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Junge Hunde
 
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Junge Hunde [Gebundene Ausgabe]

Martina Hefter
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Fest (2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3828601669
  • ISBN-13: 978-3828601666
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 13,2 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 958.977 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Eine Spinne in ihrem Haar
Martina Hefters Roman «Junge Hunde»
Alle paar Jahre erscheint im deutschen Sprachraum ein Buch, das – ohne dezidiert politisch zu argumentieren – das Klima eines Epochensegments klarsichtig und tiefenscharf erfasst. 1976 ist dies Nicolas Born mit dem Roman «Die erdabgewandte Seite der Geschichte» gelungen, 1982 Bodo Morshäuser mit der «Berliner Simulation», 1995 Christian Kracht mit «Faserland». Solche prägnant-zeittypischen Bücher müssen keine grossen Kunstwerke sein; es sind meistens Grossstadtromane und Ich-Erzählungen, häufig sind sie episodisch strukturiert, und nicht selten funktioniert ihr Plot nach dem einfachen Prinzip «Boy meets girl». Gemeinsam ist ihnen, dass die Sehnsuchtsgeschichten, die sie erzählen, gleichzeitig das gesellschaftliche Klima so präzise spiegeln, dass diese Texte einmal Kassiber aus einer versunkenen Zeit sein könnten: verwittert und unscheinbar auf den ersten Blick, mitteilsam auf den zweiten; spätere Generationen werden aus ihnen entnehmen können, wie das Leben sich für Leute angefühlt hat, die 1976, 1982 oder 1995 in Mitteleuropa jung waren. Ein solches Buch ist auch der Roman «Junge Hunde», das Début der 1966 im Ostallgäu geborenen Martina Hefter. Eine Liebesgeschichte, was sonst; aber sie spielt nicht irgendwo und irgendwann, sondern neun Jahre nach der Wende in Leipzig, und unter der glitzernden Oberfläche kapitalistischer Wonnen, an die man sich gewöhnt hat, verbirgt sich eine kompakte Schicht DDR, die sich nur ab und zu eine Blösse gibt und dennoch die Geschichte subtil grundiert. Dramaturgisch sticht eine Parallele zu Morshäusers «Berliner Simulation» hervor, fast so, als gäbe Martina Hefter zwanzig Jahre später ein Echo auf eine Geschichte, die den Gegensatz der Kulturen und Mentalitäten thematisiert: Dort suchte ein introvertierter junger Mann vor dem brodelnden Hintergrund der Hausbesetzerszene Westberlin nach einer lebenslustigen Amerikanerin ab; hier treffen sich eine Westdeutsche und ein Ostdeutscher in einem Taxi, verlieben sich, verlieren sich aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn, und treffen sich schliesslich wieder. «Girl meets boy»: Denn natürlich hat die Autorin Morshäusers Perspektive zunächst einmal vertauscht; und trotzdem – denn geschlechtsspezifisches Verhalten ändert sich auch in zwei Jahrzehnten nicht ohne weiteres – ist es eher Vinz, der junge Taxifahrer, der Leipzig nach der Tänzerin Helen absucht, und nicht etwa umgekehrt. Der Leser weiss das nur deshalb so genau, weil die Autorin in einer Art epischer Parallelmontage aus beiden Blickrichtungen berichtet; das könnte ein relativ konventioneller Kunstgriff sein, gäbe es da nicht einen feinen Unterschied: Die Ich-Erzählerin Helen schreibt im üblichen epischen Präteritum, während die Geschichte von Vinz und seinem Freund Fruehling sich in der Gegenwartsform präsentiert. Man könnte, aber muss nicht daraus schliessen, Vinz' Geschichte sei so etwas wie eine konkrete Vision der Ich-Erzählerin: Es bleibt offen. Der Perspektivwechsel befreit die Geschichte von jeglicher sentimentalen Fixierung und gibt ihr dafür Dynamik und Spannung. Über Helens Gefühle erfährt man wenig und doch genug. Denn Martina Hefter ist eine wunderbare Erzählerin. Bewundernswert ist allein schon, mit welcher Einfühlungsgabe die Autorin von einer Männerfreundschaft zu berichten weiss. Vor allem aber beherrscht Martina Hefter das Repertoire sparsamer und vielsagender Gesten, die das Seelische ins Körperliche verlagern. Wenn Vinz der noch fremden jungen Frau eine Haarsträhne aus dem Gesicht streicht und sie das mit einem Kichern beantwortet oder wenn er ihr eine (vielleicht imaginäre) Spinne vom Kopf nimmt, so sind das selbstbewusste, deutliche und doch unaufdringliche, behutsame Gesten, mit denen die Autorin mehr zu erzählen weiss als mit tiefenpsychologischen Analysen. Ihre Figuren sind frei von den zähen Verklemmtheiten früherer Epochen; wenn auch sie sich scheu und einsilbig gebärden, muss es andere Gründe dafür geben, die womöglich mit Klugheit zu tun haben: mit dem intuitiven Wissen um die Flüchtigkeit und also die Kostbarkeit des Glücks. Nicolas Born war vor einem Vierteljahrhundert noch heftig mit Enttabuisierungen beschäftigt; das ist vorbei. Helen schläft selbstverständlich mit ihrem WG- Mitbewohner, der sie mit einem nächtlichen Heulkrampf verführt hat, ohne dass dieser Akt im mindesten provokativ wirkt. Lediglich die Begleitumstände des Sex sind betont originell inszeniert und müssen das vielleicht auch sein. Martina Hefters Geschichte hat einen durchaus bodenständigen Charme. Und doch glaubt man buchstäblich seinen Augen nicht zu trauen, wenn Vinz und Helen nach dem glücklichen Wiedersehen fast wortlos ein Paar Mopswelpen in ihrem Körbchen streicheln, jeder seinen eigenen Mops, «eine winzige Spalte zwischen den Hunden, zwischen den Händen». Das Glück ist, nicht nur an dieser Stelle des Romans, mit Händen zu greifen und fällt doch niemandem in den Schoss. Vielleicht bedarf es ja einer winzigen Spalte, einer geringfügigen Abweichung von den allgemein üblichen Verkehrsformen, um das Charakteristische, das Zeittypische einer Fabel und eines Figurenensembles erst wirklich ins Blickfeld zu heben. So sind die Helden des Romans «Junge Hunde» schrecklich normal und zugleich ganz und gar ungewöhnlich. Wenn Vinz tatsächlich einmal eine Art Liebeserklärung über die Lippen bringt, dann unbedingt in «Sechzehntelnotenwerten»: Das ist der Rhythmus unserer Zeit. Und Helen, die hellhörige und feinfühlige Tänzerin, die das Tanzen fast schon aufgegeben hatte, hebt ab. Das Ende dieser Geschichte ist in Moll gehalten und dabei von relativem Optimismus geprägt. Martin Krumbholz

