Zunächst: Ich kann nicht beurteilen, ob man dieses Buch auf englisch lesen muss, da ich die deutsche Version nicht kenne. Ich kann aber definitiv sagen, dass die Sprache von Patti Smith wunderschön ist und es sich unbedingt lohnt dieses Buch zu lesen.
Es handelt - das werden die meisten wissen - von ihrer Freundschaft zu Robert Mapplethorpe, dem sie vor seinem Tod 1989 versprach, dieses Buch zu schreiben. Mapplethorpe ist dabei zwar ein wichtiger Teil, bleibt aber immer ein wenig unnahbar, fast wie ein Geist - eine Person, die gar nicht richtig existiert hat. Man erfährt nicht, was ihn in seiner teilweise extremen Kunst angetrieben hat, weil auch Smith selbst nicht weiß, was ihn genau antrieb.
Dafür erfährt man viel über das Innenleben von Patti Smith. Man erfährt, wieviel Hingabe, aber auch Bodenständigkeit hinter ihrem Erfolg als Musikerin, aber vor allem auch als Schriftstellerin steckt. Lebend im New York der späten 60er und frühen 70er Jahre traf sie dabei zwar so ziemlich alles, was Rang und Namen in der Literaturszene hatte, aber kaum jemand wird dabei zu mehr als nur einer Anekdote. Kein Treffen wird so sehr in den Mittelpunkt gesetzt, dass man das Gefühl hätte, Smith wollte sich über ihre Bekanntschaft mit den Großen der damaligen Zeit profilieren. Und das macht "Just Kids" so wunderschön menschlich und zu einem Buch, das man gerade auch wenn man weder eine besondere Beziehung zu Robert Mapplethorpes Kunst noch zu Patti Smith' Musik hat, unbedingt gelesen haben sollte.