Martina Hefter Junge Hunde Alexander Fest Verlag 3 8286 0166 9
S. 135
Der Debütroman von Martina Hefter hat eine ganz und gar unspektakuläre
Geschichte zum Inhalt.
Eine junge Frau, fast ein Mädchen noch, fährt nach Leipzig , um sich dort umzutun. Sie will versuchen, die Aufnahmeprüfung zum Studium der Choreographie zu bestehen. Es scheint eher ein etwas zielloses und vages Unterfangen.
Sie läßt sich nach der Ankunft am Bahnhof in ein Taxi fallen, um sich einfach nur ein wenig herumfahren zu lassen.Dabei entdeckt sie eine Tätowierung auf dem Arm des jungen Taxifahrers. Nicht nur diese interessiert sie , sondern auch der junge Mann.Später erfahren wir, daß er ein abgebrochenes Physikstudium hinter sich hat.
Nun dreht sich die Erzählung in erster Linie um Begegnungen zwischen den Freunden von Vinz, dem Taxifahrer,ferner den Zimmernachbarn von Helen in ihrer Privatunterkunft, Parties, Landschaften, die durchstreift werden, und kleinen mehr oder weniger unaufgeregten Begegnungen zwischen Studenten und jenen, die es sein wollen. Es ist ein stetes Kommen, sich Begegnen, Auseinandergehen, manchmal von tragischen Ereignissen begleitet.
Was den Roman auszeichnet, ist die in kurzen Sätzen skizzierte Entwicklung, die sich der Pubertät anschließt. Einsamkeit, Suche , Begegnung, Trennung, Sehnsucht und Flucht. Dabei beobachtet und beschreibt die Autorin sensibel und aufmerksam, wieviel Ratlosigkeit bei der Sinn-und Orientierungssuche am Beginn des selbständigen Lebensalltags stehen kann. So symbolisiert wohl der Titel" Junge Hunde", daß auch diese suchen.Daß bei Hunden allerdings allein das Geschlechtliche die Suche nach dem vorbeistreunenden Artgenossen beflügelt,das unterscheidet ihn vom homo sapiens . Aber auch beim jungen Menschen spielt die Sexualität, die Sehnsucht danach und die Neugierde darauf eine dringliche und vordergründige Rolle.
Die Erzählung läßt die Hoffnung zu, daß Liebeswünsche sich erfüllen können.
Daß das Studium von Tanz und Choreographie beim Entstehen dieses ersten Romans eine Rolle gespielt habe, konnte man einem Interview mit der jungen Autorin entnehmen. Es gibt dem Roman einen besonderen Reiz, ihn aus dieser Perspektive zu betrachten.
Als Neuentdeckung unter den deutschen Autor/Innen sollte man sich Martina Hefter merken.
Claudine Borries