Eigentlich gehöre ich ja nicht zur richtigen Zielgruppe für dieses Buch, ich bin so in etwa im Alter der Autorin, und habe mir das Buch gekauft, um es irgendwann mal meinen Großneffen zu schenken, wenn die mal noch etwas größer sind. Und weil es gut ist, wenn man die Bücher kennt, die man verschenken will, habe ich es dann gestern, als es ankam, gleich selbst gelesen....und nicht mehr aufhören können, so spannend war es.
Viktor ist ein 10-jähriger Junge, der ursprünglich aus Kasachstan kommt, aber schon seit einigen Jahren mit seiner Mutter in Deutschland lebt. Aber erst vor kurzem sind die beiden in ein Hochhaus in einer großen Stadt gezogen, weil seine Mutter dort einen neuen Job als Leiterin in einem Drogerie-Markt bekommen hat. Es sind gerade Ferien, Viktor kennt die neue Gegend noch nicht, Spielkameraden hat er auch noch nicht und außer Mesut, einem kleinen Türken, etwa in seinem Alter, der im selben Haus wie er wohnt, ist er noch keinem anderen Kind begegnet. Aber Mesut ist größer als er und nicht gerade freundlich zu ihm, deshalb hat er Angst vor ihm. Als Viktor die Gegend erforscht, kommt er auf den Friedhof, wo er verschiedenen Erwachsenen begegnet....einer etwas verwirrten obdachlosen Frau, dem freundlichen Friedhofsgärtner, einem älteren Ehepaar, das den Friedhof eher als Erholungspark nutzt und ihn mit Essen bemuttert, einem klugen älteren Witwer mit Hund, der sich um das Grab seiner verstorbenen Frau kümmert und einem etwas ruppigen Angestellten im Büro des Friedhofs. Viktor hat festgestellt, dass er die Gedanken der Menschen lesen kann, wenn er sie länger anschaut.....ja...und dann geschieht etwas....und Viktor wird zum 'Detektiv', denn er ist ein begeisterter Leser von Detektivgeschichten... bald gelingt es ihm auch, einen gleichaltrigen Freund zu finden, mit dem er dann ein unglaubliches Abenteuer erlebt.
Ich würde ja gerne weitererzählen, aber ich möchte Euch die Spannung nicht nehmen. Das Buch ist nicht nur spannend, es ist auch herzerwärmend...es erweitert den Blickwinkel.
Wir erfahren im Laufe der Zeit, warum die obdachlose Frau so verwirrt ist, es geht um Trauer, sich schuldig und zurückgesetzt fühlen, um Integration von Fremden...um das Entstehen von Vertrauen und Freundschaft... Frau Boie ist nicht nur eine gute Autorin, sie kann sich auch sehr gut in Kinder einfühlen. Falls sie nicht mehr als Lehrerin arbeiten sollte, wäre dies deshalb schade, obwohl wir natürlich sehr viel von ihren Büchern profitieren.
Ob das alles in Wirklichkeit auch so geschehen könnte, ist zwar ab und zu ein wenig fraglich, aber das ist bei allen Detektivgeschichten so, wie die Autorin ihren Helden am Ende selbst bemerken lässt, denn Viktor ist ja ein Kenner von Detektivgeschichten. Sie bekommt von mir die volle Punktzahl.
Auch die Bilder sind herrlich. Frau Kehn trifft immer genau den Typ mit ihren Zeichnungen.