Die Geschichte ist schnell erzählt und keine Angst, ich verrate nicht das Ende: Es ist Anfang Winter. Der erste Schnee fällt. Der Protagonist Julius Winsome, ein 50-jähriger literaturliebhabendner Einzelgänger, lebt nach dem Tod seines Vaters zurückgezogen in einer Mainer Blockhütte mitten im Wald, deren Wände mit 3000 Büchern vollgestellt sind. Während sich Julius im Sommer mit handwerklichen Tätigkeiten wie Gartenarbeiten sein Geld verdient, widmet er sich im Winter seiner Leidenschaft dem Lesen. Alles scheint in Ordnung zu sein bis sein geliebter Hund mit dem bedeutsamen Namen "Locke" verschwindet. Die scheinbare Idylle zerbricht und Julius' bis jetzt wohl behütetes Innenleben mit all seinen Gefühlen, Erinnerungen und moralichen Werten kommt zum Vorschein, was fatale Folgen für manch einen Jäger in Julius' Nachbarschaft hat.
Das Buch ist wunderbar geschrieben. Es scheint, als ob die Sprache durch seine Unaufdringlichkeit und Behutsamkeit in den Hintergrund tritt, um der Stille der Umgebung und des Protagonisten gerecht zu werden ("All that silence waves across you ,Julius, like the long grass.", sagt Claire auf S. 94). Ein wenig hat mich das Buch an John Krakauers "Into the Wild" erinnert, vor allem der Atmosphäre wegen. Persönlich haben mir Julius' Erinnerungen an seinen verstorbenen Vater am besten gefallen, vor allem die Szene mit dem Jäger, der ein Vefechter von Darwins "Survival of the fittest" ist und so die Jagd rechtfertigen möchte. Der Vater nimmt daraufhin seine Waffe und richtet sie auf den Kopf des Jägers und fragt ihn völlig außer sich: Wer ist nun der Stärkste/Fitteste?
Also, bei "Julius Winsome" handelt es sich eben nicht um ein nur spannendes Buch, das sich mal schnell innerhalb eines Tages lesen lässt. Ganz im Gegenteil, wenn man genauer liest, entfaltet sich eine wirklich bewegende und tragische Geschichte, die viel Anstoß zum Nachdenken bietet und nebenbei wirklich wunderbar geschrieben ist.