gerade bei Dürrenmatt liegt es aber auch nahe, ein Wort zur Eignung für den Unterricht zu verlieren. Für die Oberstufe ist das Buch sehr lohnend: zum einen bietet die Geschichte ein interessantes rechtsphilosophisches Gedankenspiel zum Verhältnis zwischen Justiz und Gerechtigkeit. Zum anderen hat der Roman auch eine ausgeprägte metafiktionale Dimension: Das Spiel mit der Möglichkeit eines anderen Täters bei erwiesener Schuld eines Mörders lenkt den Blick auf ein wesentliches Moment der Mitarbeit eines jeden Lesers auf die Konstruktion von Text und Handlung (ein Thema, das in der gegenwärtigen Erzähltheorie unter dem Titel der "Mögliche-Welten-Theorie" ausführlich reflektiert wird). Nicht nur die relativ plastisch dargestellte Vergewaltigungsszene im Schlussteil des Buches, sondern vor allem diese schwergewichtigen und abstrakten Aspekte machen das Buch leider erst für die Oberstufe zu einer empfehlenswerten Lektüre. Das aber zweifellos.
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. Januar 2006
Ein alter Kantonsrat aus Zürich erschießt, scheinbar ohne Motiv, in einem vollen Restaurant einen Universitätsprofessor, lässt sich ohne jeglichen Widerstand verhaften und verurteilen. Im Gefängnis lässt er den jungen Rechtsanwalt zu sich kommen und erteilt ihm den Auftrag seinen Fall unter der Annahme, er sei nicht der Mörder gewesen, neu zu untersuchen.
Und je länger sich der Rechtsanwalt mit dem Fall beschäftigt, desto tiefer verstrickt er sich in ein Netz. Ernsthafte Zweifel kommen bei ihm auf; obwohl eine Menge Leute den Mordvorgang direkt beobachtet haben.
Dürrenmatt verdeutlicht in diesem Roman, dass sich die Gerechtigkeit oftmals der Justiz geschlagen geben muss.
Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen, man findet sehr viel Parallelen zu der aktuellen Gesellschaft insbesondere zur Politik und zur Wirtschaft. Insgesamt ein sehr aktuelles Buch.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Dezember 2006
Dürrenmatt versteht es, mit geradezu genialer Sprache das faszinierende Bild eines Mörders zu entwerfen, der aufgrund seiner Sozialisation in der Position ist (und dies auch nutzt), einem Magier gleich das Bild der Realität zum Verschwinden zu bringen. Und Kantonsrat Dr. h.c. Isaak Kohler erklärt dem RA Dr. Felix Spät stellvertretend für den Leser auch, wie er das machen wird. Mit einem Bild aus dem Billard: "A la bande." So erschießt er, wie sich erst später zeigen wird, durchaus mit Motiv in aller Öffentlichkeit einen anderen, und geht zunächst anstandslos ins Gefängnis. Der Leser bekommt nun aus der Perspektive von RA Spät die Aufgabe, den Mord unter der Prämisse zu betrachten, Kohler sei nicht der Mörder. Ein monumentaler Gedanke: "Das Wirkliche ist nur ein Sonderfall des Möglichen." Und allein die Kraft dieses Gedankens läßt die ganze Argumentation der Justiz zusammenbrechen (natürlich nicht unmittelbar, aber eben a la bande). Spät läßt sich auf das natürlich lukrative Angebot Kohlers ein und erkennt zu spät (!), daß er die Auswirkungen dieser Handlung in dem überaus komplexen System "moderne Gesellschaft" nicht erkannt hat. Schlimmer noch, Kohlers Planung geht mit der Präzision eines Billardstoßes auf. Spät scheitert schließlich an der Erkenntnis "Die Gerechtigkeit wohnt in einer Etage, zu der die Justiz keinen Zutritt hat."

