Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
In vielen Punkten zu gewollt naiv, 9. September 2009
Ich bin nach der Lektüre dieses Buches hin und her gerissen. Ich fand, dass der eigentlich wichtige Teil erst zu spät eingesetzt hat. Die Freundschaft mit Schmuel begann ja erst zur Mitte des Buches hin und bis zu diesem Zeitpunkt tat sich eigentlich nicht sehr viel in der Geschichte. Brunos grenzenlose Naivität fand ich unglaubwürdig. Ich denke, dass ein 9-jähriges Kind deutlich besser über sein Umfeld Bescheid weiß als man es Bruno hier attestiert. Dass er nicht in der Lage war, die Wörter Auschwitz und Führer richtig auszusprechen und es selbst nach mehreren Korrekturen seitens seiner Schwester oder anderen Personen nicht auf die Reihe bekommen hat, fand ich überzogen.
Dieses Bild wird für mich noch unglaubwürdiger, wenn ich an die Erzählungen meines Vaters denke, der Jahrgang 1932 ist und damit zur Zeit, in der dieses Buch spielt, zwei Jahre älter als Bruno. Kein Kind war zu dieser Zeit so blauäugig wie Bruno, jedes Kind kannte den Unterschied zwischen Juden und "der Gegenseite", wie es hier im Buch ausgedrückt wird. Rassenkunde war Bestandteil des Schulunterrichtes. Des Weiteren fällt es mir schwer mir vorzustellen, dass Bruno nicht erkennt, dass er ein hungerndes Kind vor sich hat und sich statt dessen fragt, warum Schmuel so grau und so dünn aussieht.
An der Art des Erzählens haben mich die ständigen Auslassungen geärgert. Als hätte der Autor Angst gehabt, die "bösen" Wörter zu nennen. Ich denke, dass man auch Kinder, die ja Zielgruppe dieses Buches sind, für solche Dinge sensibilisieren kann. Wie will dieses Buch etwas vermitteln, wenn die Dinge, um die es geht, nicht ausgesprochen werden?
Highlight dieses Buches war für mich Schmuel, der trotz der unerträglichen Situation, in der er sich befindet, nie verzweifelt oder sich aufgibt. Den Schluss fand ich überraschend und hätte ein solches Ende nicht vermutet.
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103 von 121 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eines der besten Jugendbücher aller Zeiten, 23. Januar 2008
Der 9jährige Bruno kommt von der Schule nachhause und "erwischt" seine Eltern beim Packen. Verwirrt muss er miterleben, dass die Familie aus unbekanntem Grund umziehen muss, fort aus seiner schönen Heimat Berlin an einen seltsamen Ort namens "Aus-Wisch" oder so ähnlich. Er, der sich nichts sehnlicher als neue Spielkameraden wünscht, beobachtet die seltsamen Leute hinter dem Zaun vor seinem neuen Zuhause, die alle dieselbe Kleidung tragen und über die seine Familie am liebsten nicht sprechen würde, und er wünscht sich in seiner kindlichen Naivität nichts sehnlicher, als zu ihnen zu gehören...
Zugegeben, ich kann mit der Thematik nicht mehr viel anfangen da über wahrscheinlich keine andere Epoche unserer Geschichte schon soviel geschrieben wurde. Aber den Holocaust aus der Sicht eines naiven Kindes zu lesen, in einem hervorragend geschriebenen Roman, hat mich überwältigt. Das Buch ist sprachlich gekonnt, spannend geschrieben und hält eine Überraschung nach der anderen bereit. Es gipfelt in einem völlig überraschenden, unglaublichen Finale, welches den Leser wie ein Schlag trifft und das man in keiner Weise erahnen konnte.
