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Die Idee hinter Christoph Starks Spielfilmdebüt
Julietta ist mehr als verlockend. Eine moderne, im Berlin der Love Parade angesiedelte Verfilmung von Kleists berühmter Novelle
Die Marquise von O..., das weckt Erinnerungen an all die amerikanischen Adaptionen berühmter literarischer Stoffe, die in den letzten Jahren in die Kinos gekommen sind, an
Eiskalte Engel und
William Shakespeares Romeo und Julia, an
10 Dinge, die ich an dir hasse und
Crime and Punishment, und lässt auf einen deutschen Teenagerfilm jenseits von
Harte Jungs und
Mädchen, Mädchen hoffen. Aber gerade diese Gedanken an die amerikanischen Produktionen setzen die Messlatte sehr hoch. Schließlich gehören sie zu den faszinierendsten und vielschichtigsten Filmen über Teenager überhaupt.
Ihren Trip zur Love Parade und das Wiedersehen mit ihrem Freund Jiri (Matthias Koeberlin) hatte sich die 18-jährige Schülerin Julietta (Lavinia Wilson) auch anders vorgestellt. Im Gedränge der feiernden und tanzenden Menge verlieren sie und Jiri sich, und schließlich bricht sie, von Drogen berauscht, in einem Springbrunnen zusammen. Selbst als der Rettungshelfer und DJ Max (Barnaby Metschurat) sie aus dem Wasser fischt, kommt Julietta nicht wieder zu sich. Erst am nächsten Morgen wacht sie wieder auf und fühlt sich sofort zu ihrem "Retter" hingezogen. Nur hat der in der vorherigen Nacht ihre Bewusstlosigkeit ausgenutzt und sie vergewaltigt.
Über Christoph Starks Absicht kann schon nach den ersten Bildern von Julietta kaum noch ein Zweifel bestehen. Der junge Regisseur träumt von einem wilden, ganz unmittelbaren Kino. Die leicht verwackelten, schnell geschnittenen Bilder von Juliettas Zugfahrt nach Berlin zu Beginn sind genauso wie die späteren Aufnahmen von der Love Parade Dokumente einer überhöhten Erfahrung. In ihnen soll das Lebensgefühl einer Generation zum Ausdruck kommen, einer Generation, die ihre Gefühle, vor allem die Liebe, über alles, auch über moralische Erwägungen, stellt. In diesem Sinne wäre die Geschichte von dem Mädchen, das dem Mann verzeiht, der sie vergewaltigt hat, die ultimative Liebesgeschichte. Doch dieses radikale Konzept geht nicht auf. Die Dreieckskonstellation zwischen Max, Julietta und Jiri steigt nicht in die Höhen einer neuen, noch leidenschaftlicheren Romantik auf, sondern versinkt in den Untiefen einer Seifenoper. --Sascha Westphal
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