und um dies zu entdecken steigt man in Ryan Binghams Schrottflieger, dem - JUNKYSTAR - , überquert die deserts und plains des Lone Star States in Richtung Rio Grande , rüber nach New Mexico , das seiner Bedeutung als Tierra
de Encanto ( bezauberndes Land ) nun noch mehr gerecht wird, denn hier wurde das Ausnahmetalent Ryan Bingham geboren. Dessen Goldmine gilt es nun anzusteuern, um die nuggets zu bergen, die hier
in 13 glänzenden Stücken zu finden sind...
Von Anfang an verglichen mit Bob Dylan, Tom Waits, Townes Van Zandt, Steve Earle und auch mit Bruce Springsteen,
hat er sich aber sein eigenes hohes Niveau geschaffen, in dem er in faszinierender Art und Weise das style-crossing
von Folk, Country, Blues und Indie in einem ganz individuellen terrain verarbeitet hat.
Und ich muss es nochmals erwähnen, bzw lobpreisen , DIESE Stimme, die eher an die eines son of a preacherman
denken lässt, als an einen Sprössling von Ranchern und Rodeocowboys... Wie üppiger aufgerauhter Cordsamt mit
Nägeln gespickt , eine Offenbarung !
Nachdem ich das Glück hatte, ihn live zu sehen, bin ich noch mehr devoted - der sehr attraktive Kerl mit
halblanger Mähne, Bart und Cowboy-Outfit ( irgendwie so ein Typ wie bei James F. Cooper ) hat bei
seiner groovigen Darbietung sogar mir altem chick den Schweiss auf die Stirn und den Schwammerl in die Knie
getrieben. Mit seinen Dead Horses ( ich hab noch nie untotere rassigere Vollbluthengste gesehen und gehört ),
hat er einen Abend nachhaltigst verzaubert, an dem danach an Schlaf nicht zu denken war, so hat mich das
aufgewühlt.
Auch diese Scheibe wühlt gehörig dust and blood auf, mit songs wie der subtile opener - POET -, bei dem die Mundharmonika das Fern- und Herzweh hervorruft, sumpfig-schwerer Blues bei - STRANGE FEELIN IN THE AIR -,
Titelsong - JUNKY STAR - very dylanesk - ( I leave the troubles all behind ), - DEPRESSION - lässt sehr
an Bruce Springsteen denken, - YESTERDAYS BLUES - zärtlicher Lagerfeuer-track, dasitzen und lauschen, die Sterne
betrachten und sich gehen lassen..., flotter Saloon-drive bei - DIRECTION OF THE WIND -,und home-sound für
tramps and hobos kommt mit - LAY MY HEAD ON THE TRAIL - und - HARD WORN TRAIL -...
Alle Teile hier ( auch die nicht erwähnten ) beflügeln die Phantasie nach echten Menschen, die auf einem
Viehtreiber-treck ihr Bestes geben, die auf der Suche nach Hoffnung, Glück oder einfach nur einem guten Job
sind...
Glück ( sehr verdientes) hat Ryan Bingham im teamwork mit T-Bone Burnett auch bei dem letzten Stück dieses
wunderbaren Albums gehabt : - THE WEARY KIND - hat auch das Herz des -golden boy- zum schmelzen gebracht,
dieser wurde ihnen für den besten Filmsong bei den Academy Awards verliehen.
Jeff Bridges hat den Oscar für die beste Hauptrolle bekommen, ebenfalls sehr verdient, denn er hat in dem
road-Drama - CRAZY HEART - eine hautnahe Charakterisierung hingelegt...
( also noch kurz zu dem Film, in dem übrigens Ryan Bingham eine eigene kleine Szene hat ):
Bad Blake (Jeff Bridges), Ende 50, ist ein Countrysänger, der seine ehemaligen Glanzzeiten lang hinter sich hat,
tingelt von einem drittklassigen gig zum nächsten, die grosse Bühne muss er dem jungen und publikumswirksameren
Tommy Sweet (Colin Farrell), dessen Mentor und Songwriter er war, überlassen.