Empfehlenswert ist die Verfilmung mit Maximilian Schell in der Rolle des Kantonsrat Kohler.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. Juli 1999
Ich habe das Buch "Justiz" auf dem Trödelmarkt gebraucht gekauft - auf der ersten Seite besitzt es eine Widmung in der es heißt, der Leser solle wegen des Buches nicht das Vertrauen in die Justiz verlieren. In der Tat, wenngleich das Buch eigentlich als Kriminalroman geschrieben ist, regt es den Leser durchaus dazu an, sich über die Funktion des Rechtswesens einige Gedanken zu machen. Dargestellt wird die Geschichte eines jungen Anwalts, der, obwohl hochbegabt, mit dem Start seiner eigenen Karriere völlig erfolglos bleibt - bis er eines Tages einen lukrativen Auftrag bekommt. Obwohl schon zu Beginn argwöhnisch, merkt er viel zu spät, daß es sich um keinen alltäglichen Rechtsfall handelt. Ohne auch nur die Kontrolle über seine eigenen Handlungen zu behalten erkennt er, daß andere die Gerechtigkeit zum Spielball ihrer eigenen Theorienspiele machen. Bei der Lektüre hat der Leser die Wahl: Er kann das Buch als rein fiktional genießen. Er kann es aber auch zum Anlaß nehmen, sich eigene Gedanken zum Verhältnis von Geld, Macht und Recht zu machen. "Justiz" ist ein spannender Krimi, eine ironische Milieuschilderung und eine haarsträubende Groteske zugleich. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. März 2009
Unglaublich dicht erzählte Geschichte eines Mordes. Sprachlich von höchster Perfektion mit den (gewohnten) Seitenhieben auf unsere (schweizer!?) Gesellschaft. Kein Buch zum Entspannen! Höchste Konzentration ist von der ersten bis zur letzten Zeile gefordert. Wer die Herausfoderung annimmmt und eintaucht in Dürrenmatts Erzählfluss, wird begeistert sein. Starker Tobak! Grandioser Roman.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. Dezember 1999
Der bekannte schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt ist sicherlich den meisten Lesern schon im Literaturunterricht in der Schule begegnet. Mich hat damals diese erste Begegnung mit Dürrenmatt sehr abgeschreckt, so daß ich zunächst sehr skeptisch war, diesen Roman zu lesen. Allerdings habe ich mich dann überreden lassen und war geradezu begeistert das Buch immer weiter zulesen. Dürrenmatt schreibt sehr unterhaltsam und spannend und immer wieder mit einem Schuß an Humor. Sein Roman "Justiz" ist eine sehr gelungene Mischung aus einem "normalen" Krimi und einem sehr gesellschaftskritischen Werk, daß sich hier die Justiz und deren Manipulierbarkeit zum Ziel der Kritik genommen hat. Man fühlt sich manchmal an den Fall des O. J. Simpson erinnert. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Mai 2006
Dürrenmatt, wie man ihn kennt, obwohl Justiz" ein weniger bekannter Krimi des Schweizers ist. Ein profan anmutender Fall in einer Schweizer Kleinstadt. Die Fakten liegen schnell auf der Hand, der Prozess findet bald statt, man fällt sein Urteil, ohne die geringsten Zweifel. Jeder scheint verwundert, ausser dem gelassenen Täter. Der scheint sogar froh darüber zu sein, hinter schwedischen Gardinen zu landen.

Als er dann schliesslich den Helden der Geschichte, einen jungen, mittellosen Anwalt, damit beauftragt, seinen Fall noch einmal zu untersuchen unter der Prämisse, er wäre unschuldig, nimmt das Schicksal eine andere Wendung. Es zeigt sich, dass man Dinge, die auf der Hand liegen, nicht immer so einfach beweisen kann, wie man sie wahrnimmt. Ein rechtsphilosophisches Problem - die Idee der Gerechtigkeit und ihres Konfliktes mit dem Gesetz - in unglaublich spannender Weise dargestellt.
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am 9. Januar 2013
In einem noblen Restaurant erschießt Kantonsrat Dr. h. c. Isaak Kohler vor den Augen der zahlreichen Gäste den Literaturprofessor Adolf Winter ohne jegliche Vorwarnung mitten beim Essen. Der Fall ist klar und der Mörder wird zu zwanzig Jahren Haftstrafe verurteilt. Aus dem Gefängnis wendet sich Kohler an den mittellosen Rechtsanwalt Felix Spät und beauftragt diesen, seinen Fall unter der Annahme, Kohler sei nicht der Mörder, neu zu untersuchen. Anfangs wehrt sich Spät tapfer gegen diesen, in seinen Augen sinnlosen Auftrag. Doch der Druck des Materiellen erzwingt schon bald seine Einwilligung in diesen Teufelspakt. Erst nach und nach erkennt Spät, dass er nur Handlanger eines verborgenen Plans ist.

