Zunächst einmal zum äußeren: teilweise ist bei dieser Ausgabe der Druck nicht ganz sauber, so dass es manchmal schwerfällt, ein ! von einem l zu unterscheiden... nichts also für Menschen mit schlechten Augen. Zum Inhalt: die Geschichten spielen größtenteils in Indien, wo Kipling auch selbst lange Zeit gelebt hat. Man bekommt einen recht guten Eindruck des Kolonialindien; dabei wäre vielleicht anzumerken, daß Kipling eher aus der Perspektive des Einheimischen als der des Briten schreibt. Und weil jeder bei Dschungelbuch an Mowgli denkt, sollte ich jetzt wohl auch etwas dazu sagen: mich hat überrascht, daß im ersten Buch gerade einmal 3 Geschichten von Mowgli handeln, im zweiten kehrt sich das Verhältnis um. Und wenn man nun denkt, daß man nach dem gleichnamigen Zeichentrickfilm das Buch gut seinen Kindern zum lesen geben kann, dann sollte man sich die Geschichten vielleicht vorher nochmal selbst durchlesen. In vielen davon wird sehr viel Gewalt beschrieben (das kann man nun Natur nennen oder nicht... immerhin sind die Tiere personifiziert!) und auch als ganz natürlich akzeptiert. Vielleicht spielt hier eine späte Begeisterung für den Landsmann Darwin mit? Auch sonst stellt sich mir die Frage, für wen das Buch geschrieben ist: sprachlich ist es für Kinder und Jugendliche weitaus zu schwer, inhaltlich für Erwachsene zu "fadenscheinig", man kann fast immer schon im vornherein sagen, was geschehen wird. Trotzdem sind etliche sehr schöne Geschichten dabei, in meinen Augen ein echtes Juwel: "The King's Ankus", in der das Streben zu Geld und Gold kritisiert wird.