Ted Simon ist in den 1970er-Jahren mit dem Motorrad um die Welt gefahren. Über diese Reise hat er mit "Jupiters Fahrt" den absoluten Klassiker der Motorradreiseliteratur geschrieben (den ich aber noch nicht gelesen habe). Mit über 70 umrundet er knapp 30 Jahre später die Welt erneut. Von dieser zweiten Weltumrundung erzählt TS in "Jupiters Träume".
TS ist Journalist und als solcher kann er schreiben und erzählen. Dies tut er in der wortreichen, etwas altmodischen Sprache eines gebildeten älteren Herren, aber gut, er ist ein gebildeter älterer Herr. Ich denke, dass TS im englischen Original ausgiebig mit der Eigenschaft des Englischen spielt, dass es für alles mehrere Wörter gibt und hier hat der Dumont Verlag nur mittelmäßige Arbeit geleistet. Beim Versuch nahe an der Sprache von TS zu bleiben ist man deutlich übers Ziel hinaus geschossen und hat den Text so mit antiquierten, exotischen oder aus sonstigen Gründen ungebräuchlichen Begriffen und Redewendungen vollgestopft, dass der Lesefluss darunter leidet und der Text an einigen Stellen sogar ins unverständliche abdriftet. Ein paar Beispiele? Dass der Wochentag mal mit Sonnabend und mal mit Samstag übersetzt wird betrachte ich noch als (unnötiges) Stilmittel. Wenn, übrigens nur in den Kapiteln über Nordafrika, von "zu ebener Erde" bzw. von "Gebäuden zu ebener Erde" zu lesen ist, wird es schon schwieriger (im Erdgeschoss bzw. eingeschossige Gebäude) aber wenn dann in einem Absatz über Thailand mehrmals von "Firnis" zu lesen ist, war es für mich Zeit den Duden zu befragen (und ich bin mit noch immer nicht sicher, ob ich wirklich verstanden habe, was TS eigentlich sagen wollte). Ich behaupte mal, dass wer die Bedeutung des Begriffs kennte entweder Germanist, Historiker oder Hobbymaler ist. Für mich unverständlich sind die Probleme beim Übersetzen von Motorrad spezifischen und technischen Begriffen.
"Das schlimmste am Alter ist nicht der körperliche Verfall, sondern dass man sich an die Veränderungen der Welt nicht mehr anpassen will oder kann und einem die Welt dadurch immer fremder wird". Ich weiß nicht mehr wo ich diesen Satz aufgeschnappt habe, aber er ist mir beim Lesen von Jupiters Träume immer wieder in den Sinn gekommen.
Große Teile des Buches sind nach dem Muster gestrickt: Damals erlebet ich in X....ich bin mal gespannt was mich erwartet.....leider wurde ich enttäuscht, weil das vor 30 Jahren erlebte nicht mehr reproduzierbar war, weil die Menschen gestorben, weggezogen oder einfach nicht mehr auffindbar waren, aus kleinen Wegen breite, geteerte Straßen wurden oder aus Dörfern Städte. Eigentlich ist nichts mehr so wie es war. TS selbst ist älter geworden. Aus dem namenlosen Vagabunden ist eine kleine Berühmtheit mit (Email-)Bekanntschaften und Beziehungen auf der ganzen Welt geworden. Aus einer Fahrt ins Blaue ist eine Reise mit vielen Verpflichtungen und Terminen geworden. Sponsoren wollen befriedigt werden, ein Film über die Reise wird gedreht, PR-Termine und Veranstaltungen dürfen nicht verpasst werden und schließlich musste auch noch der weltweite Bekanntenkreis gepflegt werden. Die Veränderungen der wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Verhältnisse sind dann schon fast Nebensache. Natürlich bemerkt TS diese Veränderungen und er dokumentiert sie, aber es fällt ihm offensichtlich schwer sie einzuordnen oder zu verstehen und immer wieder kommt zwischen den Zeilen ein "früher war alles besser" durch. Am Ende seiner Reise kann TS den Veränderungen der Welt immer noch wenig positives abgewinnen, aber er schafft es mit sich selbst Frieden zu schließen. Ob dies wirklich ehrlich ist, oder mehr um dem Buch ein versöhnliches Ende zu geben, will ich nicht beurteilen.
Fazit: In meinen Augen mehr ein Buch über das Älter werden und darüber, dass nichts so bleibt wie es war/ist als klassische Reiseliteratur. Durch die Wiederholung des Muster, damals habe ich erlebt...bin mal gespannt...leider wieder nichts, für mich schon fast monoton. In meinen Augen wäre es mit 150 Seiten weniger besser. Ein Buch, dass man lesen kann aber keines dass man lesen muss. Dafür 3 Punkte.