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Vorweg was zur Entwirrung und zum Unterschied der beiden Versionen:
- Die limitierte hat ein Heftchen, das eigentlich eine Girlande ist (also nicht geheftet) und mehr Seiten hat, Bilder und Songinfos erhalten jeweils eigene Seiten, bei der anderen Version ist das in Heftform mit weniger Seiten und die Songinfos sind auf drei Seiten zusammengerückt. Also quantitativ alles da.
- Bestellnummern unterscheiden sich (die limitierte endet auf -5, die andere auf -1)
- Die Cover sind sonst identisch und jeweils im Jewelcase
- Die CD stammen offensichtlich aus verschiedenen Presswerken sind aber sehr gleich bedruckt
- Zu Empfehlen ist (auch) die Doppelvinyl, die klingt sehr gut und dazu gibts eine Downloadlizenz für das Album in 320er mp3 Qualität. Erstaunlich ist, dass die Stücke hier anders angeordnet sind, z.B. geht es gleich mit 'Röyksopp Forever' los.
Nun zum Inhalt:
Mit kurzem heiteren Lachen lüften Svein Berge und Torbjørn Brundtland nun endlich den Schleier über 'Junior'. Schon seit einiger Zeit hatten sie erst eine neue Homepage angekündigt, dann dort das Erscheinen eines neuen Albums, Mitte Dezember schenkten sie sich den Song 'Happy Birthday' zum selbigen und boten ihn auch zum freien Download an. Die Spannung trieben sie also mächtig in die Höhe, obwohl dieser Song auf dem Album nun gar nicht vertreten ist. Offengestanden ist das aber auch nicht schade. Zwar entstammt er unverkennbar ihrer Handschrift, ist aber doch eher von der Qualität einer Fingerübung, vielleicht Ballast, den sie abwarfen um jetzt richtig Gas zu geben. Oder wollten sie absichtlich die Gerüchteküche schüren, dass ihnen vielleicht nichts vernünftiges mehr einfällt, denn der Song, der stoisch ein "Happy Birthday" an das andere hängt, nervte doch eher recht schnell, und die Begeisterung über einen Vorgeschmack ließ so schnell nach wie sie gekommen war.
Nun, und was für Songs sie noch schreiben können. 'Happy Up Here' grooved gleich gut los und lässt bereits im ersten Takt keinen Zweifel darüber, aus welchem Stall diese Rassezüchtung stammt. Sofort werden Erinnerungen an 'Eple' wach, die jedoch in Wahrheit weder auf einer ähnlichen Melodie noch Liedstruktur beruhen. Der Erinnerungsffekt wird durch geschicktes Zitieren des eigenen Sounds aus der Leitmelodie von Eple erzielt. Genaugenommen variiert der Synthiesound im vierten Ton und nur bei diesem, zu eben jenem Sound. Ausgebuffter kann man so einen Wiedererkennungsanker kaum setzen. Die 2.43 min kurze und bündige Eröffnung ist klanglich komplex und doch leichtfüßig und wirkt aufgrund der Synthiehaften Stimmen eher wie ein Instrumentalstück.
Mit 'The Girl and the Robot' geht es in flotter treibender Discomanier weiter und der erste Eindruck klingt etwas nach Kylie, was an sich nicht verkehrt sein muss, nur hier etwas überrascht. Auf das zweite Hinhören wächst jedoch nicht nur der Song, sondern auch die sehr jugendliche Stimme von Robyn, die ja nun auch schon nicht mehr ganz so ein junger Haase ist.
'Vision One' ist zunächst eine gute Weile sehr harmlos, beginnt dann jedoch mit sehr sattem und melodischem Quietschen und Knarzen einen ziemlichen Sog zu erzeugen. Die feine zurückhaltende Stimme von Anneli Drecker bildet dazu einen ziemlich perfekten Kontrast.
Mit einem Satz und einem enorm treibendem Rhythmus schnellt 'This must be it' und damit ordentlich Schwung in die Bude. Dazu singt Karin Dreijer-Andersson, die "zum auffressendste" Stimme der Welt, die uns auf dem letzten Album bereits mit dem umwerfenden 'What Else Is There?' beglückte. Im Refrain ist ihre Stimme in bester Bee Gees-Discomanier leicht entrückt, aber geschmeidig zum Chor gemischt.