Dürrenmatt macht in seinem Roman deutlich, in welchem engen Rahmen sich die Strafrechtsprechung bewegt: Sie kann und darf nur das Vergehen des Täters beurteilen, sie hat sein Handeln nicht moralisch zu werten. Die Beweggründe für eine Tat sollen zwar Berücksichtigung finden, dienen aber weitestgehend nur zur Festlegung des Strafmaßes. Und auch dabei kann die Justiz nur bewerten, was ihr auch offenbart wird. Ein Gericht hat sein Urteil nach dem Buchstaben des Gesetzes zu fällen, unterliegt dabei aber beständig der Gefahr, dem Tun der Menschen nicht gerecht zu werden. So wird erkennbar, dass die Justiz nur ein schwaches Hilfsmittel ist, Gerechtigkeit im ethischen Sinne herzustellen. So schlussfolgert Dürrenmatt also: "Die Gerechtigkeit lässt sich nur noch durch ein Verbrechen wiederherstellen."

Das Wirken des Dramatikers ist im Text stets spürbar; in einem Stück aber hätte die Hauptfigur ihre moralischen Bedenken fortwährend in Monologen austragen müssen, was Dürrenmatt in der Prosaform durch den schriftlichen Bericht des Helden geschickt zu umgehen weiß. Es ist ihm auf beeindruckende Weise gelungen, die zweideutige Frage nach Gerechtigkeit mit scharf gezeichneten Figuren und sprachlichem Witz darzustellen. Wie beiläufig liefert er eine Fülle an Lebensweisheiten und Sinnsprüchen, einprägsamen Bildern und skurrilen Situationen. Und es ist nochmals ein überzeugender Beweis für Dürrenmatts Meisterschaft, die individuellen Abgründe zwischen persönlicher und gesellschaftlicher Moral aufzuzeigen.

"Justiz" ist kein klassischer Kriminalroman, auch wenn es im weitesten Sinne um die Aufklärung eines verbrecherischen Geschehens geht. Es ist vielmehr, wie stets bei Dürrenmatt, eine in sprachlicher Vollendung vorgebrachte Abrechnung mit der verlogenen Scheinheiligkeit unserer Gesellschaft, mit der Doppelmoral der Selbstgerechten, die ihre soziale Vormachtstellung auf die Herrschaft ihres Geldes gründen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 14. Oktober 2011
Die Bewertung dieses Buches fällt mir schwer, denn es gilt als anspruchsvoller deutschsprachiger Kriminalroman des großen Schweizer Schriftstellers und Dramatikers. Offensichtlich schätze ich an Dürrenmatt mehr seine komödiantischen Seiten, denn die Prosakomödie Grieche sucht Griechin und die Bühnenkomödie Die Physiker haben mir sehr zugesagt. "Justiz" ist anders. "Justiz" ist sperrig und schwer durchschaubar, zwar stellenweise gewitzt bis witzig, aber für mich bestenfalls punktuell, nicht insgesamt. Ich war vergeblich auf der Suche nach dem durchgehenden roten Faden.

Brillant finde ich Dürrenmatts ausgefeilte Sprache, die klarmacht, dass er zu den ganz Großen gehört. Auch mit seiner Vorlage für den Heinz-Rühmann-Film Es geschah am hellichten Tag konnte Dürrenmatt bei mir punkten. Ein Film, der durch psychologisches Feingefühl und Spannung besticht. Doch "Justiz" ist alles andere als spannend. Es ist hintergründig, skurril, zynisch bis boshaft und hält der dekadenten Gesellschaft einen Spiegel vor. Um spannend zu sein, verliert sich Dürrenmatt zu sehr in Einschüben, Gedankensprüngen und Abschweifungen. Man merkt dem Werk an, dass er es lange nach seinem Beginn (1957) liegen ließ und es - viel später erst (1985) - in ganz anderer als in der vorgesehenen Form fertig gestellt hat.

Der Funke wollte bei mir nicht überspringen. Obwohl ich mich bemüht habe, einen Zugang zum Werk zu finden, beendete ich meine Lektüre auf Seite 153. Dürrenmatt schreibt in seinem Nachwort: "Doch ich scheiterte an der Weiterführung der Handlung, ich hatte keine Ahnung mehr, wie ich sie geplant hatte." Ehrlich gesagt, empfand ich das auch so. Für Sprache und Darstellung der Personen vergebe ich 5 Punkte. Für Aufbau und Handlung 1 Punkt - das ergibt im Schnitt 3 Punkte.
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