Quintilianus, ein verzogener, verwöhnter, junger Römer aus gutem Hause, Neffe des Kaisers Commodus, ist nach Niedergermanien in die Colonia Agrippinensis versetzt worden. Noch hofft er, bald in das kultivierte Rom zurück kehren zu dürfen. Aber dann wird er überraschend beauftragt, den Mord an Meliobar aufzuklären. Meliobar ist Mitglied einer chaukischen Delegation, die sich zu Verhandlungen in der Colonia aufhalten. Die Fakten sind verwirrend. Waren es wirklich die Friesen, die einen Überraschungsangriff auf die Chauken planen?
Mit viel historischem und kriminalistischem Sachverstand, mit feinem Witz und geschliffener Sprache entführen die Autorinnen den Leser in das römisch besetzte Germanien vor 2000 Jahren und lassen ihn die Neuzeit vergessen. Sie geleiten ihn durch enge Gassen, über Märkte, durch die Residenzen wohlhabender, einflußreicher Römer, durch ein beklagenswert unkultiviertes friesisches Dorf, besuchen mit ihm Tavernen, lassen ihn entspannt auf einer Kline lagern und köstlichen Wein schmecken. Und scheinbar zufällig spinnen sie ein Netz aus Intrigen, Verrat und Spannung um ihn. Fast unmerklich beschleunigt sich das Tempo. Es fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Immer wieder gerät ein anderer Verdächtiger in den Fokus der Ermittlungen. Und immer wieder treten überraschende Wendungen ein. Tief taucht der Leser ab in den römischen Lebensstil im besetzten Germanien. Und schon nach wenigen Kapiteln wundert sich der Leser, dass er ein Buch aus Papier und nicht eine beschriebene Wachstafel oder eine Buchrolle in den Händen hält.
Historische Romane haben derzeit Hochkonjunktur. Dieser Roman gehört zur besten Unterhaltung dieses Genres. Schon durch die geschliffene, facettenreiche Sprache, auch im Dialog, lassen die Autorinnen eine andere Zeit, eine andere Kultur, wieder auferstehen. Liebevoll und mit einem kleinen Augenzwinkern beschreiben sie die Charaktere: den verwöhnten Quintilianus, seinen etwas renitenten Sklaven Livius, den undurchsichtigen Martius, den öligen Pomponius Crispus und Salvatius Pauper, den wohl nicht wirklich armen Inhaber des Goldenen Lorbeer in der Via Praetoria.
Ein spannendes Lesevergnügen. Eine packende Kriminalgeschichte. Ein farbiges Bild einer längst vergangenen Zeit.