Mit "Junebug" ist dem Regisseur Phil Morrison ein zutiefst berührender, absolut empfehlenswerter Film gelungen.
Die Kunsthändlerin Madeleine, mitte dreißig, heiratet den um einige Jahre jüngeren George, der aus einer einfachen amerikanischen Südstaatenfamilie kommt. Sie hat aus beruflichen Gründen etwas in unmittelbarer Nähe des Heimatortes ihres Mannes zu erledigen und somit nützen sie die Gelegenheit um George's Familie zu besuchen.
Wieder eine dieser Familiengeschichten? Oh ja!
Aber eine ganz andere, als sie vielleicht erwarten würden.
Der Film beginnt z.B. mit verschiedenen Männern, die melodisch schreien. Es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit jodeln, ist aber viel lauter und hat sich über die Jahrzehnte zu einer Kunstform entwickelt. Man verständigt sich zwar heutzutage im bergigen North Carolina nicht mehr brüllend von Tal zu Tal, aber bei manch' späteren Filmsequenzen, könnte man es sich durchaus noch vorstellen.
Es ist trotz der ständig, fröhlich dahinplappernden, hochschwangeren Ashley, George's und Madeleines Schwägerin, ein ruhiger, nein, träge dahingleitender Film, mit wunderbaren Naturaufnahmen, die als Standbilder einen tiefen Eindruck hinterlassen. Sie unterstreichen die Einsamkeit, der, in traditionellem Rollenverhalten gefangenen Familienmitglieder meisterhaft.
Es gibt kaum eine Annäherung zwischen den unterschiedlichen Charakteren und Lebensweisen. Einerseits des in Chicago lebenden Ehepaares George und Madeleine und andrerseits der, der Tradition und Gott verbundenen Eltern, kleiner Bruder und Schwägerin in den Südstaaten; und dennoch gräbt sich dieser Film auf Schleichwegen ganz tief und hinterfotzig ein.
Einer der Gründe, warum dieser Film so glaubhaft ist, liegt sicher auch an der Auswahl der Schauspieler, die allesamt aussehen wie du und ich und unsere Nachbarn.
Lassen sie sich in die Langsamkeit entführen!