Charlie Wilson ist gewiss einer der Soul Veteranen in der Musikszene. Nicht nur sein stolzes Alter von 57 Jahren ist ein Indiz dafür, sondern auch seine ewig lange musikalische Karriere als The Gap Band zusammen mit seinen Brüdern Ronnie und Robert mit einer Reihe von Erfolgen in den 70er und 80ern. Danach begab sich Mr. Wilson auf Solo-Pfade und veröffentlichte 1992 sein Debut "You turn my life around". Geschlagene 10 Jahre später schaffte es erst der Sophomore Longplayer "Bridging the gap" in die Plattenläden und nun weitere 10 Jahre später befinden wir uns im Jahre 2010 und Charlie schickte Anfang Dezember sein mittlerweile 5. Album ins Rennen.
"Just Charlie" heißt das brandneue Werk und erstreckt sich über 10 Songs, die mit einer Gesamtspieldauer von etwa 38 Minuten aufwarten. Das klingt zuerst etwas mickrig, aber die Qualität eines Albums ist ja schließlich die Hauptbwertungsgrundlage und nicht die Trackanzahl. Zudem scheint es im Moment ein Trend zu sein, immer kürzere Alben zu releasen oder gleich eine EP daraus zu machen, man nehme mal als Beispiel die aktuellen Platten von Soulja Boy, Ke$ha, Flo Rida etc.. "Just Charlie" startet mit den drei mehr als nur relaxten Nummen "My girl is a dime", "You are" und "I wanna be your man". Mustergültig arrangieren sich hier slowe, dennoch lebendige Beats mit traumhafte komponierten Melodien und lasseb Charlies Klasse mit viel Einsatz und Leidenschaft aufblitzen. "Never got enough" groovt mit seinem Midtempo Beat kräftig voran und hat auch ein paar funkige Elemente mit im Gepäck. Warmherzig und mit jeder Menge Gefühl prägt sich die prachtvolle Ballade "Once and forever" in unser Gehör ein, wobei auch das Instrumental mit gediegenen Klavier und durchzogenen Streichern einen Großteil dazu beiträgt. Dem in Nichts nach stehen auch die beiden Songs "Life of the party" sowie "Can't let go", die mit viel Harmonie und einem Charlie Wilson, der weiterhin seine Stimme ausgiebig fordert, zum weiteren verweilen und träumen einladen. "Crying for you" oder auch das wundervolle "Where would I be" wirken durch Synthes im Refrain modern, dennoch lässt sich Charlie nicht aus der Bahn bringen und liefert zwei klassische Soul Stücke der alten Schule ab und denkt keineswegs daran einen Electro-Pop-Rap/RnB Song zusammenzuschmieden, wie man ihn heutzutage an jeder Ecke hört. Für den Abschluss des Longplayers wurde der Track "Lotto" platziert. Auch hier spielen Synthesizer im Geschehen mit, werden aber wie schon bei den zuvorigen Songs clever mehr im Hintergrund gehalten. Der pompöse Beat verleiht dem ganzen Song noch den letzten Schliff, sodass ein grandioser Slow Jam entsteht, dessen I-Tüpfelchen ein energisch auftrumpfender Charlie Wilson ist.
Charlie Wilson braucht sich mit seinem neuen ALbum "Just Charlie" keineswegs zu verstecken. Der Gute ist seiner Linie treu geblieben und knüpft gnadenlos dort an wo er mit den beiden Vorgängern "Charlie last name Wilson" und "Uncle Charlie" aufgehört hat (die beiden ersten Alben habe ich leider bisher nie gehört). Das ist einfach ehrlicher Soul, Musik der Extraklasse, die sich wohl perfekt eignet um bei diesen eisigen Temperaturen einen lauschigen Abend mit seiner Liebsten/seinem Liebsten auf der Couch zu verbringen, ein Glas Wein zu trinken und die lodernden Flammen im Kamin zu beobachten. Wer auf Leute wie John Legend, Raheem DeVaughn, Keith Sweat & Co. steht dürfte hier an der richtigen Adresse sein und das guter alter Soul durchaus erfolgreich/charttauglich sein kann haben uns wohl spätestens Cee-Lo mit "F*** You" oder Aloe Blacc mit "I need a Dollar" bewiesen.
PeacE