Plots sind bei Thomas Meinecke Nebensache. Auch sein neues Buch läuft zwar offiziell als Roman, doch eigentlich hat der Popkulturkenner, Musiker und DJ für "Jungfrau" mindestens 50 hochkomplexe Essays ineinander gedreht. Meineckes Protagonisten studieren, zitieren, diskutieren zwischen Gendertheorie, Sprachwissenschaft, Camp und unnützem Wissen. Da ist die Studentin Jeannine Waterstradt und ihr Interesse für die B-Movie-Ikone Maria Montez und deren Wiedergänger, den im Warhol-Umfeld verhafteten Mario Montez. Vor allem aber ist da ihr Exfreund und jetzt bester Freund Lothar Lothar, der von den Theaterwissenschaften zur katholischen Theologie konvertiert ist. Weil er sich selbst sexuelle Enthaltsamkeit vorgenommen hat, erforscht Lothar das gemeinsame Werk des Theologen Hans Urs von Balthasar und der Ärztin und Mystikerin Adrienne von Speyr. Doch seine Enthaltsamkeit wird auf eine harte Probe gestellt, als er die schöne Jazzpianistin Mary Lou kennen lernt. Auch wenn der durchschnittliche Leser höchstens die Hälfte von Meineckes hochintelligenten bis korinthenkackerigen Anspielungen versteht, spannend ist es allemal, wie er die abseitigsten Themen in popkulturelle Diskussionen überführt. Und selbst der vernachlässigte Plot funktioniert: Ob am Ende doch was zwischen Lothar und Mary Lou geht? (cs)
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Gebundene Ausgabe
.
Pressestimmen
Mit
Jungfrau hat Meinecke, überzeugender noch als in früheren Büchern, einen popkulturellen Arbeitsraum aufgemacht, in dem man sich mit sinnlichem Vergnügen und intellektuellem Gewinn tummelt. aber was heißt hier »popkulturell«? Abelaerd und Héloise, Benedikt XVI., Jutta Hipp und Paul Claudel? Der Sache nach wäre es schwer, diese Phänomene einfach unter pop zu buchen. Pop ist aber, was Meineckes Methode - nicht zu ihrem Nachteil - aus ihnen macht.«
(Christoph Bartmann
Süddeutsche Zeitung )
»Mary Lou und Lothar also heißen sie diesmal, die Protagonisten von Thomas Meineckes neuem Roman, die mit ihren prickelnden Erlebnissen, vor allem aber mit ihren Lektüren und Diskussionen den wie immer bei Meinecke recht dürftigen narrativen Rahmen abstecken für den ganz großen Rest seines Textes - Gefundenes, Transkribiertes, Paraphrasiertes, Zitiertes, Resümiertes, Abgeschriebenes. Diese Art bombastischer Materialsammlung zeichnet Meineckes literarische Produktion seit
Tomboy (1998) aus und erreicht mit
Jungfrau jetzt einen neuen Gipfel an Mannigfaltigkeit - und reizvoller Unzugänglichkeit. ... Was Meinecke da alles findet, welche im schönsten kulturwissenschaftlichen Sinne verblüffenden Querverweise und Zusammenhänge er herstellt, und welche Begeisterung er über den Möglichkeitsraum dessen, was Menschen so tun und lassen können, vermittelt, das macht ganz einfach wieder Spaß.«
(Kirsten Riesselmann
Spex )
»Jungfrau ist die gelungene Fortführung einer literarischen Praxis, die nicht nur ein Lesevergnügen sondern auch - oder auch: vor allem - ein Feuerwerk geistreicher Ideen und unkonventieoneller Verknüpfungen ist.«
(Thomas Ballhausen
Bücherschau )
»Meinecke hat ein spannendes ... und kluges Buch über Religion, Identität, Sex und Keuschheit geschrieben.«
(Ingo Reuter
Praktische Theologie )