„Der Junge, der Ripley folgte“ ist der vierte Roman mit Tom Ripley, der vielleicht bekanntesten Romanfigur von Patricia Highsmith. Tom Ripley, ein dem Leser verstörend sympathischer Ganove, der nach dem einen oder anderen Mord, der mehr oder weniger unvermeidbar seinen Lebensweg kreuzte, als Besitzer einer schönen Villa südlich von Paris inmitten der gutbürgerlichen Gesellschaft angekommen ist, trifft völlig überraschend auf einen Jugendlichen, der auch ein unerfreuliches Geheimnis mit sich herumzuschleppen scheint. Für den jungen Frank Pierson ist Tom Ripley in jeder Hinsicht ein Vorbild, und es entwickelt sich eine Vater-Sohn-Beziehung der etwas anderen Art, die den ganzen Roman über trägt. Spannend für den Leser bleiben letztlich zwei Fragen: Hat Millionärssohn Frank Pierson den Mord, der ihn zu Tom Ripley getrieben hat, tatsächlich begangen und – falls ja – gelingt es ihm, als Schüler Ripleys mit der moralischen Bürde, schuldig zu sein, umzugehen ? Bis zur Klärung der beiden Fragen und dem Finale in Frank Piersons Heimat Neuengland führt die Autorin durch eine rasante Romanhandlung, die vor allem in Paris und Berlin angesiedelt ist. Dies geschieht mit dichten atmosphärischen Schilderungen, so dass der Leser neben der psychologischen sehr interessanten Grundkonstellation auch die örtlichen Gegebenheiten der beiden Metropolen aus den 70er Jahren mitnimmt. Vielleicht sogar der stärkste Roman in der insgesamt. Eine Verfilmung des Stoffes gibt es bislang nicht – ob man dies als Leser bedauern soll, bleibt nach den Erfahrungen mit seitherigen Ripley-Verfilmungen aber eine letztlich offene Frage.