Pressestimmen

"Martina Heferts Prosa besitzt, was ein guter Text in meinen Augen haben muss: Feinheit und Reife, Eleganz und Konsequenz. Sie ist sparsam, genau und klar in ihrer Sprache, ehrlich in ihren Gedanken und Gefühlen. Kein Bluff, keine Schummelei. Das macht dieses Buch so zwingend und 'nah', so fein und erbarmungslos, so weise und naiv zugleich." (Terzia Mora)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Martina Hefter Junge Hunde Alexander Fest Verlag 3 8286 0166 9
S. 135

Der Debütroman von Martina Hefter hat eine ganz und gar unspektakuläre
Geschichte zum Inhalt.
Eine junge Frau, fast ein Mädchen noch, fährt nach Leipzig , um sich dort umzutun. Sie will versuchen, die Aufnahmeprüfung zum Studium der Choreographie zu bestehen. Es scheint eher ein etwas zielloses und vages Unterfangen.
Sie läßt sich nach der Ankunft am Bahnhof in ein Taxi fallen, um sich einfach nur ein wenig herumfahren zu lassen.Dabei entdeckt sie eine Tätowierung auf dem Arm des jungen Taxifahrers. Nicht nur diese interessiert sie , sondern auch der junge Mann.Später erfahren wir, daß er ein abgebrochenes Physikstudium hinter sich hat.
Nun dreht sich die Erzählung in erster Linie um Begegnungen zwischen den Freunden von Vinz, dem Taxifahrer,ferner den Zimmernachbarn von Helen in ihrer Privatunterkunft, Parties, Landschaften, die durchstreift werden, und kleinen mehr oder weniger unaufgeregten Begegnungen zwischen Studenten und jenen, die es sein wollen. Es ist ein stetes Kommen, sich Begegnen, Auseinandergehen, manchmal von tragischen Ereignissen begleitet.
Was den Roman auszeichnet, ist die in kurzen Sätzen skizzierte Entwicklung, die sich der Pubertät anschließt. Einsamkeit, Suche , Begegnung, Trennung, Sehnsucht und Flucht. Dabei beobachtet und beschreibt die Autorin sensibel und aufmerksam, wieviel Ratlosigkeit bei der Sinn-und Orientierungssuche am Beginn des selbständigen Lebensalltags stehen kann. So symbolisiert wohl der Titel" Junge Hunde", daß auch diese suchen.Daß bei Hunden allerdings allein das Geschlechtliche die Suche nach dem vorbeistreunenden Artgenossen beflügelt,das unterscheidet ihn vom homo sapiens . Aber auch beim jungen Menschen spielt die Sexualität, die Sehnsucht danach und die Neugierde darauf eine dringliche und vordergründige Rolle.
Die Erzählung läßt die Hoffnung zu, daß Liebeswünsche sich erfüllen können.

Daß das Studium von Tanz und Choreographie beim Entstehen dieses ersten Romans eine Rolle gespielt habe, konnte man einem Interview mit der jungen Autorin entnehmen. Es gibt dem Roman einen besonderen Reiz, ihn aus dieser Perspektive zu betrachten.
Als Neuentdeckung unter den deutschen Autor/Innen sollte man sich Martina Hefter merken.
Claudine Borries

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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Die Liebesgeschichte von Vinz und Helen ist für mich an sich keine Geschichte, eigentlich nur eine Begegnung, die er nicht vergessen hat. Von ihrer Seite kommen wenig Emotionen rüber und mir war nicht klar, ob sie Interesse an ihm hat oder nicht. Was mich stört, ist das in diesem wirklich dünnen Buch viele Beschreibungen über die Landschaft und andere unwichtige Personen vorkommen und die eigentlichen Protagonisten an der Oberfläche schwimmen. Lediglich der Schluß ist zum einen traurig zum anderen mehr als offen.
Aber alles in allem gut geschrieben - der Tiefgang war da zumindest ansatzweise.
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