Mit dem Buch "Jung Lokomotiven - Geschichte und Lokomotiven der Arn. Jung Lokomotivfabrik in Jungenthal 1885-1987" haben Stefan Lauscher und Gerhard Moll der Geschichte der Firma Jung ein ehrwürdiges Denkmal gesetzt, welches in der Eisenbahnliteratur für einen solchen namhaften Lokomotivhersteller bislang einmalig ist.
Geplant ist, die Geschichte der Firma Jung in zwei Büchern vorzustellen: während in diesem ersten Teil vor allem die Geschichte, die Personen um die Firma Jung sowie die weitreichende Produktpalette vorgestellt wird, soll im zweiten Teil insbesondere auf die verschiedenen Fahrzeuge (immerhin rund 13.000 Stück verließen die Werkshallen in Jungenthal) vorgestellt werden.
Im Vorwort wird allerdings darauf hingewiesen, dass das Erscheinen des zweiten Teils abhängig von den Verkaufszahlen dieses Bandes ist.
Zum Buch selbst: Das Buch ist in sieben Kapitel gegliedert, wobei die Kapitel eins bis fünf die Geschichte der Firma Jung von deren Ursprung bis zum Ende im Jahre 1993 widergeben. Das sechste Kapitel stellt eine Kurzbilanz des Lokomotivbaus dar, während im siebten Kapitel auf die weiteren Produkte eingegangen wird, welche ebenfalls die Werkshallen verlassen haben ' und gerade hier wurde eine hohe Bandbreite bedient - von Kesseln über Motoren bis hin zu wehrtechnischem Material.
Das Buch hat die für den EK-Verlag typische Qualität - sprich Druck und Verarbeitung sind dem Preis angemessen. Das Buch überzeugt durch eine umfangreiche und sehr gelungene Bildauswahl, welche sich bei weitem nicht auf Portraitfotos von Lokomotiven beschränkt, sondern auch sehr interessante Einblicke in die Geschichte der Firma Jung gewährt.
Wichtige Personen im Zusammenhang mit der Firmengeschichte werden einzeln vorgestellt, aber auch Fotos der Anlagen, in die Werkshallen selbst und natürlich auch von der Belegschaft selbst fehlen nicht.
Bei den Fahrzeugfotos wurde offensichtlich starkes Augenmerk darauf gelegt, besondere Fahrzeuge oder Situationen zu zeigen, was bei vielen Fotos dazu verleitet, länger jedes einzelne Bild für sich zu betrachten.
Gerade die breite Palette an den verschiedensten hergestellten Arten von Fahrzeugen bringt eine sehr abwechslungsreiche Auswahl der gezeigten Fotos.
Typisch für die EK-Bücher ist auch hier der recht geringe Anteil an Farbseiten, welche - ebenfalls für EK-Bücher typisch - in einem zusammenhängenden Bereich des Buches präsentiert werden. Jedoch sollte man fairerweise erwähnen, dass ein höherer Farbanteil vmtl. nur schwer möglich gewesen wäre, da die Vielzahl der gezeigten Fotos nur in Schwarz-Weiß vorliegen dürfte. Bei einem Buch wie diesem, wo die knapp über einhundert jährige Geschichte eines Unternehmens widergegeben wird, ist dies aus meiner Sicht somit also überhaupt kein Manko, sondern macht es eigentlich authentischer.
Das Buch erfüllt aus meiner Sicht voll und ganz die gesetzten Erwartungen - es ist meines Erachtens ein Meilenstein der Eisenbahnliteratur im Bereich Lokomotivhersteller.
Sollte tatsächlich eines Tages Literatur über andere namenhafte Hersteller wie Deutz, Krupp, Henschel, Krauss-Maffei, MaK oder Gmeinder (nur um einige zu nennen) erschienen, muss sich diese definitiv mit dem Jung-Buch messen lassen.