Es ist schon die ENA 9 auf dem Markt, aber die Gebrauchsanweisung der ENA 7 ist noch immer lausig. Ich gebe gern einige Beispiele:
1. Ein Geblöffe über die Funktion Aroma Boost, aber kein Wort in der Beschreibung der Funktion, wie die Produkteauswahl geschehen soll. Sie wird vorausgesetzt, aber wann und wie sie eingestellt wird, bleibt unerwähnt. Gesagt wird, dass es für beide Produkte, Espresso und langen Kaffee funktioniere, aber wie man zu den einzelnen Produkten im Zusammenhang mit der Funktion Aroma Boost kommt, bleibt ein Rätsel.
Es fehlt an basaler Logik: Wenn unten im Text von der voreingestellten Wassermenge geschrieben wird, dann fragt der Logiker nach dem Weg zu dieser voreingestellten Wassermenge. Ein Jurist würde sagen, dass hinten verwendete Begriffe vorne definiert werden müssen. Die Autoren dieser Schreibe haben davon noch nie etwas gehört, denn sonst unterliefen ihnen solche Fehlgriffe nicht.
Durch nachfragen beim Kundendienst ist die Frage geklärt. Eine taugliche Bedienungsanleitung erlaubte es, die Besatzung des Kundendienstes zu halbieren. Bei Jura indessen scheint man das anders zu sehen.
2. In der Beschreibung des Energiesparmodus wird geschrieben, die Maschine schalte nach fünf Minuten auf Spartemperatur und dann zeige der Display Sparmodus. Die Wahrheit ist, dass nach fünf Minuten nur der unsichtbare Prozess beginnt. Das interessiert kein Schwein! Die Anzeige des Sparmodus erscheint erst, wenn die Machinentemperatur unten ist und das dauert bis an die 30 Minuten. Dazu steht in der Gebrauchsanweisung kein Wort.
3. In der Beschreibung des Energiesparmodus heisst es am Schluss, das Gerät heize vor Kaffee- und Heisswasserbezug auf. Das ist doppeldeutig: Es kann heissen, dass die Espressotaste gedrückt wird und ein Espresso produziert wird, wenn das Gerät aufgeheizt ist. Es kann aber auch heissen, dass man das Aufheizen mit dem Drücken dieser Taste in Gang setzt und dann diese Taste nochmals betätigen muss, wenn das Gerät bereit ist und sich zeigt (Display) und dass erst dann ein Espresso produziert wird. Das Erste wäre eine elegante Lösung, das Zweite trifft zu. Ein präzisere Formulierung könnte die Doppeldeutigkeit eliminieren.
4. Beim Energiesparmodus wird kein Wort darüber verloren, wie lange der Aufheizprozess aus dem Sparmodus dauert. Er dauert nicht lang, aber es kann ein Kriterium sein in der Meinungsbildung darüber, ob der Energiesparmodus aktiviert wird oder nicht und insofern wäre es gut, man dazu etwas wüsste, mit Vorzug etwas Genaues.
5. Im Stichwort zum Mahlwerk wird einem nicht einmal klar, was hinten und was vorne ist. Man findet nicht heraus, wann der Mahlgrad höher und das Pulver demzufolge feiner ist. Oder ist es anders? Es ist nicht deutlich, was mehr und was weniger bedeutet, wie was eingestellt wird und was es bedeutet. Es ist geschrieben, als ob die grundlegendsten Fragen gar nie gestellt wurden. Auch die Piktogramme am Gerät selber sind nicht eindeutig interpretierbar. Kein Wort wird dazu gesagt, ob und und wie sich der Mahlgrad auf den Geschmack auswirkt.
Man merkt: Wo immer man zu lesen beginnt zeigt sich, dass es bei den Autoren keine klaren Köpfe gegeben hat.
Dabei habe ich nur die Teile der Gebrauchsanweisung gelesen, die mich interessierten - die ganze Milchseite z.B. nicht. Es kann angenommen werden, dass auch in den anderen Teilen Fehler und Lücken auftauchen würden.
Die schwache Gebrauchsanweisung ist vom TUEV Süd geprüft und für Verständlichkeit, Vollständigkeit und Sicherheit ausgezeichnet. Dieses Siegel ist offenbar käuflich, denn gelesen hat beim TUEV niemand, zumindest nicht sorgfältig, sonst wären diese manifesten Lücken, Fehler und logischen Brüche aufgefallen. Mindestens zwei der drei Kriterien werden verfehlt: Verständlichkeit und Vollständigkeit. Wenn ich die Firma Jura wäre, würde ich die Gebrauchsanweisung von den Primarschülern in Niederbuchsiten überprüfen lassen, statt von den Analphabeten beim TUEV.
Entgegen der bruchstückhaften und stümperischen Bedienungsanleitung ist die Maschine einwandfrei. Sie macht guten, heissen Kaffee mit schöner Crema, die einstellbaren Variablen taugen, die programmierbaren Standardeinstellungen funktionieren, die Prozesse sind durchdacht und clever, die Fertigungsqualität ist einwandfrei. Es ein gutes und schönes Teil, dass der produzierenden Firma alle Ehre macht.
Ergo: Maschine gut, Gebrauchsanweisung schlecht. Es ist zwar besser so als umgekehrt, aber zwei Gut wären noch besser!