'Röyksopp Forever' titelt sich das instrumentale Akustikdenkmal, das sich die beiden dann in aller Bescheidenheit zu 'Röyksopp's night out' und 'Alpha Male' von den beiden vorigen Alben setzen. Kopfkino mit einer Dramaturgie irgendwo zwischen epischem Mythos und Heldensage, zur konkreten Ausfärbung der dazugehörenden Bilder des jeweiligen Hörers überlassen.
In 'Miss it so much' ist Lykke Li mit ihrer zauberhaften und gleichzeitig selbstbewussten Stimme im wunderbaren Einklang mit den weitschweifigen Harmonien und treibenden Beats.
Karin Dreijer-Andersson wird daraufhin in 'Tricky Tricky' noch einmal fast zornig und dirigiert akkurat die beatlastige aber melodiöse Nummer mit ihren saugenden Acidlinien und sirenenhaften Synthiesounds. Eine Clubnummer, die zu Hause wohl noch besser funktioniert, da sie für den Club vermutlich etwas zu komplex sein dürfte.
Mit 'You don't have a clue', das etwas an den 80er Jahre Kate Bush Sound erinnert, wird es langsam zarter, fast schmachtend, hier ist wieder Anneli Drecker eine phantastische Besetzung.
Weiterhin bedächtig und verträumt ist 'Silver Cruiser', ein weiteres Instrumentalstück wie man es von Röyksopp kennt und auch erwartet.
Obwohl 'True to Life' von einem eher treibenden Rhythmus getragen wird, schaffen es die sehr dichten komplexen Klanggewebe diesen so zu umgeben, dass die Stimmung im Kontext zum Vorigen Stück bleibt. Der zarte flächige Gesang begleitet es zu seinem fast epischen Ende.
Zum Abschluss mit 'It's what I want' geben sich die Herren schließlich, bei musikalisch eher einfacherer Begleitung, selbst die Ehre, und raunen, dass sie es gerne unkompliziert haben. Mit der Aussage bleiben sie dann auch konsequent und knapp unter drei Minuten. Da das dann allerdings doch etwas plötzlich und unvermittelt geschieht, entsteht sofort der Impuls gleich noch einmal auf Start zu drücken.
Das ist wirklich gekonnt, eine so großartige Dramaturgie und einen so tollen Spannungsbogen hinzubekommen, der sich nicht nur selbst genügt, sondern im letzten Moment den Werks auch einen Stups gibt, der in eine Endlosschleife mündet.
Mit 'Junior' pendeln sich die beiden augenscheinlich auf einen vierjährigen Zyklus ein. Das ist schade, vielleicht aber auch nicht, denn es gibt genügend Künstler die sich zu schnell ausbrennen. Bisher haben sich Röyksopp mit jedem Album weiterentwickelt. Der Zweitling wurde von vielen als unausgegoren erachtet, was aber wenigstens als Indiz für Potential anzusehen ist, wenn nicht sogar für überbordende Ideen, die nur schwierig auf einem Album unterzubringen waren. Nun, wenn das so war, dann haben sie jetzt eine schöne ausgegorene Spätlese serviert.
Ein Album das viele Stilmittel vereint, aber nicht adaptiert, sondern sie weiterentwickelt. Ein weitgehend elektronisches Album, das irgendwie nicht so elektronisch wirkt wie andere, sondern durch und durch logisch und organisch klingt. Damit stellt es schon so etwas wie einen Vergleichsmaßstab dar.
Wenn sie beim letzten Titel formulieren "feat. Svein & Torbjorn as themselves" machen sie klar, dass das Ganze als Soundtrack zu verstehen ist. Ein Soundtrack zu einem Film wie ihn sich jeder vermutlich etwas anders ausmalt. Aber eins kann ich versprechen, er wird mit jedem Mal anhören besser. Schön laut und satt übrigens, die Musik mag das, verlangt das förmlich. Insbesondere sind die Jungs auch Live eine echte Offenbarung.