Seine Auftritte in heruntergekommenen Kneipen und Bowlingbahnen , in denen er sich total betrunken kaum auf den Beinen halten kann, verpatzt er aber auch noch...
Bad Blake meint, seine Depressionen über ein versäumtes solides Leben wegradieren zu können, in dem er säuft wie ein Loch und qualmt wie ein Schlot. Für seine Engagements in Texas und Arizonas Provinznestern bekommt er ne
Handvoll Dollars, die grade so für die nächste Tankfüllung und oft nicht mal für eine Pulle Schnaps reicht...
Seine Unterkünfte sind bessere Kakerlakenbuden in denen er seinen Rausch auspennt und in die er ab und zu mal
eine verblühte Provinzschönheit abschleppt...
So hangelt er sich von einem -highlight- zum nächsten, bis er auf eine Reporterin (Maggie Gyllenhaal) trifft,
die für ein Lokalblatt schreibt und ihn zu einem Interview bewegen kann.
Jean ist berührt von seinem Leben als Musiker, lockt ihn aus der Reserve und gräbt mit Subtilität eine Seite
aus ihm heraus, die ihn in einem anderen Licht zeigt.
Bad Blake verliebt sich ernsthaft in die junge alleinerziehende Mutter eines vierjährigen Jungens und klammert
sich an die Chance auf ein Familienleben.
Trotzdem kann er nicht anders als weitersaufen; auch ein Autounfall und die warnenden Worte eines Arztes, dass
er sich am Rande eines Herzinfarktes bewegt, schrecken ihn nicht ab.
Erst als es zu einem Zwischenfall mit dem kleinen Buddy und einem folgenden abgrundtiefen Alkoholexzess kommt,
beginnt Bad Blake zu kämpfen, zieht einen Entzug durch , bleibt trocken und baut seine Karriere step by step
wieder auf, schreibt neue songs...
Jeff Bridges kommt als abgefuckter Typ so authentisch rüber, dass man selbst den gammligen Geschmack nach Alk und zuviel Kippen im Mund hat, die Müdigkeit und das burnout unter die eigene Haut kriecht.
Die nachdenklich machende story liess mich ziemlich schlucken und ich werde nicht
die Einzige sein, die ganz schön heulen musste...
Nach dem Thema noch ein paar Fakten: Jeff Bridges hat die songs in seinen Auftritten alle ( sehr respektierlich)
selbst gesungen, ebenfalls Colin Farrell, die Handlung liegt dem Roman von Thomas Cobb zugrunde, der die Lebens-
geschichte von Countrysänger Hank Thompson niedergeschrieben hat.
Der soundtrack kann sich sehen lassen , hier offeriert man u. a. songs von Buck Owens, Townes Van Zandt und Waylon
Jennings und natürlich von Ryan Bingham - THE WEARY KIND -...
Am Ende des Films heisst es - ist doch n Wahnsinns-song , und ja, verdammt noch mal, das ist er in der Tat :
Your heart s on the loose
You rolled them seven s with nothin else
And this ain t no place for the weary kind
You called all your shots
Shootin eight ball at the corner truck stop
Somehow this don t feel like home anymore
And this ain t no place for the weary kind
And this ain t no place to lose your mind
And this ain t no place to fall behind
Pick up your CRAZY HEART and give it one more try
Your body aches
Playin your guitar and sweatin out the hate
The days and the nights - all feel the same
Whiskey has been a thorn in your side
and it doesn t forget
the highway that calls for your heart inside
And this ain t no place for the weary kind
And this ain t no place to lose your mind
And this ain t no place to fall behind
Pick up your crazy heart and give it one more try
Your lovers won t kiss
It s too damn far from your fingertips
You are the man that ruined her world
Your heart s on the loose
You rolled them seven s with nothin lose
And this ain t no place for the weary kind...
GRACIAS, Ryan Bingam - the really kind...