Vordergründig geht es in diesem Buch um die ziemlich skurrile und surreal wirkende Geschichte eines Jungen, der im Alter von 10 Jahren ein abnormes sexuelles Verhalten zeigt, indem er eine libidinöse Beziehung zu Bäumen pflegt. Derselbe Junge wird 50 Jahre später zum Premierminister des Landes gewählt, der als Elemente seines politischen Programms z. B. die Einführung einer vegetarischen Ernährung der Massen, die Einführung eines christlichen Baumkultes und die Einrichtung eines Ministeriums der Bäumischen Zeit plant. Eng verwoben mit dem Schicksal des Jungen, der die Bäume liebte, ist das seines damaligen Psychotherapeuten, dem in Mantua lebenden zur Erzählzeit schon fast Hundertjährigen Professor Veritier, der durch einen Zeitungsbericht über den ehemaligen Patienten erneut mit seinen Erinnerungen an den Jungen, dessen Mutter und verschiedene Geistwesen konfrontiert wird, denen er während der therapeutischen Arbeit begegnet war. Über diese Rahmenhandlung hinaus werden in dem spannend und mit viel Sprachgefühl geschriebenen Erstlingswerk eines italienischen Arztes aber weitere Themenräume geöffnet, die das Buch zu einem vielschichtigen und außergewöhnlichen Roman machen. Dazu gehört eine Gegenüberstellung kindlicher Ausformungen der Sexualität mit exzessiven Sexualpraktiken Erwachsener, die Beziehung von Menschen zu andersartigen Wesen ihrer Lebenswelt und übersinnlichen Geistwesen anderer Wahrnehmungssphären, und die Grenzen im Austausch und im gegenseitigen Verständnis unterschiedlicher Seinsformen. Das Buch zeugt darüber hinaus von einer tiefen Verbundenheit des Autors mit den Bäumen, was sich in zahlreichen esoterischen, mythologischen und literarischen Anspielungen und Interpretationen mit Bezug zu Baum-Themen ausdrückt. Vor allem aber scheint die Handlung von einer Utopie motiviert zu sein, die an der vorurteilslosen Begegnung mit dem Außergewöhnlichen ansetzt und in der Überschreitung gewöhnlicher Grenzen Chancen zum Erreichen einer besseren Welt sieht.