Dieses Buch enthält insgesamt sieben Kapitel, die dem Laien die Denkweise und das Rechtsempfinden des Jursiten näher bringen sollen. Im einzelnen sind dies:
1. Die Perle in der Auster: Die eingeladene Begleiterin findet beim Muschelnessen eine Perle in der Auster. Wem gehört sie - dem Mann, der Begleiterin, oder vielleicht doch eher dem Restaurantbesitzer? (Zivilrecht)
2. Die Schnecke im Salat: Umgekehrtes Szenario: Diesmal vermiest eine Schnecke im Salat das Essen und damit auch potenziell die weitere Abendplanung. Muss das Menü dennoch bezahlt werden? (Zivilrecht)
3. Wer einen anderen in die Wüste schickt: Hier gehts um Mord, genauer gesagt um zwei Männer, die einen dritten (jeweils unabhängig voneinander) töten wollen. Wie ist die Schuld jedes Einzelnen dabei zu bewerten? (Strafrecht)
4. Der Rose-Rosahl-Fall: Ein "Auftragskiller" (sofern man ihn so nennen mag) erschießt aus Versehen den Falschen - einen unschuldigen Studenten. Welche Strafe erwartet ihn und seinen Auftraggeber? (Strafrecht)
5. Die Früchte des vergifteten Baumes: Ein Fall in den USA lässt sich nur lösen, weil wichtige Informationen von einem Verdächtigen unter nicht ganz einwandfreien Methoden "herausgequetscht" wurden. Welche dieser Informationen lassen sich noch wie verwerten? (Strafprozessrecht)
6. Wem die Stunde schlägt: In kleinen Dörfern schlagen Kirchglocken schonmal laut - einigen Anwohnern ZU laut. Können sie sich juristisch dagegen wehren? (Öffentliches Recht)
7. Onassis' Walfänger und die Zweihundert-Meilen-Zone: Der komplizierteste Fall: Wem gehören die Meere vor den Küsten der jeweiligen Länder, und wie und wo können sie ihr Recht (oder zumindest das, was sie dafür halten) durchsetzen? (Völkerrecht)
Allen sieben Lektionen ist gemein, dass sie eine hoch interessante Thematik (die oft genug ja auch Konsequenzen für unseren Alltag haben kann) sehr unterhaltsam präsentiert. Wer jedoch denkt, dass er das Buch einfach so - nebenbei in der Bahn oder in der Hängematte - runterlesen kann, der irrt.
Grund dafür ist, dass Fahl, um uns das sehr abstrakte (oft genug geradezu weltfremd erscheinende) Denken der Juristen näherzubringen, sehr weit in Paragraphen und z. T. hundertjährige Gesetzbücher, Fachzeitschriften und Überlegungen aushohlen muss. Es wird nicht einfach die Lösung des jeweiligen Falls präsentiert, sondern zu ersteinmal argumentiert, warum verschiedene Denkweisen möglich wären und im Laufe der Jahrzehnte auch immer wieder befürwortet worden sind. Das ist zwar immer interessant und fundiert, führt aber zuweilen in so großen Kreisen um das eigentliche Thema herum, dass man manchmal gar nicht mehr weiß, wo man grade steht oder wieso das grade für den Fall wichtig ist. Zugute kommt Fahl jedoch immer sein hervorragender Schreibstil.
So fühlt man sich am Ende des Buches in der Tat schlauer, vielleicht nicht, weil man nun unser gesamtes Rechtssystem auf einen Schlag versteht, aber zumindest doch da, wo man nun eine Ahnung von der Denk- und Arbeitsweise von Juristen hat.