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Mischa Meier, der bereits mit seiner Habilitationsschrift und zahlreichen Aufsätzen als Fachmann für diese Epoche hervorgetreten ist, betont auch in diesem kleinen Büchlein völlig zu Recht die Zäsur um das Jahr 542, die die erste, antikisierende Phase der Herrschaft von der folgenden scheidet. Meier folgt bei seiner Darstellung im Wesentlichen der Chronologie (Aufstieg Justinians, erste Maßnahmen, Kriege gegen Perser, Vandalen und Goten, Rückschläge), er bemüht sich um eine Bewertung der Leistungen des Kaisers sowie um eine Hervorhebung der Besonderheiten. Ob man allerdings der "Verschwörungstheorie" des Autors folgen möchte, derzufolge Justinian den Nika-Aufstand, der seine Herrschaft bereits 532 fast beendet hätte und der zahllose Opfer forderte, bewußt provoziert und gesteuert habe, um seine Gegner auszuschalten, sei jedem Leser selbst überlassen.
Meiers Buch ist eine sehr nützliche (vielleicht in einigen Passagen etwas flüchtig erstellte) Zusammenfassung des neuesten Forschungsstandes zu dieser wichtigen Epoche, die für Althistoriker, Mediävisten und Byzantinisten gleichermaßen interessant ist - allerdings richtet es sich augenscheinlich nicht an historische Laien. Obwohl sich der Autor bemüht, auch komplizierte Sachverhalte knapp darzustellen, werden die meisten Leser etwa von der Darstellung der Religionspolitik des Kaiser einigermaßen überfordert sein. Das ist aber nicht unbedingt Meier anzulasten, denn die Zeit Justinians (und seiner berühmten Gattin Theodora) steht eben am Ende einer jahrhundertelangen Entwicklung und verlangt daher ein erhebliches Vorwissen. Jedem, der sich schon etwas länger mit dem Römischen Reich der Spätantike beschäftigt hat, ist das Büchlein hingegen zu empfehlen - nicht zuletzt wegen der knappen, aber sehr guten Bibliographie am Ende.
Nicht nur ist bei Meier der Einfluss seiner Habilitation zu spüren, sondern auch dessen Schlussfolgerungen. Das muss aber kein Nachteil sein, denn seine Habil. ("Das andere Zeitalter Justinians. Kontingenzerfahrung und Kontingenzbewältigung im 6. Jahrhundert n. Chr."), war nicht nur vom Zugang her erfrischend, sondern auch hoch informativ.
Negativ fiel auf, dass zwar Quellenzitate angeführt weden (immer in Übersetzung, was mir sehr gefiel - viel zu wenig wird bei Beck Wissen mit Zitaten gearbeitet, die sich gerade bei dem hohen Stand der antiken Historiographie doch anbieten), aber in der (teils annotierten und gut ausgewählten) Bibliographie keine Editionen genannt werden; für manchen Laien wäre dies sicherlich angenehmer gewesen. Etwas mager fällt der Blick auf den Historiker Prokopios von Caesarea aus: zwar wird auf Prokop kurz eingegangen wird, aber im Schlußteil wird dies nicht vertieft (z.B. 14f. und 112f.). Gerade die Person Prokops hätte eine genauere Beleuchtung verdient gehabt. Allerdings muss man zugestehen, dass der beschränkte Platz dafür wohl nicht ausgereicht hat.
Dennoch: mir persönlich hat diese Justinian Biographie ausgesprochen gut gefallen. Nicht nur die Voraussetzungen wurden angesprochen, sondern auch die Entwicklungsetappen in der Politik Justinians. Manche von Prof. Meiers Ansichten fand ich sehr erfrischend; vor allem fand die Strukturanalyse ist hervorragend gelungen. Meier hangelt sich nicht von Jahr zu Jahr, sondern skizziert die Ereignisse und verbringt recht viel Zeit mit der Analyse. Auch ist es sehr angenehm, dass in dieser vorzüglichen Reihe auch mal etwas tiefer gebohrt wird, was beispielsweise die Religionspolitik des Kaisers betrifft.
Zudem hat Justinian Konjunktur, was man an der Vielzahl der Publikationen jüngeren Datums ablesen kann (zuletzt: Michael Maas, The Cambridge Companion to the Age of Justinian, Cambridge 2005). Dieses kleine, fast unscheinbare Büchlein steckt voller Informationen und interessanter Ansichten. Insgesamt kann ich nur ein positives Fazit ziehen und dieses Buch, trotz weniger Kritikpunkten (so ist die These der verstärkten Katastrophenangst in der Bevölkerung, neben einigen anderen Punkten, diskussionsbedürftig), jedem empfehlen, der sich für den Ausgang der Alten Welt oder Justinian interssiert - wenn auch zweifellos die "große Justinianbiographie" immer noch fehlt (Otto Mazals probelmatisches Justinianbuch und JAS Evans Biographie - die an sich sehr gut gelungen ist - können dieses Defizit nicht beheben, ebensowenig wie Meier, was aber ja auch nicht seine Absicht war).
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