Diese UK-Ausgabe der ersten Staffel der Serie hat 12 Folgen mit je ca. 40 Minuten (nur die Pilot sind 50 min). Sprache ist Englisch mit ziemlich viel Slang- und schwierigen Ausdrücken bzw. akkustisch oft schwierig zu verstehender Betonung. Englische UT sind vorhanden.
Im Mittelpunkt steht Deputy US Marshal Raylan Givens. Nachdem er auf zweifelhafte Art in Miami einen Gangster eines Drogenkartells erschießt wird er strafversetzt nach Harlan, einem Landkreis in Kentucky, wo er aufgewachsen ist und wohin er nie mehr zurück wollte. Dort bearbeitet er im Team mit seinem Boss und zwei anderen Deputies ein paar Fälle, die innerhalb einer Episode abgehandelt werden (z.B. rund um gefälschte Bilder oder einen ehemaligen Buchhalter des Kartells, der aussagen will). Wie bei einem Beispiel angedeutet, tauchen immer wieder Verbindungen zu seiner Vergangenheit in Miami auf. Parallel zu Fällen je Episode wird eine breite Storyline rund um Givens Familie und die der örtlichen Crowders erzählt. In aller Kürze: Die Crowders sind seit Jahrzehnten schwer kriminell in der Gegend aktiv; Givens Vater Arlo lebt auch hauptsächlich von illegalen Geschäften. Zwischen den Familien besteht eine Mischung aus Feindschaft und sich gegenseitiger belauernder Koexistenz. Eine entscheidende Wendung im Chrakter eines der Crowders allerdings ist eine wichtige Storyline. Und da sind noch Ava Crowder, die mit einem Crowder verheiratet war, ihn aber erschossen hat und früher in den Marshall verknallt war und dessen Ex-Frau, die inzwischen mit einem Immobilienmakler verheiratet ist. Die Familiegeschichte in ihren persönlichen und kriminiellen Verwicklungen wird im Laufe der Folgen mehr und mehr Handlungsschwerpunkt der Staffel.
Die Staffel beginnt als 'cooler Cop' Serie: Rayland trägt immer einen Cowboyhut, lächelt cool, hat flotte Sprüche, zieht schnell (manchmal etwas sehr schnell) und trifft sicher. Dabei ist er nicht aufgesetzt cool wie anderen Filmen oder Serien, sondern sehr zurückhaltend, sozusagen auf coole Weise cool. Sehr beeindruckend und von Timothy Olyphant klasse gespielt. Die Stories sind in der Kürze einer Folge schnell erzählt und es geht flott und oft handfest voran.
Mehr und mehr wird es aber eine Reise, die tief ins dunkle Herz der menschlichen, aber speziell amerikanischen Seele und Gesellschaft führt. Die Gegensätze zwischen den Akteuren brechen auf, die Handlungen spitzen sich zu, die Gewalt eskaliert und wie in einem tief-finsteren Neo-Western bleibt nur noch Vergeltung und gegenseitiges Töten als Lösung. Der Charakter ändert sich hier deutlich und die Freigabe 'ab 15' ist z.T. grenzwertig.
Sehr besonders und gut gemacht die Figurenzeichnungen, die durchweg sehr real und lebensnah wirken. Sie 'glänzen' nicht, sondern im Stil von Südstaatenfilmen sehr 'down to earth' (bedienen sich aber gleichzeitig der rhytmischen und präzisen Sprache wie man sie aus HBO-Filmen kennt - stark gemacht mit einigen überragenden Dialogen). Besonderes Merkmal, dass sie sich - v.a. die Bösen - oft erstaunlich doof verhalten, teils durch schlichte Dummheit, teils durch Stolz bedingt. Gerade das macht sie oft so real wirkend und so ergreifend.
Der Ausmaß an Gewalt ist hoch und Waffen und ihre Nutzung erscheint wie ein völlig natürlicher Teil des Alltags. Vielleicht ist es die europäische Sicht, aber mir war, als ob die Abgründe der amerikanischen Seele und Gesellschaft hier schon fast bis an die Schmerzgrenze in ihren finsternsten Anteilen vorgeführt werden, gerade durch die Selbstverständlichkeit und teilweise Belanglosigkeit mit der Gewalt und Waffen benutzt werden.
Fazit: Unbedingt sehenswert, sowohl in den anfänglichen 'cooler Cop'-Teilen als auch in den späteren elegischen, dramatischen, fast literarisch angehauchten. Ich bin mir nicht sicher, ob diese sehr eigenartige und indviduelle Mischung jedem gefällt, aber ich fand's Klasse und war vor allem gegen Ende der Staffel sehr gebannt.