Ich schätze an den Justifier-Romanen insbesondere die Action in der Nähe zur Military-SF. Vor diesem Hintergrund konnte mich dann auch der 5. Band "Sabotage" nicht so richtig überzeugen, da gerade dieses Element mir persönlich zu kurz kam. Autorin Daniela Knor legt mit "Outcast" jedoch genau hier einen klaren Schwerpunkt, so dass ich den 6. Roman im Ergebnis spannend und unterhaltsam empfand.
Kurz zur Story: Der Frachter "Starhawk" erhält den eher ungewöhnlichen Auftrag, eine Gruppe Konzerngefangener zu transportieren. Irgendjemand spielt aber ein falsches Spiel und man gerät in eine Falle. Aus dieser Situation heraus entwickelt sich, wie auch schon in der Amazon-Kurzbeschreibung dargestellt, eine Meuterei, die letztlich mit einer Notlandung auf einem fernen Planeten endet. Dieser ist allerdings nicht unbewohnt, sondern birgt ein Geheimnis, das den Überlebenden zum Verhängnis zu werden droht. Nur am Rande sei bemerkt, dass der Amazontext irreführend ist: auf dem Planeten warten keine Justifier (die sind ja an Bord des Frachters).
Meinem Vorrezensenten kann ich mich dahingehend anschließen, dass die Erzählung sehr flüssig und unterhaltsam gestaltet ist. Von Beginn an folgt eine Actionsequenz der nächsten und lässt kaum Spielraum für ruhige Phasen. Dabei kommt es wiederholt zu Zufälligkeiten, die der Glaubwürdigkeit einen gewissen Abbruch tun. Dieser Kritik will ich mich in Teilen gerne anschließen und ziehe daher einen Stern ab; dies aber auch, weil die Charaktere insgesamt ein wenig oberflächlich bleiben. Losgelöst davon geht es aber durchgängig zur Sache, ständig wird gekämpft, immer wieder wechseln die Szenarien und Feinde und entstehen neue Bedrohungen. Mir persönlich hat das gut gefallen und lässt die "Unglaubwürdigkeiten" verschmerzen - in dieser Hinsicht habe ich schon Schlimmeres erlebt.
Was mir sehr gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass Daniela Knor sich nicht nur mit der Geschichte des Frachters und seiner Besatzung befasst, sondern auch etliche Puzzlestücke zur weiteren Entwicklung im menschlichen Sternenreich liefert. So tauchen die Collectors auf, man erfährt etwas über die Ränkespiele des 2OT usw. Daneben wirken bekannte Protagonisten aus alten Bänden mit und es wird auch Bezug auf bisherige Geschehnisse genommen. Dadurch integriert sich "Outcast" sehr harmonisch in das bisher bekannte Justifier-Universum und könnte angesichts des Endes durchaus eine Fortsetzung erfahren (nein, es handelt sich nicht um ein offenes Ende).
Im Ergebnis actiongeladene, spannende und kurzweilige Unterhaltung mit den beschriebenen leichten Schwächen. Für Fans der eher actionlastigen Ausgaben dieser Romanreihe (vgl. Band 3 und 4) eine klare Empfehlung.