Man liest oft, dass man dieses oder jenes Buch "mit Sicherheit nicht mehr so schnell vergisst" - bei diesem Buch stimmt es tatsächlich. Für Kinder unter 14 Jahren halte ich es für ungeeignet, alle darüber müssen dieses Buch gelesen haben. Ohne Zweifel ein Buch, das in ein paar Jahren als Klassiker gelten wird.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Schwieriges Thema zweifelhaft umgesetzt, 21. September 2009
Jugendliteratur über den Holocaust muss sich besonderen Schwierigkeiten stellen. Ein schon an sich schwer zu verbalisierender Sachverhalt soll in jugendgerechte Sprache und v.a.: in eine jugendgerechte Perspektive transformiert werden. Die berühmte des Messers Schneide wurde in dieser "Fabel", wie der Untertitel lautet, jedoch leider nicht einmal erreicht. Dies hängt vor allem mit der Charakterzeichnung des Protagonisten Bruno zusammen. Aus einer personalen Erzählsituation wird die Handlung durch seine Brille betrachtet.
Als Sohn des Lagerkommandanten von Auschwitz wird der neunjährige Bruno eines Tages mit Mutter und Schwester aus Berlin nach Auschwitz gebracht, wo er jenseits des Vernichtungslagers im Kommandeurs-Haus untergebracht ist. Der Wechsel Berlin-Auschwitz ("Aus-Wisch") fällt ihm schwer, er versteht nicht, was in seiner Umwelt vorgeht. Lager und Häftlinge sind für ihn ein Tabu, er sehnt sich nach seinen Freunden. Dass er eines Tages den gleichaltrigen Schmuel, einen jüdischen Häftling, auf der anderen Seite des Zaunes sitzend antrifft, ist der Beginn der Freundschaft zwischen dem Sohn des Lagerkommandanten und dem jüdischen "Jungen im gestreiften Pyjama"...
Allein der Titel als Synonym für Schmuel - der Junge im gestreiften Pyjama bezeugt die große Naivität, mit der Bruno das Leben jenseits des Lagers betrachtet. Warum erkennt ein Neunjähriger nicht, was Schmuel widerfährt? Warum hat ein Neunjähriger, der im nationalsozialistischen Staat aufwächst, noch nie etwas von den Juden gehört geschweige denn von deren angeblicher Minderwertigkeit? Warum vermag er nicht, den Ort "Auschwitz" richtig auszusprechen? Warum kann selbst er als Sohn eines hochrangigen Nazi-Funktionärs den Begriff "Führer" nicht richtig artikulieren? Dass bei ihm stets ein bloßes "Furor" dabei herumkommt ist unglaubwürdig. Eine Anspielung auf das lateinische Wort "furor" (Wut, Zorn, Hass) wäre an sich ein schöner Interpretationsansatz, um damit Hitler negativ zu kennzeichnen. Doch aufgrund der personalen Erzählsituation erscheint diese These, die man zur "Entschuldigung" anführen könnte, nicht einmal tragbar. Auch weitere Details, die nicht so recht passen wollen, sorgen für Missstimmung. In einer Analepse, die eine Anekdote aus der Zeit vor Kriegsausbruch berichtet (Brunos Mutter erzählt definitiv vor 1939 über den Ersten Weltkrieg), wird besagter Krieg tatsächlich als "Erster Weltkrieg" bezeichnet, obwohl ein "Zweiter" noch nicht ausgebrochen ist. "Weltkrieg" wäre richtig gewesen. Allerdings lässt sich an dieser Stelle nicht klären, ob lediglich ein Übersetzungsfehler für das auch heute noch im Englischen gebräuchliche "The Great War" vorliegt. Entscheidender für die Unwahrscheinlichkeit der Handlung jedoch: Warum kann Bruno durch den Zaun ins Lager gelangen, Schmuel im Gegenzug aber nicht heraus?
Trotz der gravierenden Mängel in der Anlage der Charaktere und des Plots muss der "Fabel" jedoch zugute gehalten werden, dass sie es in der Tat vermag, Emotion aufzubauen. Der Leser wird auch durch die Sprache in eine gedrückte Stimmung versetzt. So sollte der Text wohl nicht mit den Augen eines erwachsenen Literaturwissenschaftlers, sondern mit denen des jugendlichen Lesers betrachtet werden. Zwar enthält er selbst dann noch besagte Mängel, doch bietet er die Grundlage, sich mit dem schwierigen Thema auseinanderzusetzen und eine Reflexion anzuregen.
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