Ist es Gesetz, dass aus jeder Boyband einer zu guten Musiker wird? Justin Timberlake, eben noch blondgelockte Tanzmaus in einer Retortentanzkapelle, scheint schon mit dem ersten Solo-Album ein gutes Rezept gefunden zu haben.
Grossen Annteil daran haben die Neptunes, die mit beängstigender Frequenz Top-Titel aus dem Ärmel drücken wie es sonst nur das Duo Missy/Timbaland kann.
Für Justin lassen sie ein Paar klasse Songs springen. Beats, die am Bein zerren, Samples und Hooks, die man auch nach Wochen nicht aus dem Ohr kriegt und darüber ein überraschend stimmgewaltiger Jungstar der von erotischem Flüstern bis zu extatischem Falsetto die ganze Bandbreite draufhat. Manchmal kiekst und stöhnt er sich in Ekstase, als wäre ihm Michael Jackson in die Stimmbänder gefahren.
Höhepunkte sind das melancholische "Cry me a river", dass mit seinen Human-Beatbox Passagen lustvolle alte N 'Sync Zeiten zitiert, "Senorita", eine funky Hymne an das weibliche Geschlecht, und "Let's take a ride", dass mit klasse hüftschwung daherkommt. Tatsächlich halten alle Songs das hohe Niveau, und trotz der sauberen Produktion sind genug Körpersäfte mit dabei, um dem Album Drive zu geben, der aus der Hüfte kommt und keine Angst vor Schweiß hat.
Wer dieses Album zusammen mit (dem etwas schlechteren) "Dangerously in love" von Beyonce hört bekommt eine Ahnung davon, wie zeitgemäßer erwachsener Pop klingen sollte. Und diesem Herren wünsche ich eine große Karriere, fernab aller gecasteten Pop-Konserven - und das er sich noch so manches Mal für Fotoaufnahmen auszieht.